London Studenten protestieren gegen Sarrazin

Selbst im Ausland kann Thilo Sarrazin den Kritikern nicht entkommen: Sein Auftritt an einer Londoner Universität musste wegen großer Proteste in ein Hotel verlegt werden. Während der Diskussion kam es zu hitzigen Wortgefechten unter den Teilnehmern.

Autor Sarrazin: Unfreundlicher Empfang in London
dapd

Autor Sarrazin: Unfreundlicher Empfang in London


London - Wo er auftaucht, eckt er an: Thilo Sarrazins Auftritte laufen selten wie geplant. Selbst nach London verfolgt ihn sein Ruf als Polit-Provokateur. An der London School of Economics (LSE) sollte er an einer Diskussionsrunde teilnehmen. Dabei stieß der Ex-Bundesbanker und Bestsellerautor auf massiven Widerstand.

Wegen der starken Kritik am Gast aus Deutschland sagte die Hochschulleitung die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen kurzfristig ab. Zuvor hatten Studenten gegen den Ex-Bundesbanker protestiert. Aus ihrer Sicht passen Sarrazins umstrittene Thesen zur Integration nicht zum Geist der Hochschule. Zudem hatte der britische "Independent" über den "antisemitischen Banker" berichtet, der alle Muslime als "Schwachköpfe" bezeichnet habe.

Sarrazin und die anderen Diskutanten mussten kurzfristig in ein Hotel ausweichen. An der Diskussion mit Sarrazin nahmen auf Einladung der Deutschen Studentenvereinigung an der London School of Economics unter anderem die Publizisten Henryk M. Broder und Hellmuth Karasek teil. Die Runde fand als Teil einer Veranstaltungsreihe in der "German Week" unter dem Motto "Europas Zukunft - ,Untergang des Abendlandes?'" statt.

Noch bevor Thilo Sarrazin auftrat, näherte sich ein junger Mann der Bühne mit der Bitte, im Namen einiger Studenten ein Statement vorlesen zu dürfen. Er warf den geladenen Gästen vor, keine gemäßigten Positionen zu vertreten, woraufhin es zu einem hitzigen Schlagabtausch mit Henryk M. Broder kam.

Broder kommentierte auf der Homepage "Achse des Guten" den Vorfall mit den Worten "LSE kneift". Aus Sicherheitsgründen habe die Universität im letzten Moment die Veranstaltung abgesagt. Mit einem Video-Auftritt des libyschen Revolutionsführer Ghaddafi am 2. Dezember 2010 habe die Hochschule dagegen keine Probleme gehabt. "Erstaunlich, dass die Briten die Schlacht von El-Alamein gewonnen haben. Heute würden sie ihre Teilnahme absagen, aus Angst, die Gefühle der Moslems zu verletzen."

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes hieß es, ein Student sei während der Veranstaltung auf die Bühne gestürzt und habe sich ein heftiges Wortgefecht mit Thilo Sarrazin geliefert. Das ist nicht richtig. Vielmehr wurde der junge Mann zur Bühne geleitet und lieferte sich dann einen verbalen Schlagabtausch mit dem Diskussionsteilnehmer Henryk M. Broder. Demnach wandte sich der Student mit seinem Ausruf "Ihr seid alle Faschisten" auch nicht explizit an Sarrazin, sondern an alle Anwesenden. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

ulz/dpa



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