Zwist mit Rechtsextremen: Madonna keilt gegen Front national

Madonna und Marine Le Pen, Chefin des rechtsextremen Front national, liegen im Clinch. In einem Video zeigte die Sängerin Le Pen mit Hakenkreuz auf der Stirn. Die Partei will Madonna anzeigen. Doch der Superstar legt nach - und verbindet Provokation, Politik und PR.

Madonna in Paris: Lob auf Frankreichs Toleranz Fotos
AFP

Paris - Auf der einen Seite: Madonna, Weltstar mit gesundem Selbstbewusstsein und einem Hang zur Provokation. Auf der anderen Seite: Marine Le Pen, Chefin der rechtsextremen französischen Partei Front national (FN). Die Sängerin und der FN haben seit dem 14. Juli Ärger miteinander. Am französischen Nationalfeiertag hatte die Sängerin bei einem Konzert im Pariser Stade de France ein Video gezeigt, in dem Le Pen mit einem Hakenkreuz auf der Stirn zu sehen war. Die rechtsextreme Partei hat angekündigt, die Sängerin deswegen anzuzeigen.

Nun hat Madonna in dem Streit bei einem Konzert am Donnerstagabend nachgelegt. Den Clip wiederholte sie zwar nicht. Dafür lobte sie Frankreichs Toleranz und Offenheit. "Ich weiß, dass ich eine gewisse Marine Le Pen sehr verärgert habe, und es ist nicht meine Absicht, mir Feinde zu machen", sagte die Popdiva. Zu Zeiten, da es schwarzen Künstlern in den USA verboten gewesen sei, aufzutreten, seien Größen wie Josephine Baker und Charlie Parker in Frankreich "mit offenen Armen" empfangen worden, sagte sie. Sie hätten sich in dem toleranten Land "willkommen" gefühlt.

Heute herrschten indes "furchterregende Zeiten", sagte die Sängerin. "Volkswirtschaften brechen zusammen, die Menschen in Griechenland haben nichts zu essen, überall gibt es Leid, und die Menschen haben Angst", rief sie. "Und was passiert, wenn Menschen Angst haben? Sie sagen: 'Haut ab! Ihr seid der Grund. Ihr seid das Problem. Ihr seid schuld.'", sagte Madonna - ein klarer Seitenhieb auf die Thesen der rechtsextremen Partei.

Der politische Unterton war erwartet worden. "Ich habe eine besondere Affinität zu Frankreich, seit vielen Jahren schon", sagte Madonna. Falls die politische Botschaft vom Konzert in der Veranstaltungshalle Olympia ablenken sollte, gelang dies nur teilweise. Nicht alle der rund 2700 Zuschauer, darunter Schauspieler Pierce Brosnan, waren von der Rede und den nur 45 Minuten Konzert angetan. Manche verlangten sogar ihr Geld zurück. Anderen war es einfach zu viel Politik. "Sie hat 15 Minuten von Toleranz gesprochen, wir sind hier nicht bei den Vereinten Nationen", sagte ein Zuschauer.

ulz/AFP/Reuters

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