Schwedische Außenministerin "Plötzlich habe ich eine Hand auf meinem Schenkel gespürt"

Bei einem Abendessen mit Regierungschefs wird die schwedische Außenministerin Margot Wallström begrapscht. Sie berichtet von sexueller Gewalt auf "höchster politischer Ebene".

Schwedische Außenministerin Margot Wallström
Kristian Pohl/Regeringskansliet

Schwedische Außenministerin Margot Wallström


Die schwedische Außenministerin Margot Wallström hat sexuelle Gewalt "auf höchster politischer Ebene" angeprangert. Wallström schrieb auf ihrer Facebook-Seite, sie selbst sei in ihrem Amt Opfer von sexueller Belästigung geworden. Nähere Angaben machte sie nicht. Die Ministerin schloss sich zudem der Internet-Kampagne unter dem Stichwort #MeToo an, die nach den Missbrauchsvorwürfen gegen Produzent Harvey Weinstein ins Leben gerufen wurde.

Wallström hatte im Jahr 2014 von einem Vorfall während eines Abendessens mit europäischen Staats- und Regierungschefs berichtet. Sie sei bei diesem Essen von ihrem Sitznachbarn begrapscht worden. "Plötzlich habe ich eine Hand auf meinem Schenkel gespürt. Mein Tischnachbar fing an, mich zu betatschen. Das war völlig irreal", erzählte sie. Die Außenministerin ließ in ihrem Facebook-Eintrag offen, ob sie sich auf diesen Vorfall bezog. Sie wolle nicht zu persönlich werden, schrieb sie.

Der Fall Weinstein hat in den USA eine breite Debatte über Missbrauch und Belästigung von Frauen ausgelöst - nicht nur im Filmgeschäft. Nach einem Aufruf der Schauspielerin Alyssa Milano meldeten sich Tausende Frauen unter dem Hashtag #MeToo mit ihren Erfahrungen mit sexueller Belästigung.

Zuletzt hatte auch die Olympiasiegerin McKayla Maroney auf Twitter berichtet, sie sei über viele Jahre von Teamarzt Larry Nassar belästigt worden. Seit Sommer 2016 sind mehr als 350 Fälle sexueller Belästigung von US-Turnerinnen bekannt geworden.

Die 21-Jährige Maroney sagte, die Übergriffe hätten begonnen, als sie mit 13 Jahren in das US-Team aufgenommen wurde. "Das hat sich durch meine gesamte Karriere gezogen", sagte die Kalifornierin. Sie habe erst durch die Berichterstattung den Mut gefunden, an die Öffentlichkeit zu gehen. 2016 beendete sie ihre Karriere.

Detailliert schilderte sie einen Vorfall während der Weltmeisterschaften 2011 in Tokio. Nassar, der drei Jahrzehnte lang als Trainer aktiv war, habe ihr eine Schlaftablette gegeben, "das erste, an das ich mich dann erinnerte, war, dass ich mit ihm alleine im Hotelzimmer war und eine 'Behandlung' erhielt. Ich dachte in dieser Nacht, ich sterbe", schrieb Maroney.

Der nationale Turnverband USA Gymnastics lobte in einer Stellungnahme die Courage von McKayla Maroney und anderen Sportlerinnen, die an die Öffentlichkeit gehen, um ihre persönlichen Erfahrungen mit dem sexuellen Missbrauch zu teilen. Wegen ihrer Stärke, so USAG, können solche Sexualstraftäter belangt werden.

Der Verband stand in den Anfängen des Skandals stark in der Kritik. Der Organisation wurde Tatenlosigkeit vorgeworfen. Es gab Indizien dafür, dass die Verantwortlichen wider besseren Wissens weggeschaut hatten. Anzeigen hatte es nicht gegeben.

koe/dpa/sid



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.