Facebook-Chef Mark Zuckerberg geht auf große USA-Tour

Mark Zuckerberg nimmt sich jedes Jahr eine Sache vor. 2017 will er wissen, was seine Landsleute in den 50 US-Bundesstaaten denken. Beobachter sehen in dem Projekt gewisse Ambitionen des Unternehmers.

Mark Zuckerberg
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Mark Zuckerberg


Mark Zuckerberg hat für 2017 ein neues Projekt: Der Facebook-Chef will bis zum Ende des Jahres mit Menschen in allen 50 US-Bundesstaaten gesprochen haben, um zu erfahren, "wie sie leben, arbeiten und über die Zukunft denken". Das schrieb er in einem Facebook-Post. 20 Staaten habe er schon hinter sich. "Meine Arbeit ist es, die Welt zu verbinden und jedem eine Stimme zu geben. Ich will in diesem Jahr mehr dieser Stimmen persönlich hören", schrieb Zuckerberg.

Technologie und Globalisierung hätten über Jahrzehnte die Menschen produktiver gemacht und miteinander verbunden. Das habe viele Vorteile, habe das Leben für viele Menschen aber auch herausfordernder gemacht. Noch nie in seinem Leben habe er das Gefühl einer Teilung so stark empfunden. "Wir müssen einen Weg finden, das Spiel zu ändern, damit es für jeden funktioniert."

Bei seinem neuen Vorhaben will Zuckerberg seine Frau Priscilla auf Roadtrips mitnehmen, in Kleinstädten ebenso Halt machen wie an Universitäten und in Facebook-Büros. Er wolle Lehrer ebenso treffen wie Wissenschaftler.

Zuckerberg stellt sich jedes Jahr eine Aufgabe. In den vergangenen Jahren nahm sich der Facebook-Gründer vor, Mandarin zu lernen, täglich mindestens eine Meile zu laufen und einen virtuellen Helfer namens Jarvis für sein Haus zu entwickeln.

Die Tour de USA gilt manchen Beobachtern als Indiz, dass Zuckerberg eine politische Karriere anstrebt. Laut "Guardian" war im Zuge eines Gerichtsverfahrens im Dezember bekannt geworden, dass Zuckerberg mit zwei Facebook-Managern besprochen hatte, wie er in der Politik aktiv sein und dennoch die Kontrolle über Facebook behalten könne.

Auch eine Äußerung Zuckerbergs zu seinen religiösen Überzeugungen wird in dieser Hinsicht gedeutet. Lange hatte er sich als Atheist bezeichnet. In den USA gilt dies fast schon als K.-o.-Kriterium, wenn man in ein öffentliches Amt gewählt werden will. An Weihnachten wünschte er via Facebook "Frohe Weihnachten und fröhliches Chanukka". Auf die Frage eines Nutzers, ob er nicht Atheist sei, antwortete Zuckerberg: "Nein. Ich wurde jüdisch erzogen und habe dann eine Phase durchlebt, in der ich Dinge infrage gestellt habe. Aber jetzt glaube ich, dass Religion sehr wichtig ist."

Zuckerberg dürfte sich sehr wohl bewusst sein, dass es zunehmend schwierig sein dürfte, Facebook als unpolitisches Unternehmen darzustellen. Im Zuge des US-Präsidentschaftswahlkampfes wurde dem sozialen Netzwerk etwa vorgeworfen, den Ausgang der Wahl beeinflusst zu haben, indem Falschmeldungen nicht aus den Timelines der Nutzer herausgefiltert worden seien. Das, so der Vorwurf, habe dem späteren Wahlsieger Donald Trump genutzt.

ulz



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