Little Steven über Bildungstour "In jedem von uns steckt etwas Großes, Bedeutendes"

Mit Rockmusik will Steven Van Zandt alias Little Steven Kinder zum Lernen bringen. Im Gespräch erklärt er, wie das funktionieren soll - und warum er bei Donald Trump keinen Bedarf sieht, sich politisch einzumischen.

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Zur Person
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    Steven Van Zandt, Jahrgang 1950, ist bekannt aus den Serien "The Sopranos" und "Lilyhammer", spielt in Bruce Springsteens E Street Band seit vielen Jahren Gitarre. Sein Künstlername: Little Steven. Immer wieder hat sich Van Zandt politisch engagiert. Derzeit ist er mit seiner eigenen Band "The Disciples of Soul" unterwegs.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind mit Ihrer Band auf "Teacher Appreciation Tour", würdigen damit die Arbeit von Lehrkräften. Wieso?

Van Zandt: Können Sie sich vorstellen, heutzutage die Aufmerksamkeit der Kids im Klassenraum zu gewinnen? Das ist fast unmöglich. Wir erleben heute eine Kluft zwischen den Generationen, die fast genauso tief ist wie in den Sechzigerjahren. Die alten Lehr- und Lernmethoden wirken nicht mehr.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie stattdessen anzubieten?

Van Zandt: Das ist ganz einfach: Lernen für die Gegenwart. Früher hieß es: Lern etwas, das du später im Leben nutzen kannst. Wir haben ein TeachRock-Programm entwickelt, das Kindern etwas gibt, das sie jetzt sofort nutzen können. Sag ihnen nicht: Nimm die Kopfhörer aus den Ohren. Frag sie lieber, was sie hören. Und dann verfolge die Spur. Alle Jugendlichen haben einen Lieblingssong, und damit gewinnt man sofort ihre Aufmerksamkeit. So verbindet sich Musikunterricht mit Geschichte, Sprache und Sozialwissenschaften.

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Steve Van Zandt: Bruce Springsteens Buddy

SPIEGEL ONLINE: Fragt sich nur, ob Rock die Jugend von heute fesselt. Hören Sie selbst denn beispielsweise Rap?

Van Zandt: Nein, eher nicht. Ich lebe in einer anderen Welt. Die ersten Rap-Musiker fand ich super, Public Enemy und Ice-T zum Beispiel. Schwarze Musiker nahmen sich in Amerika das Recht, sich künstlerisch auszudrücken. Das war sehr anspruchsvoll. Normalerweise denkt man, eine Sache startet unausgegoren und verfeinert sich im Laufe der Zeit. Aber was den Rap angeht, lief das umgekehrt. Er startete recht ausgefeilt und wurde dann pubertärer und prahlerisch.

SPIEGEL ONLINE: Greifen Sie Rap trotzdem bei TeachRock auf?

Van Zandt: Wir schließen alle Musikrichtungen ein. Aber der klassische Rock steht im Mittelpunkt. Wir stellen über 200 verschiedene Unterrichtseinheiten kostenlos zur Verfügung. Wer sich einschreibt, erhält freien Zutritt zu unseren Workshops und Konzerten.

SPIEGEL ONLINE: Sie wollen mit Ihrer Rock-Schule Werte vermitteln. Welche?

Van Zandt: Es geht um Arbeitsethik. In jedem von uns steckt etwas Großes, Bedeutendes. Das freizulegen, ist das Ziel meines Lebens. Dazu muss man sein Handwerk lernen und zwar mit Hingabe. Es gibt keine Abkürzung, um das Großartige in uns aufzuspüren. Das gaukeln TV- Shows wie "American Idol" uns vor: Du trittst da auf und ein paar Wochen später bist du ein Star. Aber so läuft das nicht. Man muss dafür arbeiten, Tag für Tag, Jahr für Jahr, und zwar um der Kunst willen, nicht so sehr für den Erfolg.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren früher politisch sehr aktiv, gründeten mit ihrem Freund Bruce Springsteen und Künstlern wie Bob Dylan eine Initiative gegen Apartheid. Was ist aus Ihrem Engagement geworden?

Van Zandt: Stimmt, in den Achtzigerjahren war ich sehr aktiv, heute nicht mehr. Die Regierung Ronald Reagans machte damals ihre rechte Politik heimlich hinter den Kulissen. Das mussten wir ans Tageslicht bringen.

SPIEGEL ONLINE: Bei Donald Trump sehen Sie keinen Bedarf, sich einzumischen?

Van Zandt: Nein, der prahlt doch sogar mit den ganzen schlimmen Dingen, die er tut. Da gibt es nichts aufzudecken. Er nimmt Tausende Immigrantenkinder ihren Eltern weg und gibt damit an. Aber die Person Trump lenkt nur ab. Das Problem ist die Republikanische Partei, die die Vereinigten Staaten von der Weltbühne zerrt, indem sie Handels- und Umweltabkommen aufkündigt. Die Evangelisten in der Republikanischen Partei sind nur einen Faustschlag entfernt davon wie die Taliban zu sein.

SPIEGEL ONLINE: Meinen Sie das ernst?

Van Zandt: Na gut, sie hacken keine Hände ab. Aber der Unterschied ist nicht groß. Sie wollen uns ihre evangelistische Scharia aufzwingen. Die Trennung von Staat und Kirche ist der einzige amerikanische Beitrag zur Gedankenwelt. Es ist ein genialer Gedanke, und sie wollen ihn ausrotten. Und ausgerechnet jetzt schwächt der Brexit auch noch Europa. Das ist eine Katastrophe! In so einer Situation muss Europa stark bleiben.

SPIEGEL ONLINE: Meinen Sie, Musiker und Künstler können dabei Einfluss nehmen?

Van Zandt: Die Rockmusik hat nicht mehr wie früher die Fähigkeit zur Massenkommunikation. Aber vielleicht finden wir noch mal einen Weg, eine Botschaft in die Welt zu senden. Jetzt kommt es erstmal darauf an, dass alle, die letztes Mal nicht gewählt haben, im November zu den Halbzeitwahlen gehen, um den Republikanern Einhalt zu gebieten.

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