Mexikanischer Drogenboss "El Chapo" liest christliche Besinnungsliteratur

Er ist der berühmteste Drogenboss Amerikas und machte mit seiner Flucht aus der Haft Schlagzeilen - aber "El Chapo" kann auch anders: In seiner Gefängniszelle soll er derzeit spirituelle Literatur lesen.

REUTERS

Vielleicht ist es auch wieder nur ein Trick, eine Inszenierung - aber erstaunlich ist es in jedem Fall: Der mexikanische Drogenboss Joaquín Guzmán liest laut der Nachrichtenagentur AP christliche Bücher in seiner mexikanischen Gefängniszelle und speckt in der Haft ordentlich ab.

Guzmán, der vor allem unter seinem Pseudonym "El Chapo" bekannt ist, war zuvor durch spektakuläre Verfolgungsjagden, eine Tunnel-Flucht aus dem Gefängnis und merkwürdige Auslieferungsanträge aufgefallen. Und nun das: Nachdem er den spanischen Klassiker "Don Quijote" ausgelesen habe, so berichtet es ein mexikanischer Regierungsbeamter, lese er nun ein Buch des evangelikalen US-Geistlichen Rick Warren über den Sinn des Lebens.

Das Werk enthält Zitate, die auf "El Chapo" zugeschnitten zu sein scheinen: "Ein protziges, prahlerisches Leben ist ein leeres Leben", heißt es darin, und: "Wir sind Produkte unserer Vergangenheit, aber wir müssen nicht ihre Gefangenen sein."

Ein Hund als Vorkoster und zwei Bewacher

Guzmán hat demnach während der Haft seit Januar auch Gewicht verloren, obwohl dem Bericht zufolge für seine Mahlzeiten großer Aufwand betrieben wird: Ein Hund muss jedes Gericht vorkosten, um eine Vergiftung des prominenten Häftlings zu verhindern. Für die Bewachung "El Chapos" sind zudem rund um die Uhr zwei Beamte zuständig - sie beobachten ihn permanent.

Grund für diesen Aufwand ist "El Chapos" Vorgeschichte: "El Chapo" war im vergangenen Juli durch einen Tunnel entwischt, der aus seiner Gefängniszelle herausführte. Es war bereits sein zweiter Ausbruch aus der Haft. Monatelang wurde in Mexiko und den USA nach dem Drogenboss gefahndet - in dieser Zeit soll er zweimal in die USA eingereist sein. Auf seiner Flucht gab "El Chapo" dem Schauspieler Penn ein Interview. Anfang Januar wurde Guzmán dann in der Küstenstadt Los Michos im Nordwesten Mexikos festgenommen.

Seitdem fordern die USA die Auslieferung "El Chapos". Bislang versuchte der Boss des Drogenkartells Sinaloa alles, um diesen Schritt zu verzögern. Vor Kurzem bat er dann allerdings selbst darum, schnell in das Nachbarland überstellt zu werden: Er sei bei schlechter Gesundheit und werde mit Schlafentzug gefoltert.

Zuletzt hatte der berühmte Drogenbaron weniger Schlagzeilen gemacht - ganz im Gegenteil zu seiner Frau: Emma Coronel wird so oft mit einer mexikanischen Schönheitskönigin verwechselt, dass diese sich nun dagegen wehren will. Bei Google will sie erwirken, dass Fotos der beiden Frauen nicht mehr verwechselt werden.

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Mexiko: Vorsicht Verwechslung!

mxw/AP

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insgesamt 1 Beitrag
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ambulans 19.03.2016
1. warum
nicht? bernardo provenzano, nachfolger von toto riina als chef "unserer sache", dieser familie im italien der 80/90/00er jahre, soll sich ja ähnlich verhalten haben ...
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