Ski-Superstar Lindsey Vonn: "Ich nehme seit Jahren Antidepressiva"

Leistungssportler mit Depressionen? Noch immer gilt das Eingeständnis der Erkrankung unter Athleten als Tabu. Skirennläuferin Lindsey Vonn hat nun damit gebrochen - und offen über Phasen ihres Lebens gesprochen, in denen sie keine Hoffnung mehr sah.

Lindsey Vonn: "Ich muss kämpfen" Fotos
Getty Images

Hamburg - Zuletzt waren die Gerüchte im November kursiert: Lindsey Vonn, 28, eine der besten Skirennläuferinnen der Welt, soll unter Depressionen leiden. Wegen einer Darmerkrankung musste sich Vonn im Krankenhaus behandeln lassen - doch viele glaubten an ein ganz anderes Problem.

Im Interview mit dem "People"-Magazin hat Vonn nun erstmals über ihre Depressionen gesprochen. "Alles an meinem Leben erscheint allen anderen so perfekt, aber ich muss kämpfen wie jeder andere auch", sagte Vonn. Sie nehme seit Jahren Antidepressiva.

Schon als 17-Jährige habe sie an der Krankheit gelitten. Auslöser könnte die Trennung ihrer Eltern gewesen sein, sagte Vonn. "Wegen meiner Sturheit oder weil ich mich schämte zuzugeben, dass etwas gewaltig schieflief, habe ich nichts unternommen." Stattdessen habe sie all ihre Emotionen ins Skifahren gesteckt, das für sie immer ein Ventil gewesen sei. "Ich heulte mich in den Schlaf, aber am nächsten Morgen stand ich auf dem Berg - und fühlte mich gut."

2008 habe es dann eine Phase gegeben, in der sie nicht mehr aus dem Bett gekommen sei und sich wie ein Zombie gefühlt habe. "Ich konnte nicht einmal mehr heulen." Auf Anraten ihres damaligen Ehemanns Thomas ließ sich Vonn noch im selben Jahr erstmals behandeln. Innerhalb eines Monats habe sich ihr Zustand geändert. "Das war verrückt. Ich hatte endlich wieder Freude daran rauszugehen."

Inzwischen gehe es ihr deutlich besser. "Alle Teile meines Lebens passen endlich zueinander", sagte sie dem Magazin. "Ich akzeptiere, wer ich bin, und schaue nach vorn."

Ausnahme-Sportlerin

Im vergangenen Jahr hatte sich Vonn scheiden lassen. Die Ehe, sagte sie jetzt, sei bereits 2010 kaputt gewesen. "Im Fernsehen oder in Artikeln ging es immer nur um meine großartige Ehe, die schneeweiße Fassade, all den Erfolg und mein perfektes Leben." Aber hinter der Kulisse sei es ein Kampf gewesen.

Vonn ist eine der wenigen Athleten, die mit ihrer Erkrankung an die Öffentlichkeit gehen. Für viele wird eine Depression noch immer mit Schwäche gleichgesetzt - und für die sei im Spitzensport kein Platz, so die irrtümliche Annahme. Bei einigen Sportlern geht das öffentliche Bekenntnis auch mit dem Karriereende einher: So war es beispielsweise bei Sebastian Deisler von Bayern München. Und auch Skispringer Sven Hannawald stieg nach einem Burn-out-Syndrom aus.

Besonders dramatisch wurde das Thema Depressionen im Spitzensport durch den Fall Robert Enke ins Bewusstsein der Menschen gerückt. Der ehemalige Nationaltorwart verschwieg jahrelang Versagensängste und Depressionen.

aar/sid/dpa

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