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Margot Käßmann "Ich war nicht immer eine gute Mutter"

Margot Käßmann: "Oft habe ich bei der Arbeit geflunkert"
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Lässig Kind und Karriere unter einen Hut bringen - das leben Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, gern vor. Doch selten funktioniert das wirklich. Margot Käßmann gibt nun zu, dass sie mit der Doppelrolle durchaus überfordert war und oft flunkerte.

Hamburg - Sie ist eine Frau der deutlichen Worte: Margot Käßmann, Autorin und Ex-Bischöfin, räumt auf mit dem Klischee, dass Frauen in der Öffentlichkeit, problemlos Kind und Karriere vereinen können. Sie selbst hatte auch Probleme beim Balance-Akt zwischen Beruf und Familie.

"Ich finde es grausam, wenn Frauen vor die Wahl gestellt werden. Wenn Sehnsucht nach Kindern und Beruf da ist, muss es möglich gemacht werden. Und das ist noch ein Riesenproblem!", sagte die Mutter von vier erwachsenen Töchtern dem Frauenmagazin "Emotion".

"Ich bin nicht immer eine gute Mutter gewesen. Wir wollen alle ganz tolle Mütter sein und ganz toll im Beruf. Das schafft keine! Wie oft habe ich bei der Arbeit geflunkert und gesagt, ich hätte noch eine Sitzung - dabei musste ich zu den Kindern", sagte die 52-Jährige. Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland kämpft gegen überholte Rollenbilder: "Wir dürfen unseren Töchtern nicht vormachen, dass alles mit Leichtigkeit geht. Denn das stimmt nicht."

"Wer da so alles meinte, mein Verhalten kommentieren zu dürfen"

Aber sie prophezeit auch: "Die große Veränderung in der Männerwelt steht erst noch an." Margot Käßmann stand an der Spitze der Evangelischen Kirche. Im vergangenen Jahr legte sie nach einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss ihre kirchlichen Führungsämter nieder.

"Ich sehne mich nicht zurück, aber natürlich bin ich noch traurig. Es ist bitter, in dem Moment zurückzutreten, wenn du gerade karrieremäßig den Höhepunkt erreicht hast", so die Ex-Bischöfin und -Ratsvorsitzende. Nach ihrem Rücktritt hat sie viel Häme erfahren: "Das war verletzend und teilweise bösartig. Wer da so alles meinte, mein Verhalten kommentieren zu dürfen." Heute ist die Neu-Berlinerin als Buchautorin erfolgreich und hat eine Gastprofessur.

"Der Leistungsdruck, den ich früher empfunden habe, der ist deutlich reduziert", sagt die Theologin über ihre neue Aufgabe an der Uni Bochum. "Da bin ich nicht die Bischöfin. Da ist jetzt viel mehr Kür als Pflicht." Auch mit ihren autobiographischen Büchern erreicht Käßmann viele Menschen. "Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich ein Briefseelsorge-Institut aufmachen."

jjc/dpa

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