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Posse am Flughafen: Mr. Zuckerberg will aber nicht, Herr Mühlenfeld!

Eine Glosse von

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Was würden Sie tun, wenn Sie ein milliardenschwerer Firmenboss wären und vor Ihrem Jet wartete der Manager eines nicht funktionierenden Flugplatzes, der sich mit Ihnen fotografieren lassen will? Mark Zuckerberg blieb sitzen.

Menschen, die in der deutschen Provinz leben, kennen die Situation: Irgendwo ist etwas los in der heimischen Einöde - sagen wir: die Eröffnung eines neuen Parkplatzsegmentes am örtlichen Baumarkt. Sie stehen da mit einer Currywurst, und auf einmal haben Sie eine Hand auf der Schulter. Sie sind soeben von Ihrem Bürgermeister umarmt worden, der mit routiniert gebleckten Zähnen fröhlich in die Kamera des Lokalpressefotografen grinst.

Sekunden später eilen beide von dannen, um den Bürgermeister dabei abzulichten, wie er Gudrun Schäfer umarmt, deren Friseursalon 20. Jubiläum feiert. Im Abgang hören Sie den von Ihnen nicht gewählten Lächler noch fragen: "Haben Sie den Blumenstrauß parat, Meier?"

Dann ist das Sonderkommando "Unser täglich Bild gib uns heute" wieder weg. Manch deutscher Lokalteil sieht aus wie das Fotoalbum des Bürgermeisters. Ist zumindest da so, wo ich wohne.

Wer nicht in der deutschen Provinz lebt, sondern - sagen wir mal - in Palo Alto, Kalifornien, 23 Milliarden Dollar auf der Kante hat und einen der reichsten Konzerne der Welt führt, der kennt sich mit so etwas natürlich nicht aus. Der versteht das womöglich nicht. Oder falsch.

Am 24. Februar 2016, berichtet die "Bild am Sonntag", war Karsten Mühlenfeld auf alles vorbereitet. Trotz lausig kalten Wetters (4 Grad Celsius, bedeckt) stand er mit seinem schönen großen Willkommensschild auf dem Rollfeld bereit, und auch die nötigen Fotografen waren hinreichend gebrieft.

Mühlenfeld, man muss das erklären, darf so etwas, weil er Chef des berühmten BER-Flughafens ist. Auch wenn er aus bekannten Gründen da nicht stand, sondern auf dem angrenzenden Rollfeld von Berlin-Schönefeld. Da ist die Wahrscheinlichkeit ja weit höher, auch auf Flugzeuge und Menschen zu treffen.

Wer nicht will, muss auch nicht

In dem Fluggerät, auf das Mühlenfeld traf, saß Mark Zuckerberg, Gründer und Chef von Facebook. Gehen wir einmal davon aus, dass er einen Fensterplatz hatte. Und jetzt stellen wir uns vor, was er gesehen haben mag: Da unten auf dem nasskalten Rollfeld stand ein nicht bekannter Mann mit einem Schild, daneben Fotografen. Eine Ein-Mann-Demo?

Man darf wohl davon ausgehen, dass schnell Entwarnung gegeben wurde. Irgendjemand wird Zuckerberg informiert haben, dass da draußen der Chef eines nicht funktionierenden Flugplatzes stehe, um sich mit Zuckerberg fotografieren zu lassen. Also alles eher harmlos. Wenn auch ein bisschen seltsam.

Trotz des schönen Schildes musste BER-Chef Karsten Mühlenfeld enttäuscht abziehen Zur Großansicht
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Trotz des schönen Schildes musste BER-Chef Karsten Mühlenfeld enttäuscht abziehen

Szenenwechsel: Auf dem Rollfeld wird Karsten Mühlenfeld darüber informiert, dass Herr Zuckerberg leider kein Foto wolle. Mehr noch, dass er sich weigere, den Flieger zu verlassen, bis er völlig außer Gefahr sei, mit dem Mann und dem Schild fotografiert zu werden.

Wir wissen nicht, was genau Herr Mühlenfeld darauf entgegnete, aber es ist möglich, dass seine Replik die Wörter "Oooch" und "Aber" enthielt: Wir wissen nämlich, dass Karsten Mühlenfeld das Rollfeld erst "nach 15 bis 20 Minuten" verließ.

Das zumindest sei einem Beschwerdebrief des privaten Bodendienstleisters Berlin Aviation Service an die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg zu entnehmen, berichtet die "Bild am Sonntag". Und den verschickte das Unternehmen wegen der Beschwerde über Karsten Mühlenfeld, die Facebook an den Berlin Aviation Service schickte.

Beim Berliner Beinahe-Flughafen gibt man sich reuig und bedauernd. Die "BamS" zitiert einen Sprecher: "Herr Zuckerberg wollte das nicht, das haben wir akzeptiert. Es wäre ein schönes Bild gewesen, das wir auch bei Facebook gepostet hätten."

Das hätte man Zuckerberg vielleicht deutlicher sagen sollen! Der wusste bestimmt nicht, was für eine Gelegenheit er da verpasst.

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