Fußballer eröffnet Dönerladen Schau den Lukas

Als Fußballer arbeitet Lukas Podolski zwar inzwischen im fernen Japan - als Gastronom aber ganz bodenständig daheim in Köln. Die Eröffnung seines Dönerladens sorgte bei so manchem Fan für Schnappatmung.

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Aus Köln berichtet Christian Parth


Als Jana ihren Döner aus den Händen des Weltmeisters bekommt, rinnen ihr Tränen die Wange hinab. Ehrfürchtig schaut sie rüber zu Lukas Podolski, der hinter der Theke bereits die nächste Portion Lamm vom Spieß raspelt. Ihre Hände zittern, sie kann das Brot kaum halten. Von Freunden gestützt, verlässt die 15-Jährige den Imbiss, kämpft sich vorbei an Kamerateams durch die Menge. Doch die Aufregung zehrt an Kräften und Gleichgewicht. Ein Security-Mann zieht sie raus, bringt sie ins Treppenhaus und reicht ihr eine Flasche Wasser. "Keine Sorge, sie weint vor Glück", beruhigt er einen besorgten Mitarbeiter. Jana kauert jetzt auf der Treppe.

Sie hat die lange Reise aus Wolfsburg auf sich genommen, um am Dreikönigstag in Köln ihrem Idol zu begegnen. Wie ihr Vater ist sie schon lange glühender Fan Podolskis und des 1. FC Köln. Nun hält sie ein Stück warmes Brot in der Hand, gefüllt mit Lammfleisch, grünem Salat und Joghurtsauce. "Ich kann es kaum fassen", sagt sie. Der Hunger hält sich in Grenzen - die Aufregung.

Die Eröffnung des Mangal Döner-Imbisses am historischen Chlodwigplatz ist ein Großereignis. Vor der Tür warten die Menschen in einer 50 Meter langen Schlange. Im Treppenhaus hängt ein Schreiben des Hausbesitzers an die Bewohner. Es sei mit vielen Fans zu rechnen, steht darauf. Und: "Ich bitte Sie, Ihre Einkäufe bis mittags zu erledigen." Den Vornamen Podolskis hat er mit 'c' geschrieben.

In der Türkei noch immer ein Held

Noch bevor der Fußballer wohlinszeniert die Sichtschutzfolien vom vollverglasten Eingang reißt und die Türen zum schmalen Verkaufsraum für die Menschenschar geöffnet werden, halten der Stürmer Podolski und sein türkischer Geschäftspartner Metin Dag in einem Hinterzimmer eine Pressekonferenz ab. Die Kernfrage: Podolski und der Döner - wie kommt das zusammen?

"Ideen entstehen bei mir einfach", sagt er. "Da gibt es keinen Businessplan oder so." Er sei mit dem Döner groß geworden, sagt er. Nachdem er als kleiner Junge mit seinen Eltern von Polen nach Deutschland übergesiedelt war, habe er immer auch viele türkische Freunde gehabt. "Man isst den Döner in jungen Jahren, man isst den Döner jetzt und man isst den Döner nach Karriereende. Die Geschichte passt."

Es sind solche Sätze, die Podolski zur Kultfigur gemacht haben. Auch in der Türkei, wo er von 2015 bis 2017 für Galatasaray Istanbul gekickt hat, wird der Deutsche noch heute verehrt. Er ist Marketing-Profi und feilt bereits jetzt an der Karriere nach der Karriere. Vor zwei Jahren hat der 130-fache Nationalspieler seine Sportbekleidungsfirma "Strassenkicker" gegründet, mit einem Laden am Alter Markt, wo jedes Jahr am 11.11. der Karneval eröffnet wird. Im letzten Sommer hat unter ähnlichem Trubel die Eisdiele "Ice Cream United" im Kölner Hipster-Quartier "Belgisches Viertel" eröffnet. Der Döner-Imbiss in der urkölschen Südstadt ist nun sein zweites gastronomisches Experiment.

Kobe-Rind muss es dann aber doch nicht sein

"Eis und Döner, das macht mir Spaß", sagt Podolski. Er sei eben kein Mann für das Fünf-Sterne-Restaurant. Aber eben auch keiner, der andere einfach machen lässt und nur seinen Namen hergibt. "Vielleicht nimmt mir das keiner ab, aber ich stehe hinter den Dingen, die ich mache." Er wolle immer auf dem Laufenden gehalten werden, an der Entwicklung beteiligt sein, vor allem beim Design. Herausgekommen ist ein weißes X auf schwarzem Grund, links ein Dönerspieß, rechts sein Kürzel mit Rückennummer, LP 10.

"Lukas will, dass wir die Besten sind", sagt Geschäftspartner Dag, der Podolski seit vielen Jahren als Stammgast eines seiner fünf Restaurants kennt. "Es muss etwas Besonderes sein." Übertreiben muss man es dabei aber offenbar auch nicht. Denn bei seinem aktuellen japanischen Arbeitgeber Vissel Kobe hat Podolski zwar auch das feine Fleisch des Kobe-Rinds schätzen gelernt. Aber, so der Weltmeister: "Das findet man im Döner ja nicht gerade."



insgesamt 6 Beiträge
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justdoit77 06.01.2018
1.
Habe den Lukas mal persönlich kennen gelernt. Ein cooler Typ ohne Starallüren. Wünsche ihm viel Erfolg!
dasfred 07.01.2018
2. Mir gefällt, wie Podolski seine Zukunft plant
Man hört immer mal wieder von Fussballern, die nach Karriereende abstürzen. Da freut mich das Konzept, noch zu aktiver Zeit etwas aufzubauen. Das er sich dabei auf Themen konzentriert, mit denen er etwas verbindet und sich dafür Partner vom Fach sucht macht ihn für mich sehr sympathisch.
wolfi55 07.01.2018
3. Nicht die ersten
Bobic und Poschner haben auch mal mehrere Kneipen aufgezogen, Fredis und Po. Was davon noich existiert, keine Lust nachzusehen. Viel Erfolg auf jeden Fall.
jockel37 07.01.2018
4. @Wolfi55
Sie meinen Bobics Lokal in Sindelfingen? Das müsste vor über 15 Jahren zugemacht haben.
tuffgong 07.01.2018
5.
LP10? Echt jetzt? Nach CR7 sind alle anderen Initialen-Zahlen-Kürzel nur noch peinlich. Aber Poldi war ja eh nie etwas peinlich, in so fern passt das wieder.
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