London - Die beste Nachricht vorweg: Als Prinz Andrew, zweitältester Sohn von Queen Elizabeth II., sich am Montag aus dem 87. Stockwerk eines Londoner Wolkenkratzers abseilte, war er vollständig bekleidet.
"Das Schlimmste ist, wenn man hochsteigt - dann wird einem bewusst, was man tut", sagte er. Von der Spitze des Turms war der Prinz entlang der Außenfenster in etwa einer Stunde bis in den 20. Stock des Hochhauses "The Shard" ("Scherbe") hinabgestiegen. Die ersten 10 bis 15 Etagen sei er praktisch gerutscht, weil es so feucht gewesen sei, sagte er der BBC. "Es war nervenaufreibend. Ich meine, wir waren in den Wolken, als es losging", so der 52-Jährige sichtlich beeindruckt.
Die Aktion ist für einen guten Zweck: Insgesamt eine Million Pfund (rund 1,25 Millionen Euro) sollen für die Hilfsorganisationen The Outward Bound Trust und Royal Marines Charitable Trust Fund gesammelt werden. Die Stiftung der Royal Marines kümmert sich um verwundete Soldaten, The Outward Bound Trust bietet Erlebnispädagogik für Jugendliche.
Der Bau des Hochhauses wurde erst vor wenigen Wochen vollendet, der Innenausbau fehlt noch. In dem Wolkenkratzer an der London Bridge sollen künftig Büros, Luxuswohnungen sowie Hotels und Restaurants untergebracht werden.
Prinz Andrew gilt als Draufgänger: Im Falkland-Krieg flog er einen Kampfhubschrauber, und auch im Privatleben gilt der Ex-Mann von Sarah "Fergie" Ferguson als Tausendsassa. Die Nummer vier der britischen Thronfolge hat allerdings ein Image-Problem. Als Außenhandelsattaché der britischen Regierung musste er vor kurzem gehen. Die Kritik über den reiselustigen "Air Miles Andy" hatte sich über Jahre angestaut. Teils dubiose Geschäftspartner aus Kasachstan und der arabischen Welt, Bilder, die ihn an der Seite blutjunger Mädchen zeigen, die Freundschaft zu einem Geschäftsmann, der wegen sexueller Übergriffe auf Minderjährige verurteilt wurde, - all das hatte dem Prinzen wenig Sympathien eingebracht.
Goodwill-Aktionen sind im britischen Königshaus schon immer ein Mittel gewesen, von unrühmlichen Auftritten einiger Royals abzulenken. So will Prinz Harry, der zuletzt mit Nacktbildern von wilden Partys in Las Vegas für Aufruhr sorgte, im kommenden Jahr zum Südpol marschieren. Und Andrews Tochter Beatrice will noch in dieser Woche den höchsten Berg der Alpen, den 4810 Meter hohen Montblanc erklimmen.
Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung des Textes wurde "Royal Marines" fälschlicherweise als "Marine" übersetzt. Es handelt sich aber um die Marineinfanterie. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
ala/dapd/dpa/AP
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