Interview über Dopingvorwürfe: Lance Armstrong wird mit Oprah reden

Ex-Radprofi Lance Armstrong hätte seinen ersten öffentlichen Auftritt seit seiner lebenslangen Dopingsperre kaum besser vermarkten können: Am 17. Januar wird er mit Oprah Winfrey sprechen, der Beichtmutter Amerikas. Dabei soll es auch um die Betrugsvorwürfe gegen ihn gehen.

Lance Armstrong (Archivbild): Ex-Radprofi zu Gast bei Oprah Winfrey Zur Großansicht
REUTERS

Lance Armstrong (Archivbild): Ex-Radprofi zu Gast bei Oprah Winfrey

Hamburg - Oprah Winfrey hat mit allen gesprochen: mit den Obamas, den Familien von Michael Jackson und Whitney Houston, mit Tom Cruise. Auf der Internetseite ihres Senders OWN hat Winfrey nun angekündigt, wer ihr nächster Interviewpartner sein wird: Lance Armstrong.

Die 90-minütige Sendung mit dem früheren Radprofi soll am 17. Januar ausgestrahlt werden und zugleich weltweit im Stream zu sehen sein. Das Gespräch finde in Armstrongs Haus in Austin, Texas, statt. Es ist das erste große Interview, das Armstrong seit seiner Dopingsperre gibt. Er will mit Winfrey laut Senderangaben auch über die Betrugsvorwürfe sprechen, die seit Jahren gegen ihn erhoben werden.

Armstrong hatte die Vorwürfe stets vehement bestritten. Anfang Januar berichtete die "New York Times", der Sportler denke über ein Geständnis nach. Offiziell bestätigt wurde dies bislang nicht. Fest steht jedoch, dass sich Armstrong mit Winfrey die Beichtmutter der Amerikaner als Gesprächspartnerin ausgesucht hat.

Die Motivation für eine plötzliche Kehrtwende könnte darin begründet sein, dass ein umfassendes Geständnis eine lebenslange Sperre reduzieren würde, so sieht es der Code der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada vor. Dann wäre es Armstrong möglich, in einiger Zeit wieder an Triathlon-Veranstaltungen teilzunehmen. Doch juristisch könnte ein Geständnis schwerwiegende Folgen haben: Armstrong hatte in mehreren Prozessen teils unter Eid ausgesagt, nie gedopt zu haben. Vor Gericht unterlegene Kontrahenten sowie ehemalige Sponsoren fordern nun teilweise ihr Geld zurück, es geht um Millionenbeträge.

Der Ex-Radprofi war nach einem umfangreichen Enthüllungsbericht der Usada vom Radsportweltverband UCI im Oktober lebenslang gesperrt worden. US-Fahnder hatten ihm aufgrund von Zeugenaussagen ehemaliger Teamkollegen, E-Mails, Geldzahlungen und Laboranalysen jahrelanges systematisches Doping nachgewiesen, seine sieben Tour-de-France-Siege wurden Armstrong aberkannt.

Der US-Spitzenanwalt und Usada-Jurist Richard Young hält ein Geständnis des einstigen Radsport-Idols für unwahrscheinlich. "Vielleicht kommt er zu dem Schluss, es sei besser, ein Teil der Lösung zu werden, als ein Teil des Problems zu bleiben", sagte Young dem SPIEGEL. "Ich hoffe es, aber so wie Armstrong gestrickt ist, würde es ihm sehr schwerfallen, durch dieses Tor zu gehen." Young gehörte neben Usada-Chef Travis Tygart zum engsten Kreis der Ermittler, die Armstrong im Juni 2012 des systematischen Dopings bezichtigten.

aar/dpa

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1. Widerlich
peter-k 09.01.2013
Der Grund ist einzig und alleine noch mal mit dem Geständnis so richtig abzusahnen. Peter Kroll, Singapur
2.
maxibutz 09.01.2013
Zitat von peter-kDer Grund ist einzig und alleine noch mal mit dem Geständnis so richtig abzusahnen. Peter Kroll, Singapur
Sehe ich genauso. Aber dann kann er wenigstens seine Ex-Sponsoren auszahlen ...
3.
deelböge 09.01.2013
A) die meisten Rückvergütungsansprüche dürften verjährt sein. 2. sollten diese nicht verjährt sein, dürfte es dem Hauptsponsor fast unmöglich sein nach zu weisen, dass keiner seiner Vertreter jemals Kenntnis über Doping in Ihrem Rennstall erlangt hat. Das ist undenkbar, bleibt nicht verborgen kostet Unmengen Geld und war jedem großen Sponsor definitiv bekannt. In der Regel wurden die Dopingmaßnahmen von diesen Sponsoren voll willentlich verdeckt finanziert. Kommt's Raus gibt's eine vordefinierte Entrüstungskultur. Rücktritt. Ausstieg. Das war's. 3. Falschaussagen vor Gericht wären schwerwiegend. Da muss man aber mal genau hinschauen was Lance tatsächlich gesagt hat. Würde mich nicht wundern, wenn er dabei sehr gut beraten war.
4.
cs01 09.01.2013
Zitat von deelbögeA) die meisten Rückvergütungsansprüche dürften verjährt sein. 2. sollten diese nicht verjährt sein, dürfte es dem Hauptsponsor fast unmöglich sein nach zu weisen, dass keiner seiner Vertreter jemals Kenntnis über Doping in Ihrem Rennstall erlangt hat. Das ist undenkbar, bleibt nicht verborgen kostet Unmengen Geld und war jedem großen Sponsor definitiv bekannt. In der Regel wurden die Dopingmaßnahmen von diesen Sponsoren voll willentlich verdeckt finanziert. Kommt's Raus gibt's eine vordefinierte Entrüstungskultur. Rücktritt. Ausstieg. Das war's. 3. Falschaussagen vor Gericht wären schwerwiegend. Da muss man aber mal genau hinschauen was Lance tatsächlich gesagt hat. Würde mich nicht wundern, wenn er dabei sehr gut beraten war.
Problematisch könnten aber seine vielen Prozesse gegen zeitungen werden, die über sein Doping berichtet haben. Da hat er unter Eid gesagt, nie gedopt zu haben und dabei teilweise hohe Summen erstritten. Hinzu kommen Anwalts- und Gerichtskosten. Wenn er jetzt gesteht, werden diese ihr Geld zurückverlangen, inklusive Zinsen. Diese Forderungen dürften auch nicht verjährt sein. Nach deutschem Recht sind sie es jedenfalls nicht, wie es in anderen Ländern aussieht, weiß ich nicht. Da Armstrong sehr klagefreudig war, kommt jetzt einiges zusammen. Von den strafbaren Meineiden mal ganz abgesehen, die kommen oben drauf.
5. optional
k47 09.01.2013
Vieleicht stimmt alles, na und,, er ist trutz alledem ein Sportler der vielen Insperation und Hoffnung gegeben hat, die deutschen Medien alsauch Teil des Problems, sollten doch hier einmal fair sein,, als ob es ein wahnsinnig großes Medieninteresse am legendären Zweikampf Ulle und Lance gab, jetzt ist nur noch Heuchlerei im Spiel. Glaube heher die Medien sind durch etwas gedopt...
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Fotostrecke
Die Karriere von Lance Armstrong: Absturz eines Helden

Die Sieger der Tour de France
Jahr Sieger Land
2013 Chris Froome Großbritannien
2012 Bradley Wiggins Großbritannien
2011 Cadel Evans Australien
2010 Andy Schleck Luxemburg
2009 Alberto Contador Spanien
2008 Carlos Sastre Spanien
2007 Alberto Contador Spanien
2006 Óscar Pereiro Spanien
2005 Lance Armstrong* USA
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2000 Lance Armstrong * USA
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