Luxus statt Lebensgefahr TV-Abenteurer schlief in Hotelbetten

Vor der Kamera mimte er den harten Kerl, der in der Wildnis bestehen kann. Doch in Wahrheit zog der britische Fernsehstar Bear Grylls während der "riskanten" Dreharbeiten weitaus komfortablere Unterkünfte vor, wie eine Zeitung nun enthüllt.


London - Millionen Briten sahen Bear Grylls, 33, dabei zu, wie er sich in seiner Sendung "Born Survivor", die im britischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, der scheinbar übermächtigen Wildnis stellte. Als moderne Ausgabe des Überlebenskünstlers Robinson Crusoe schlug Grylls sich auf einer einsamen Insel durch, biss Schlangen zum Frühstück den Kopf ab und fing in der Sierra Nevada Wildpferde ein.

Abenteurer Bear Grylls: Einsam auf Hawaii
obs / Discovery Channel Deutschland

Abenteurer Bear Grylls: Einsam auf Hawaii

Doch es scheint, als habe es sich der frühere Elitesoldat Grylls während der Dreharbeiten wesentlich besser gehen lassen, als er die Zuschauer glauben machen wollte. Die britische Zeitung "Sunday Times" berichtet, dass ein Berater der Show über die tatsächlichen Abläufe ausgepackt hat.

Die einsame Insel, auf der sich Grylls angeblich habe durchschlagen müssen, sei in Wahrheit Hawaii gewesen. Auch habe der Abenteurer nicht unter freiem Himmel genächtigt, sondern sich nach Drehschluss in ein Hotel zurückgezogen, schreibt das Blatt unter Berufung auf den Informanten.

Ähnlich ging es offenbar bei einem anderen Dreh in der kalifornischen Sierra Nevada zu: Vor der Kamera riss der Überlebenskünstler Grylls einer Schlange zum Frühstück den Kopf ab, in Wirklichkeit habe er jedoch in einem Familienhotel übernachtet - und morgens Blaubeer-Pfannkuchen serviert bekommen, so die Zeitung. Auch seien die Wildpferde, die Grylls einfing, in tatsächlich gezähmte Tiere gewesen. "Wenn Sie glauben, alles, was ihm Fernsehen passiert, sei real, sind Sie wirklich etwas naiv", sagte der Informant der "Sunday Times".

Eine Sprecherin des zuständigen Senders Channel 4 habe bestätigt, dass Grylls während seiner Expeditionen in Hotels übernachtet habe, so die Zeitung. Nun werde die TV-Station die Produktionsfirma der Show auffordern, zu den übrigen Vorwürfen Stellung zu beziehen. "Wir nehmen jede Anschuldigung, dass wir unser Publikum in die Irre führten, sehr ernst", sagte die Sprecherin. Dennoch sei die Sendung keine Dokumentation, sondern eine Anleitung, wie man in der Wildnis überleben könne. In der Show sei nie behauptet worden, dass Bear Grylls sich ohne Hilfe durchschlage.

jdl



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