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01. Juni 2012, 11:03 Uhr

Madonnas Tourauftakt in Tel Aviv

Cheerleader für den Weltfrieden

700 Schuhe und Kleidungsstücke, rund hundert Sänger und Tänzer: Die neue Show von Pop-Ikone Madonna ist gewohnt opulent. Zum Tourneeauftakt in Tel Aviv stimmte die Sängerin aber ungewohnte Töne an - sie wurde politisch.

Tel Aviv - Mit Netzstrümpfen und Cheerleaderoutfit schwingt Madonna rote Puschel, vor einer übergroßen Pistole schmettert sie ihre Songs, im schwarzen Catsuit domestiziert sie halbnackte Männer. In ihrer neuen Show beweist die 53-Jährige wieder einmal, dass sie den Titel Queen of Pop zu Recht trägt. Doch zum Auftakt ihrer Welttournee in Tel Aviv zeigte sie, dass es Dinge jenseits des Bühnenspektakels gibt: Die Sängerin sprach einen Friedensappell aus.

Sie habe sich aus einem "ganz besonderen und wichtigen Grund" dafür entschieden, ihre Tournee in Israel zu beginnen, sagte Madonna vor 32.000 Fans im Ramat-Gan-Fußballstadion. Der Nahe Osten werde seit Tausenden Jahren von Konflikten heimgesucht. "Die müssen aufhören", sagte die 53-Jährige: "Wenn es hier im Nahen Osten Frieden gibt, kann es Frieden auf der ganzen Welt geben." Wer sich zu ihren Fans zählen wolle, müsse für den Weltfrieden sein.

"Egal, ob du Moslem, Christ, Atheist, homosexuell, Hetero, Schwarzer oder Asiate bist, wir sind alle ein Volk. Unser Blut hat dieselbe Farbe und wir alle wollen lieben und geliebt werden", wurde sie von der Zeitung "Times of Israel" zitiert.

Die Sängerin ist seit vergangenem Freitag in Israel und besuchte unter anderem die Klagemauer in Jerusalem. Außerdem traf sie sich mit Mitgliedern eines Friedensnetzwerks. Zu einer ursprünglich geplanten Fahrt zu den Gräbern wichtiger Kabbala-Rabbis in der Stadt Safed im Norden Israels sei es dann aber doch nicht gekommen, weil gläubige Juden dies als "respektlos" empfunden hätten, schrieb die "Times of Israel".

Madonna ist zwar nicht jüdisch, hat aber 2004 den Namen Esther angenommen und sich seit Jahren intensiv mit der jüdisch-mystischen Lehre der Kabbala beschäftigt. Seither wird sie in Israel als "Queen Esther" verehrt. Zu ihrem aktuellen Besuch brachte die Sängerin ihren Freund Brahim Zaibat, ihre vier Kinder und rund 70 Angestellte mit.

Die "MDNA"-Tour ist bereits Madonnas neunte Welttournee. Die Sängerin bietet ein buntes Spektakel mit Videoeinlagen, zu denen sie neue Stücke wie "Girl Gone Wild" oder "Turn Up The Radio" singt. Aber auch Klassiker wie "Papa Don't Preach" von 1986 mit Komparsen in Nonnen-Kostümen sind im Repertoire.

Auf der Bühne agieren rund hundert Sänger und Tänzer. Zur Ausstattung zählen 700 Schuhe und Kleidungsstücke von Designern wie Jean-Paul Gaultier, Jeremy Scott und Alexander Wang. Insgesamt will Madonna 84 Konzerte in 32 Ländern geben. Die Tournee soll Anfang 2013 in Australien enden.

siu/dpa

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