Villefranche-sur-Mer: Sommerfrische für alternde Weltstars

Aus Villefranche-sur-Mer berichtet Annika Joeres

Villefranche-sur-Mer: Diskrete Idylle Fotos
Corbis

Madonna feiert hier in einer Luxusvilla Geburtstag, in direkter Nachbarschaft residieren Elton John und Bono. Das südfranzösische Villefranche-sur-Mer ist zur beliebten Absteige für Weltstars geworden. Das Geheimnis der Bucht: Diskretion.

Ein Feuerwerk erleuchtete den Himmel über Villefranche-sur-Mer, entzündet zu Ehren von Madonna, sie feierte am Wochenende ihren 55. Geburtstag in der Gemeinde am Mittelmeer. Ein Weltstar bittet zur Party - andernorts wäre die Aufregung groß, nicht so in Villefranche.

Die Mittelmeerbucht zwischen der italienischen Grenze und Nizza ist zur Absteige für Pop-Oldies geworden, Madonnas Knallerei wird bis in die Gärten von Elton John, Tina Turner und Bono zu hören gewesen sein.

Pastellfarbene Villen wurden in die steilen Hänge gebaut, herrschaftlich jede einzelne. Eine standesgemäße Sommerfrische - mit einem für Weltstars relevanten Standortvorteil: Paparazzi sind hier selten.

"Hier sind Promis entspannt und werden nicht von Fotografen verfolgt", sagt Jean-François Roubaud, Reporter der einzigen Lokalzeitung der Côte-d'Azur, "Nice Matin". Er sei häufig der einzige Journalist, der über die Urlaube von Menschen wie Sylvester Stallone, Jack Nicholson, Michael Douglas oder Madonna berichte. Roubaud erhält seine Informationen von Immobilienagenturen, Bäckersfrauen und Lesern, die dem Medium vor Ort berichten. "Letztendlich ist es hier provinziell", so Roubaud.

Villa für 350 Millionen Euro

Dafür bietet der Ort altmodischen Protz. Madonna hat die Villa Schiffanoia angemietet, zu haben für 100.000 Euro die Woche. Schwere Teppiche und ausladende Sofas bestücken das Anwesen. Nur wenige Meter entfernt steht eine der teuersten Immobilien der Welt: Die rubinrote Villa Leopolda, in deren Park täglich 50 Gärtner Palmen schneiden und Zitronenbäume wässern, wollte der russische Milliardär Michail Prochorow 2008 für rund 500 Millionen Euro erstehen. Schlussendlich verzichtete er auf den prestigeträchtigen Kauf, aber das Haus ist in die Geschichte eingegangen und laut Touristeninformation nun für rund 350 Millionen Euro im Angebot.

"Hier spazieren jeden Tag extrem reiche Menschen vorbei und niemand schert sich darum", sagt Arthur Saulnier, weißbehemdeter Kellner in einem der vielen feinen Fischrestaurants am Hafen. Sein Vater habe am Morgen Madonna mit "edlen Häppchen" für die Geburtstagsfeier beliefert, "ohne jede Umstände".

Tatsächlich liegt die Villa Schiffanoia am Tag von Madonnas Geburtstagsfeier völlig unbehelligt neben der gleichnamigen Bushaltestelle, weder Paparazzi noch Sicherheitsleute drängeln sich vor dem schmiedeeisernen Tor. "Auf Blitzlichtgewitter und kreischende Fans haben ältere Stars keine Lust mehr", sagt Reporter Roubaud.

In Villefranche gehören Diskretion und Reichtum zusammen. Für Menschen mit alltäglicher Arbeit ist die Ecke allerdings unbewohnbar geworden. Die Halbinsel vor Villefranche, Saint Jean-Cap Ferrat, ist zusammen mit dem benachbarten Monaco eines der teuersten Pflaster der Welt. Selbst Ein-Zimmer-Wohnungen können eine halbe Million Euro kosten. Allabendlich stehen Dutzende befrackte Portiere und Sicherheitscrews vor undurchsichtigen Toren.

Exzesse gibt es kaum

Und in der Meeresbucht ballen sich die Yachten inzwischen so sehr, dass die Stadt als einzige an der Küste ihre Ankerplätze vermietet. Exzesse gibt es kaum. Villefranche ist reich und ruhig. Der örtliche Tourismusmanager Anthony Drouget sagt nur unbescheiden: "Die Stars mögen die Sonne, das Meer und die französische Küche wie alle Menschen." In Villefranche können sich das nur eben nicht alle leisten.

Dabei galt die Stadt noch in den siebziger Jahren als verwegener Ort. Dunkle Hafenkneipen und barackengleiche Fischerhäuser säumten die Bucht, abends sollen Ratten durch die engen Gassen gerannt sein. 1976 nahmen die Rolling Stones im Untergeschoss der Villa Nellecote ihr Album "Exile on Main Street" auf. Laut einem Interview im Magazin "Rolling Stone" habe sie der "schmutzige Keller" an die "letzten Tage von Berlin" im Zweiten Weltkrieg erinnert. Das imposante Eingangstor der Nellecote und die dahinter liegende Palmenpracht lassen heute allerdings an den Eindrücken der Stones zweifeln.

Heute können Touristen auf einem Boottrip an den Villen der Stars vorbeischippern. Alexandro Delcampo mit seinem weit geöffneten Brusthemd und goldener Kette um den Hals rattert die Namen der Promis ins Mikro. Elton Johns Villa mit Turm soll auf dem Hügel nach Nizza liegen, das Anwesen von Tina Turner an höchster Stelle über Villefranche, die ägyptische Königsfamilie, das Anwesen von Mick Jagger und Bill Gates auf der Halbinsel.

Ob die Berühmtheiten und Villen tatsächlich alle so und auch heute noch zusammengehören, kann Delcampo nicht beschwören. "So heimlich wie sie kommen, gehen die Stars auch wieder."

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1. Korrektur
ronniesultan 20.08.2013
"Exile on Main Street" ist 1972 veröffentlicht worden.
2.
Jan B. 20.08.2013
Ein Medien-Bericht über einen Ort an dem die "Weltstars" sich wohl fühlen, weil ihre Anwesenheit mit Diskretion behandelt wird. :)
3. Jetzt weiß ich immer noch nicht...
spon-facebook-1763277158 20.08.2013
Zitat von sysopMadonna feiert hier in einer Luxusvilla Geburtstag, in direkter Nachbarschaft residieren Elton John und Bono. Das südfranzösische Villefranche-sur-Mer ist zur beliebten Absteige für Weltstars geworden. Das Geheimnis der Bucht: Diskretion. Madonna, Elton John, Bono: Villefranche unter Prominenten beliebt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/leute/madonna-elton-john-bono-villefranche-unter-prominenten-beliebt-a-917290.html)
...warum die Paparazzi gerade da die Promis in Ruhe lassen, wo diese sich zusammenrotten. Das war ja eigentlich das Thema: Keine Paparazzi, wo viele A-Promis sind. Typisch Boulevard.
4. Der schöne Schein...
dr.avicenna 20.08.2013
trügt. An der ganzen Cote Azur stinkt es und blaue Schwaden wabern durch die Täler weil ständig an hunderten Stellen Müll verbrannt wird.
5. Nicht ganz richtig
bibi1000 20.08.2013
Die Rolling Stones sind bereits Anfang der 70 er Jahre nach Südfrankreich gegangen und haben das Album Exile On Main Street 1972 veröffentlicht.
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