Michail Kalaschnikow Gewissensbisse wegen Gewehr-Erfindung

"Mein seelischer Schmerz ist unerträglich": In einem nun aufgetauchten Schreiben brachte Waffenkonstrukteur Michail Kalaschnikow wenige Monate vor seinem Tod Schuldgefühle zum Ausdruck. Er frage sich, ob er "die Schuld für den Tod von Menschen trage".

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Moskau - Seine Erfindung brachte ihm internationale Bekanntheit ein- und offenbar auch Schuldgefühle: Der russische Waffenerfinder Michail Kalaschnikow wurde kurz vor seinem Tod anscheinend von Gewissensbissen geplagt. Er frage sich immer wieder, ob er "die Schuld für den Tod von Menschen trage, selbst wenn sie Feinde waren", schrieb der damals 93-Jährige laut der Zeitung "Iswestija" in einem auf den 7. April 2013 datierten Brief an den Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche.

Im Jahr 2007 hatte er noch behauptet, ruhig schlafen zu können. "Die Politiker sind schuld daran, wenn sie sich nicht einigen können und zu gewaltsamen Mitteln greifen." In seinen letzten Lebensjahren scheint er diese Einstellung geändert zu haben. "Mein seelischer Schmerz ist unerträglich", schrieb der Erfinder des Sturmgewehrs AK-47 dem Blatt zufolge an den Patriarchen.

Der "orthodoxe Christ" machte sich in dem Brief zudem Sorgen um das Seelenheil seiner Heimat. "Ja, die Zahl von Kirchen und Klöstern in unserem Land nimmt zu, aber das Böse wird dennoch nicht ausgerottet."

Kalaschnikow besuchte nach eigener Aussage erstmals im Alter von 91 Jahren eine Kirche und ließ sich später taufen. In dem Schreiben bezeichnet er sich als einen treuen Diener Gottes.

"Er entwarf das Gewehr, um sein Land zu verteidigen"

Der Brief wurde offenbar zur Chefsache. Der Patriarch Kirill habe persönlich geantwortet, sagte Kalaschnikows Sprecher Alexander Wolkow laut dem Blatt. Demnach beruhigte das Kirchenoberhaupt den Waffenkonstrukteur und lobte ihn als echten Patrioten. "Die Position der Kirche ist eindeutig: Falls Waffen dazu dienen, das Vaterland zu verteidigen, unterstützt die Kirche sowohl ihre Erfinder als auch die Soldaten, die sie einsetzen", erkärte Wolkow. "Er entwarf das Gewehr, um sein Land zu verteidigen, und nicht, damit Terroristen in Saudi-Arabien es nutzen."

Das von Kalaschnikow entwickelte AK-47 wurde weltweit mehr als hundert Millionen Mal hergestellt. Auch bei Kriminellen ist die Waffe beliebt.

Kalaschnikow war Ende Dezember im Alter von 94 Jahren gestorben, wenige Tage später wurde er in Moskau beigesetzt. Standesgemäß begleiteten Salutschüsse aus einem AK-47 die Trauerzeremonie.

gam/dpa/AFP

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Stabhalter 13.01.2014
1. wieso?
er hat auch nur seine Pflicht gemacht,wie Heckler und Koch,Walther,Rheinmetall etc.
donnerfalke 13.01.2014
2. Ach was
Es gibt Menschen die ohne Gewissensbisse Fracking betreiben und sich daran bereichern, oder Menschen mit Atombomben oder Drohnen wegmetzeln. Es gibt auch Erfinder von der synthetischen Droge die in Spice drin ist, ihm ist auch alles scheissegal. Warum soll jemand der eine Waffe für sein Land gebaut hat und davon finanziell nicht profitiert hat, Gewissensbisse haben?
Steuerzahler0815 13.01.2014
3.
Nein Waffen töten keine Menschen Menschen töten Menschen
Arne Karl 13.01.2014
4. Keine Sorge
Sollten Sie dieses noch lesen können, Herr Kalaschnikow, dann machen Sie sich bloß keine Sorge. Man hätte auch ohne Ihre Waffe ganz bestimmt andere Mittel und Wege gefunden.
rentier75 13.01.2014
5. Nein, ich denke nicht
Zitat von sysopDPA"Mein seelischer Schmerz ist unerträglich": In einem nun aufgetauchten Schreiben brachte Waffenkonstrukteur Michail Kalaschnikow wenige Monate vor seinem Tod Schuldgefühle zum Ausdruck. Er frage sich, ob er "die Schuld für den Tod von Menschen trage". http://www.spiegel.de/panorama/leute/michail-kalaschnikow-hatte-vor-seinem-tod-schuldgefuehle-a-943282.html
demnach müsste auch Carl Benz oder Frau Curie und viele andere Gewissensbisse haben. Die die für den Tod anderer Menschen durch Gewalt verantwortlich sind sind die Politiker. Er hat einen Auftrag bekommen und als Ingenieur perfekt erfüllt. Hätte er den Auftrag für einen Toaster bekommen oder eine Waschmaschine ich denke er hätte es auch getan. Der Erfolg (nennt man so) der Waffe liegt woanders, nämlich in der technischen Rafinesse. Das am Ende Politiker Konflikte als Fortsetzung ihrer missratenen Politik anheizen, dafür kann Herr Kalischnikow sicher am wenigsten. Der Wertpapierdrucker kann ja auch nichts dafür das Spekulanten den Hungertod von Millionen Menschen in Kauf nehmen wenn sie dessen Produkt hin- und herverschieben.
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