#MeToo-Debatte Catherine Deneuve entschuldigt sich bei Belästigungsopfern

Männliche Aggression sei "unentbehrlich für die sexuelle Freiheit", meinte Catherine Deneuve in einem offenen Brief - und hat dafür Kritik kassiert. Nun wendet sie sich in einem neuen Brief an Opfer sexueller Belästigung.

Catherine Deneuve (Mai 2015)
AFP

Catherine Deneuve (Mai 2015)


Die französische Schauspielerin Catherine Deneuve hat sich bei den Opfern sexueller Belästigung entschuldigt. Allen Betroffenen, die sich von dem von ihr unterzeichneten Aufruf für die "Freiheit zu belästigen" angegriffen fühlten, biete sie ihre Entschuldigung an, heißt es in einem Brief von ihr, den die Zeitung "Libération" veröffentlichte.

Zugleich verteidigt die 74-Jährige darin ihre Unterzeichnung des Aufrufs, der in den vergangenen Tagen viel Kritik ausgelöst hatte. In dem offenen Brief von rund hundert Frauen werde sexuelle Belästigung in keinster Weise gerechtfertigt, ansonsten hätte sie ihn nicht unterschrieben, sagte Deneuve. Den Vorwurf, keine Feministin zu sein, wies sie zurück.

In dem umstrittenen Gastbeitrag in der Zeitung "Le Monde" hatten die Frauen einen neuen "Puritanismus" beklagt und die Urheberinnen der #MeToo-Debatte attackiert: Die Veröffentlichung von Männernamen führe dazu, dass viele auf eine Stufe mit Sexualstraftätern gestellt würden. Die "Freiheit zu belästigen" sei aber "unerlässlich für die sexuelle Freiheit".

"Vergewaltigung ist ein Verbrechen", heißt es in dem Text. "Aber eine beharrliche oder ungeschickte Anmache ist nicht strafbar." Heute würden Männer "zur Kündigung gezwungen, deren einziges Vergehen es ist, ein Knie berührt oder einen Kuss erhascht zu haben".

Mehr zum Thema: Hier lesen Sie einen Kommentar zu Deneuve und der #MeToo-Debatte ("Frau Deneuve kann gerne weiterflirten") und hier einen Debattenbeitrag zum Thema ("Sag's noch mal, Catherine Deneuve").

aar/AFP



insgesamt 17 Beiträge
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thrlll 15.01.2018
1. "... einen Kuss erhascht zu haben"
"einen Kuss erhascht" haben wohl eher die Belästigten, nicht die Belästigenden. Klingt doch alles wieder sehr nach "war nicht so gemeint/ich bin falsch verstanden worden"... enttäuschend.
fuxx_1980 15.01.2018
2. Was hat sich geändert?
Es war doch schon im ersten Text von Frau Deneuve alles gesagt.
alex77lubu 15.01.2018
3. schade
Dass Frau Deneuve so niedergekeift wurde. Nur weil sie für eine differenziertere Diskussion eingetreten ist. Ich als Mann fühle mich hier durch die Feministinnen als potenziellen Vergewaltiger in Sippenhaft genommen. Diese Art zerstört den sozialen Frieden zwischen den Geschlechtern und ist in meinen Augen genauso traurig, wie die sexuelle Gewalt durch einige Männer.
spon-41d-frm9 15.01.2018
4. Frauen unter sich
Ich selbst bin eine Frau und immer mehr der Ansicht, dass die wir Frauen selber zu der Missäre eine Menge beigetragen haben. Gestern im Schwimmbad hat mich ein alter Knacker, mit voller Kraft auf meinen Oberarm geschlagen, weil ich ihn zurechtgewiesen habe. Was war das Ende vom Lied? Die Bademeisterin hat den Typen in Schutz genommen. Sie sprach in hochförmlichen Ton "die Herrschaften ..." von dem und seiner Begleiterin. Und so ist es doch überall, und vorallem in Hollywood. Ich möchte nicht wissen wieviele der Schwarzträgerinnen beim Golden Globe einen Herrn Weinstein oder wen auch immer in Schutz genommen haben. Es bringt nichts, wenn Frauen großschnäutzig gegen Männer vorgehen wenn sie nicht auch ihr Verhalten untereinander unter die Lupe nehmen
chronoc 15.01.2018
5. Was zu erwarten war!
Leider ist die überaus laute und unerbittliche Keiflobby, die Meinungs- und Gedankenpolizei wieder einmal erfolgreich gewesen. Eine Frau, die stark und gefestigt ist und die viele Jahrzehnte in der Öffentlichkeit steht, hat es leider nicht geschafft, der irren Automatismusfront zu widerstehen. Ich bin mal gespannt, wann die bisher schweigende Mehrheit aufsteht und zu diesem Unsinn laut äußert.
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