Hamburg - Das Muster ist altbekannt: Man leistet sich einen Fehltritt, die Sache kommt raus, und plötzlich ist man in der Rolle des reuigen Sünders. Unangenehm und folgenreich ist das fast immer, nur haben Prominente den Nachteil, dass von ihren Lügen, Drogen, Affären häufig Millionen Menschen erfahren.
Jüngstes Beispiel: Schauspielerin Kristen Stewart, die ihren Freund Robert Pattinson um Verzeihung bat, weil sie eine Affäre mit Regisseur Rupert Sanders hatte. Sie teilte öffentlich mit, dass ihr die Affäre leidtue. Sie habe mit dem "kurzen Abenteuer" das Wichtigste in ihrem Leben aufs Spiel gesetzt, die Person, die sie am meisten liebe und respektiere - Pattinson. "Ich liebe ihn, ich liebe ihn, es tut mir so leid." Inzwischen soll Pattinson laut "People" aus dem gemeinsamen Haus in Los Angeles ausgezogen sein. Entschuldigungen sagen viel aus über die Reumütigen. Und man kann einiges von ihnen lernen.
Tiger Woods - Der Winselnde
Gibt es bei Entschuldigungen eigentlich Mengenrabatt? Mit Tiger Woods ist es so eine Sache. Wofür hätte er sich entschuldigen sollen? Für die Pornodarstellerin, die Managerin eines Nachtclubs, das Model, die Barkeeperin? Oder die Geliebte, die selbst im Fernsehen Woods Ehefrau um Vergebung bat und eigentlich doch nur hoffte, entdeckt zu werden? Es gab eine durchinszenierte Pressekonferenz, ein vom Blatt abgelesenes Statement, ein Verbot für Nachfragen, ungezählte Tränen und 15 Minuten: "I am so sorry." "Mein unverantwortliches und egoistisches Verhalten tut mir zutiefst leid. Ich war nicht treu, ich hatte Affären, ich bin fremdgegangen."
Arnold Schwarzenegger - Entschuldigung ohne Entschuldigung
Arnold Schwarzenegger schöpfte das Reuepotential voll aus, nachdem herausgekommen war, dass er ein Kind mit seiner Haushälterin gezeugt hatte, die immer noch für die Schwarzeneggers arbeitete. Er rutschte ganz tief auf den Knien. Als Ouvertüre zur Abbitte schickte er vorneweg, dass eine Entschuldigung eigentlich gar nicht möglich sei. "Ich verstehe die Wut und Enttäuschung meiner Familie und Freunde, und ich verdiene sie auch. Es gibt keine Entschuldigung, und ich trage die volle Verantwortung für den Schmerz, den ich verursacht habe. Ich habe mich bei Maria, meinen Kindern und meiner Familie entschuldigt. Es tut mir wirklich leid."
Juan Carlos - Der Visionär
Was man von Juan Carlos lernen kann? Elefanten zu jagen. Und sich trotzdem für den Tierschutz zu engagieren. Das riecht nach Widerspruch? Als auch dem spanischen König klarwurde, dass er da wohl etwas falsch verstanden haben muss, gab er sich kurzatmig, aber reumütig - und wählte den Weg der Wortkargen. Nicht groß in der Wunde bohren, sondern sich auf die nächsten 74 Lebensjahre freuen. "Ich habe mich geirrt. So etwas wird nie wieder vorkommen." Trotz der Erkenntnis ist Juan Carlos sein Amt als Ehrenpräsident der spanischen Sektion der Umweltschutzorganisation WWF los.
Bill Clinton - "Genaugenommen war es falsch"
Clinton leugnete zunächst eine Affäre mit der ehemaligen Praktikantin Monica Lewinsky, musste sich dann aber vor einer Grand Jury verantworten. Im Anschluss wandte er sich in einer TV-Ansprache an die US-Bürger. In dunklem Anzug und blauer Krawatte, die Stirn sorgenvoll gerunzelt, sagte Clinton: "Tatsächlich hatte ich eine Beziehung mit Miss Lewinsky, die nicht angemessen war. Genaugenommen war sie falsch. Das war eine fatale Fehleinschätzung und ein Versagen meinerseits, für das ich allein und komplett verantwortlich bin." Er habe niemanden zu Lügen oder Gesetzesverstößen angehalten - aber mit seinen öffentlichen Äußerungen und seinem Schweigen einen falschen Eindruck vermittelt. "Ich habe Menschen getäuscht, sogar meine Frau. Das bedauere ich zutiefst."
David Letterman - Der Kompensator
US-Talk-Veteran David Letterman war die Sache aus dem Ruder gelaufen, nämlich in dem Moment, als ein CBS-Mitarbeiter versucht hatte, ihn mit dem Wissen um seine Affären mit Kolleginnen zu erpressen. Letterman ergriff die Flucht nach vorne, vor die laufenden Kameras. "Wenn so etwas passiert, wenn man jemanden verletzt hat, ist man verpflichtet, es wiedergutzumachen", sagte der Moderator. Er werde alles unternehmen, um seine Ehe zu retten.
Hugh Grant - Der Lüsterne
Hugh Grant wurde 1995 wegen "unzüchtigen Verhaltens in der Öffentlichkeit" in Los Angeles festgenommen. Polizisten hatten ihn zusammen mit der Prostituierten Divine Brown in seinem Auto entdeckt. Es folgte eine Bewährungs- und eine 1180-Dollar-Strafe - und Ärger mit seiner damaligen Freundin, dem Model Elizebeth Hurley. Grant wählte für seinen Gang nach Canossa diverse Talkshows, wie die CNN-Sendung "Larry King Live". "Ich könnte einige der Dinge aufgreifen, die andere ins Gespräch gebracht haben, Stress, Druck, Einsamkeit - dass das der Grund war. Aber das wäre falsch. Am Ende muss man reinen Tisch machen und sagen: 'Ich habe etwas Unehrenhaftes, Schäbiges und Lüsternes getan.'"
LeAnn Rimes - Die Ergebnisorientierte
LeAnn Rimes sorgte 2009 für Aufruhr in der als konservativ bekannten US-Country-Szene: Die verheiratete Sängerin kam mit dem ebenfalls verheirateten Schauspieler Eddie Cibrian zusammen. Sie wartete allerdings rund anderthalb Jahre, bis sie sich dafür bei ihrem Ex-Mann Dean Sheremet und Cibrians Ex-Frau Brandi Glanville in einem Interview mit dem "People"-Magazin entschuldigte. Dabei zählte für die Sängerin vor allem das Ergebnis: "Ich habe eines der egoistischsten Dinge getan, die ich hätte tun können, weil ich andere verletzt habe. Für alle meine Fehler übernehme die Verantwortung. Ich hasse es, dass Menschen verletzt wurden. Aber das Ergebnis bedauere ich nicht."
Karl-Theodor zu Guttenberg - Der Formvollendete
Nach Informationen des SPIEGEL wählte der Ex-Minister einen sehr förmlichen Weg, um bei den Menschen Abbitte zu leisten, deren Werke er sich allzu sehr zum Vorbild nahm für seine eigene Dissertation. "Beim Verfassen meiner Dissertation habe ich Ihren Text ... genutzt und daraus Teile wörtlich übernommen, ohne Ihre Autorenschaft in wissenschaftlich redlicher Weise zu kennzeichnen", schrieb er an einzelne Wissenschaftler. "Ich möchte mich hierfür aufrichtig bei Ihnen entschuldigen." Gezeichnet: "Ihr sehr ergebener KT Guttenberg".
Christian von Boetticher - Der Konsequente
Manchmal schließlich hilft auch die beste Entschuldigung nichts. Das ahnte wohl auch CDU-Politiker Christian von Boetticher, als er im vergangenen Jahr wegen einer Beziehung zu einer Minderjährigen zurücktrat. Die "ungewöhnliche Liebe" sei vom Umfeld akzeptiert worden, aber ein politischer Fehler gewesen. Er habe die "moralischen Vorbehalte bei vielen Menschen" unterschätzt.
han/siu/ulz
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