Michelle Obamas PR-Desaster "Die neue Marie Antoinette"

Ein harmloser Mutter-Kind-Urlaub unter der Sonne Andalusiens sollte es werden. Doch Michelle Obamas opulente Spanienreise wurde zum Politikum, die Präsidentengattin wird scharf angefeindet: Darf eine First Lady in wirtschaftlich schweren Zeiten auf Kosten der Steuerzahler ausspannen?

AFP

Hamburg/Barcelona - Spanien ist der Punkt, an dem sich alles zum Guten wendet - zumindest im Hollywood-Musical "My Fair Lady". Als Slumbewohnerin Eliza Doolittle im Sprachunterricht den Zungenbrecher "The rain in Spain stays mainly in the plain" in feinstem Englisch meistert, steht ihrem Aufstieg in die Upper Class nichts mehr im Wege.

Für die Ehefrau des amerikanischen Präsidenten hat Spanien genau die gegenteilige Wirkung.

Michelle Obamas fünftägiger Privatbesuch in Andalusien ist rein imagetechnisch ein Desaster. Im Washingtoner Sommerloch bringt die fatale Reise ein Phänomen hervor, das man in dieser Qualität noch nicht kannte: First-Lady-Bashing.

Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da Barack Obamas Umfragewerte so schlecht sind wie noch nie, entsteht der Eindruck, als genösse Michelle Obama einen Luxustrip auf Kosten des amerikanischen Steuerzahlers.

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Glamouröser Besuch: Michelle meets Marbella
So residierte die 46-Jährige während ihres Aufenthaltes im spanischen Prominenten-Dorado Marbella in dem Fünf-Sterne-Hotel Villa Padierna, eine Übernachtung kostet mindestens rund 300 Dollar, in der teuersten Suite gar rund 6500 Dollar.

30 Zimmer, so die "New York Times", seien von der Präsidentengattin reserviert worden. Zwar zahlen die First Lady und mitreisende Freunde für Anreise, Übernachtung und Verpflegung aus eigener Tasche, außerdem ist die Unterbringung in First-Class-Hotels aus Gründen des Personenschutzes sinnvoll, die Kosten für den mitreisenden Secret Service trägt allerdings der Staat. Allein der Flug mit der Präsidentenmaschine Air Force Two schlage mit 148.000 Dollar zu Buche, rechnet die Boulevardzeitung "New York Daily News" vor.

"Ist diese opulente Reise die richtige Message?"

Es gab Zeiten, da waren das Timing, der politische Instinkt der Obamas auch in Dingen des alltäglichen Lebens makellos. Als im Präsidentschaftswahlkampf 2008 die republikanische Vize-Kandidatin Sarah Palin wegen ausufernder Garderobekosten mit Häme überzogen wurde, erschien Michelle Obama in einer Talkshow - im Kleid von der Stange.

Jetzt allerdings lassen Instinkt und Timing zu wünschen übrig: Während die Berichte über das spanische Luxushotel die Runde machten und zudem Erwähnung fand, dass eigens ein Strandabschnitt von der spanischen Polizei gesperrt wurde, damit die neunjährige Sasha Obama ungestört planschen konnte, wurde in den USA bekannt, dass dort im Monat Juli erneut 131.000 Jobs abgebaut wurden, deutlich mehr als erwartet.

"Ist diese opulente Reise die richtige Botschaft in diesen harten wirtschaftlichen Zeiten?", heißt es im Blog "Politics Daily". Eine rein rhetorische Frage.

Auch das Sightseeing der First Lady wirkte nicht eben bodenständig: Begleitet von einem Dutzend Secret-Service-Mitarbeitern und Mitgliedern ihres Washingtoner Stabes - wie viele davon sich im Tross der First Lady befanden, gab das Weiße Haus nicht preis - umlagert von einer Pressemeute, im Schlepptau ihre Freunde und die ihrer Tochter, bahnte sich Michelle Obama einen Weg durch pittoreske Altstädte und Touristen-Hotspots; dieser Trip hatte nicht mal mehr den Hauch einer privaten Anmutung.

Handkuss vom König

Als Krönung erfolgte am Sonntag ein Besuch auf Mallorca bei der Königsfamilie - Monarch Juan Carlos lies es sich nicht nehmen, Michelle Obama mit Handkuss zu begrüßen.

"Wenigstens dort ist die Reise ein Erfolg", so die "New York Daily News" höhnisch. Schlagzeilen spanischer Zeitungen werden zitiert, die Michelle Obamas Treiben vor Ort reichlich spätrömisch-dekadent erscheinen lassen: "Michelle verführt Granada" und "Michelle tanzt in der Sacromonte".

Es ist vor allem eine Kolumne dieser Zeitung, kontribuiert von der republikanischen Polit-Strategin Andrea Tantaros, die die Obama-Häme auf die Spitze trieb. Tantaros verteufelte Michelle Obama als "Material Girl", als eine "moderne Marie Antoinette".

"Huffington Post"-Blogger Jim Kennedy wittert hinter Attacken dieser Art "die Strategie des Angriffs auf den Charakter, wie er von den Rechten eben praktiziert wird".

"Simpel ausgedrückt", so Kennedy, "gibt es in diesem Land nun mal Leute, die den Gedanken nicht ertragen, dass Schwarze es in eine Machtposition schaffen."

Peinliche Panne im State Department

Abgesehen von den unschönen Folgen für die First Lady brachte ihre Spanienreise auch das State Department in eine peinliche Situation, als bekannt wurde, dass noch kürzlich auf dessen Internetseite vor Rassismus in Spanien gewarnt wurde. Demnach wurden Amerikaner schwarzer Hautfarbe darauf hingewiesen, dass in dem südeuropäischen Land "rassistische Vorurteile zur Festnahme von Afroamerikanern führen" könnten. Erst am Montag wurden diese Bemerkungen hastig von der Website entfernt.

Dass sich die als Mutter-und-Kind-Erholungsurlaub geplante Reise zum Politikum entwickeln könnte, dämmerte wohl schließlich auch der Obama-Regierung.

An einer Benefiz-Galaparty am Samstag nahm Michelle Obama wider Erwarten nicht teil. Statt mit VIP-Gästen wie Antonio Banderas übers Parkett zu schweben oder Smalltalk mit Schauspielerin Eva Longoria zu machen - Tickets zu der Veranstaltung waren für 1000 Dollar verkauft worden - blieb die First Lady dem Treiben fern. Sie habe den Abend stattdessen im kleinen Kreis mit ihren Freunden verbracht, hieß es. Ganz privat.

Der nächste Urlaubstrip der Obamas steht übrigens ab dem 14. August ins Haus. Demonstrativ und politisch korrekt geht es dann an die von der Ölpest gebeutelte Golfküste Floridas. Für ein Wochenende, immerhin.

pad



insgesamt 148 Beiträge
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Seite 1
ingrid wild 08.08.2010
1. Na selbstverständlich darf sie das
Zitat von sysopEin harmloser Mutter-Kind-Urlaub unter der Sonne Andalusiens sollte es werden. Doch Michelle Obamas opulente Spanienreise wurde zum Politikum, die Präsidentengattin wird scharf angefeindet. Darf eine First Lady in wirtschaftlich schweren Zeiten zu Lasten des Steuerzahlers ausspannen? http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,710774,00.html
sie ist schließlich die First Lady - da kann man schon mal vergessen wem man die Privilegien und bombastischen Möglichkeiten verdankt. Aber ich bin erleichtert dass auch die Obamas so sind wie alle anderen Politiker - sobald sie an den Futterkrippen der Macht sitzen ist alles andere vergessen.
delinquent 08.08.2010
2. Lachhaft
Zitat von sysopEin harmloser Mutter-Kind-Urlaub unter der Sonne Andalusiens sollte es werden. Doch Michelle Obamas opulente Spanienreise wurde zum Politikum, die Präsidentengattin wird scharf angefeindet. Darf eine First Lady in wirtschaftlich schweren Zeiten zu Lasten des Steuerzahlers ausspannen? http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,710774,00.html
Welch eine Frage!---In wirtschaftlich schlechten Zeiten soll also die Politprominenz mit Askese ein gutes Beispiel geben? Das Spiel kann man bis zum Exzess treiben,nur noch trockenes Brot für die Führungselite,derweil kann das unschuldige missbrauchte Volk dann Kuchen essen...
mitwisser, 08.08.2010
3. Image gelitten
Zitat von sysopEin harmloser Mutter-Kind-Urlaub unter der Sonne Andalusiens sollte es werden. Doch Michelle Obamas opulente Spanienreise wurde zum Politikum, die Präsidentengattin wird scharf angefeindet. Darf eine First Lady in wirtschaftlich schweren Zeiten zu Lasten des Steuerzahlers ausspannen? http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,710774,00.html
Ich habe mich schon gefragt, ob zu diesem Thema kein thread eröffnet wird. Persönlich finde ich es mehr als befremdlich, wenn man für den Urlaub von 2 Leuten (und der Staffage) mit einem JUMBO um die halbe Welt fliegen muss. Ich finde das dekadent und umweltfeindlich. Nicht viel kapiert oder Macht macht korrupt könnte man wohl auch sagen. Schade. Kein Wunder, dass B. Obamas Image in den USA beträchtlich gelitten hat...
forumgehts? 08.08.2010
4. Erledigt
Zitat von sysopEin harmloser Mutter-Kind-Urlaub unter der Sonne Andalusiens sollte es werden. Doch Michelle Obamas opulente Spanienreise wurde zum Politikum, die Präsidentengattin wird scharf angefeindet. Darf eine First Lady in wirtschaftlich schweren Zeiten zu Lasten des Steuerzahlers ausspannen? http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,710774,00.html
Obama ist eben erledigt. Wenn er noch etwas zu sagen hätte, dann würde es sich die Damen und Herren Journalisten gut überlegen, gehässige Artikel zu schreiben. Sarko schafft das doch auch (noch).
ingrid wild 08.08.2010
5. Das ist Unfug
Zitat von delinquentWelch eine Frage!---In wirtschaftlich schlechten Zeiten soll also die Politprominenz mit Askese ein gutes Beispiel geben? Das Spiel kann man bis zum Exzess treiben,nur noch trockenes Brot für die Führungselite,derweil kann das unschuldige missbrauchte Volk dann Kuchen essen...
Natürlich können sich Obamas gönnen was ihnen lieb und dem Steuerzahler teuer ist ... Sie erinnern sich doch aber sicher noch an die Hoffnungen die a) mit den Obamas verbunden waren (näher am Volk und so) und b) eine andere Politik als ihre Vorgänger ... hihi, nix da, kaum sitzt man auf dem Thron sind alle Versprechen nur Makulatur. Nein sorry, ich kann nicht verstehen warum für den Obama-Sprössling ein Stück Strand gesperrt werden muss und die Obama-Ehefrau (mehr ist sie nicht) mit einem Hofgefolge wie eine Queen reist - ach dagegen reist ja die Queen bescheiden ...
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