Martin über Charlie Sheen: "Ich kenne seine Hölle"

US-Schauspieler Martin Sheen macht sich Sorgen um seinen Sohn Charlie. Zu Recht, denn der steckt in Schwierigkeiten - beruflich, mental, körperlich. Doch die Tipps, die Herr Papa für den schwer strauchelnden Filius bereithält, sind so spleenig wie der Sohn selbst.

Charlie Sheen: Zurück zu "Two and a half Men"? Fotos
AP/ ABC

London - Er verstehe absolut, durch welche Hölle sein Sohn derzeit gehe, beteuerte der 70-jährige Martin Sheen im Gespräch mit dem britischen "Telegraph". Charlie Sheen hatte in der Vergangenheit mit wilden Eskapaden, Drogenexzessen und peinlichen Auftritten für Furore und Entsetzen gesorgt. Die Folge: Warner Brothers trennt sich von seinem TV-Serienstar, der mit "Two and a half Men" Erfolge gefeiert hatte.

Danach verlor der junge Sheen zunehmend den Bezug zur Realität, brabbelte wirres Zeug, während Freunde, Wegbegleiter und solche, die es angeblich gut meinen, im US-Fernsehen über den Status Quo seiner Rauschgiftabhängigkeit diskutierten.

"Ich weiß, was er durchmacht. Auch ich hatte psychotische Episoden in der Öffentlichkeit", sagte jetzt sein Vater Martin, der mit Francis Ford Coppolas Anti-Kriegs-Film "Apocalypse Now" 1979 den Durchbruch schaffte. Einer dieser Ausbrüche sei in eben diesem Streifen mit der Kamera festgehalten worden - in der Eröffnungsszene, erzählte Sheen senior.

"Wenn du so etwas tust, etwas, das außer Kontrolle ist, dann ist das sehr schwierig", orakelte der Vater, gab aber nicht an, wie er gedenke, seinem Sohn konkret unter die Arme zu greifen. Ob Charlie denn auf ihn höre? "Ab und zu", so die lasche Antwort. "Kommt drauf an, ob er gerade einen klaren Moment hat." Er könne das Problem nicht für seinen Sohn regeln: "Er ist 45 Jahre alt."

Charlie sei emotional immer noch ein Kind. "Wenn du abhängig bist, dann wächst du gefühlsmäßig nicht." Das bedeute, dass man nach einem Entzug da anfange, wo man vor der Sucht aufgehört habe: "Du bist emotional verkrüppelt."

Man brauche Mut und Vertrauen, davon ist der gläubige Katholik überzeugt: "Abhängigkeit ist die dunkle Seite. Sie spiegelt Verzweiflung wieder. Und sie wird genährt von Negativität." Gut zu wissen, aber wird das seinem Sohn helfen?

Charlie Sheens drei Jahre älterer Bruder Emilio Estevez gibt sich optimistisch: "Es gibt immer Hoffnung, und es gibt so viele Beispiele von Leuten, die sich selbst aus der Scheiße gezogen und eine Wiedergeburt erlebt haben", sagte er der "Sunday Times". Es gibt aber auch jede Menge Leute, die im Moment der Not eingreifen und andere zu ihrem Glück zwingen. Offenbar nichts für die Familie Sheen: "Man muss für ihn beten und hoffen, dass er klar wird."

ala

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1. .
frubi 22.03.2011
Zitat von sysopUS-Schauspieler Martin Sheen macht sich Sorgen um seinen Sohn Charlie. Zu Recht, denn der steckt in Schwierigkeiten - beruflich, mental, körperlich. Doch die Tipps, die Herr Papa für den schwer strauchelnden Filius bereithält, sind so spleenig wie der Sohn selbst. http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,752267,00.html
Ich empfehle jedem, sich das Interview von Charlie Sheen bei Howard Stern anzuhören. Dann wird man schon etwas anders über Charlie Sheen denken als der Autor dieses Beitrags. Er hat sich z. B. bemüht, dass das Studio die Crew von Two and a half men für den Rest der Staffel ausbezahlt. (http://www.courierpostonline.com/article/20110301/ENT/110301016/Charlie-Sheen-My-efforts-helped-get-pay-Men-crew)
2. den Titel hat Charlie weggeraucht...
Malazaner 22.03.2011
Äh... Und welches sind jetzt die "kruden" Tipps? Die (völlig richtige) Aussage, daß er (Martin) die Probleme nicht lösen kann? Oder wollte man nur zwingend das neue SpOn-Lieblingswort "krude" mal wieder völlig deplatziert in einer Headline unterbringen? Die wahrste Aussage ist: "Er ist 45 Jahre alt". Eben, darum laßt den Charlie doch seine Probleme selbst lösen, das Einbrocken derselben hat ja auch sicher eine ordentliche Menge an Spaß gemacht, sodaß er jetzt quasi einen Vergnügungsvorschuß hat... ;-)
3. Klassischer Fall von Patriarchat
alasiaperle 22.03.2011
Wenn "Charlie Sheen" eine "Britney Spears" oder "Lindsay Lohan" wäre, wäre er schon längst weg vom Fester, in der Psychiatrie bzw. Knast. Er wäre verspottet und nicht, sein wir mal ehrlich, heimlich bewundert.
4.
dmgroupie101 22.03.2011
Man sollte sich mal wirklich mit dem Thema beschäftigen, lieber Spiegel... Martin Sheen hat in der Vergangenheit seinen Sohn nach erfolglosen Versuchen, ihm zu helfen, schon einmal bei der Polizei angezeigt, um ihn von der Drogensucht weg zu bekommen. Leider hat auch das, wie zahllose andere Hilfsversuche, nichts Entscheidendes gebracht. Als Angehöriger kann man ab einem bestimmten Punkt den Karren nicht mehr aus dem Dreck ziehen, das kann dann nur noch der Betroffene selbst. Und der wird für die Rolle "Charlie Harper", der ein Leben mit Suff und unverbindlichem Sex führt, gefeiert oder wurde es jahrelang. Gibt es da einen Zusammenhang? Ich denke schon.... viel Glück Charlie Sheen....
5. So hart es auch ist...
PJanik 22.03.2011
Zitat von sysopUS-Schauspieler Martin Sheen macht sich Sorgen um seinen Sohn Charlie. Zu Recht, denn der steckt in Schwierigkeiten - beruflich, mental, körperlich. Doch die Tipps, die Herr Papa für den schwer strauchelnden Filius bereithält, sind so spleenig wie der Sohn selbst. http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,752267,00.html
Wenn man einem Suechtigen den Entzug aufzwingt dann mag das bei dem einen oder anderen Helfen. Wer nicht clean werden will, der wird immer wieder rueckfaellig. Als Familie helfend einzugreifen geht oft nur durch radikales Fallenlassen des Suechtigen, so paradox, grausam und herzlos das auch klingen mag.
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