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Plaudern über Menschenrechte: Madonna will mit Marine Le Pen einen trinken

Madonnas Charmeoffensive: Auf einen Martini mit Marine Le Pen Fotos
AP

Madonna würde die Chefin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, gern mal auf einen Drink einladen. Da käme man sich näher und könne falsche Vorstellungen voneinander korrigieren, glaubt die Popdiva.

Paris - Ein bisschen einsam saß sie da, die große Madonna, an einem Tisch im Studio von Canal+. Schwarz-weißes Torero-Outfit, die blonde Mähne in perfekte Wellen gelegt, an den Fingern jede Menge großer Ringe. Links und rechts von ihr leere Plätze, gegenüber vier Diskussionspartner, ringsherum ein johlendes Publikum.

Es war Madonnas erster Auftritt im französischen Fernsehen seit zehn Jahren. Ein neues Album sollte beworben, nebenbei ein bisschen Stellung bezogen werden. Madonna kämpft als Künstlerin von jeher für die freie Meinungsäußerung, sie hat sich etwa nach den Anschlägen von Paris mit der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" solidarisiert.

Im Jahr 2012 hatte sie sich mit der Chefin der rechtsextremen französischen Partei Front National, Marine Le Pen, angelegt, als sie diese auf einem Konzert in einem Videoclip mit einem Hakenkreuz auf der Stirn zeigte. Die Partei hatte geklagt, Madonna in der Folge darauf verzichtet, den Clip zu zeigen, aber süffisant erklärt: "Ich weiß, dass ich eine gewisse Marine Le Pen sehr verärgert habe, und es ist nicht meine Absicht, mir Feinde zu machen." Zu Zeiten, da es schwarzen Künstlern in den USA verboten gewesen sei, aufzutreten, seien Größen wie Josephine Baker und Charlie Parker in Frankreich "mit offenen Armen" empfangen worden, so die Sängerin damals. Sie hätten sich in dem toleranten Land willkommen gefühlt.

Jetzt erklärte die Musikerin im französischen Fernsehen, sie würde gern mit Marine Le Pen einen Drink nehmen. "Vielleicht habe ich Marine Le Pen nicht richtig verstanden", sagte die Diva. "Vor allem möchte ich keinen Krieg mit ihr anfangen." Sie wolle die Politikerin gern treffen und "aus ihrem Mund hören", woran sie glaube und was sie zum Thema Menschenrechte zu sagen habe.

Auch von ihr hätten die Menschen eine gewisse Vorstellung, wer sie sei und wofür sie sich einsetze, sagte Madonna. "Und wenn sie dann einmal einen mit mir getrunken und mit mir diskutiert haben, gehen sie oft mit einer anderen Perspektive wieder weg."

Der rechtsextreme Front National ist gerade im Aufwind. Laut zwei aktuellen Umfragen würden 29 bis 33 Prozent der Franzosen Marine Le Pen gern als Staatspräsidentin sehen. Die Politikerin hat via Twitter zur "Generalmobilmachung" für die Wahlen in den Départments im März aufgerufen. Bereits am Sonntag konnte sich Sophie Montel vom Front National mit 32,6 Prozent der Stimmen bei einer Nachwahl zur Nationalversammlung im ostfranzösischen Départment Doubs an die Spitze der Kandidaten setzen.

ala/AFP

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