Ex-Teenie-Star Miley Cyrus ätzt über "diesen 70 Jahre alten Juden"

Miley Cyrus provoziert gerne, doch was ist das? In einem Interview lästert der zur Skandalnudel gewandelte Ex-Teenie-Star über "diesen 70 Jahre alten Juden" - und bedient sich damit ganz offen eines antisemitischen Klischees.

REUTERS

Hamburg - Mit Macht setzt Miley Cyrus alles daran, ihr Image als unschuldiges Disney-Saubermädchen abzustreifen. Sie tut das durchaus erfolgreich - ob mit ihrem überbetont lasziven Auftritt bei den MTV Music Awards Ende August oder mit dem Nacktauftritt im Videoclip zu "Wrecking Ball".

Doch jetzt hat die 20-Jährige beim Versuch, sich als unabhängige Künstlerin zu profilieren, tief in die antisemitische Klischeekiste gegriffen. In einem vom Fragesteller recht unterwürfig geführten Interview mit dem amerikanischen "Hunger"-Magazin wurde sie gefragt, wie sie sich als "berühmteste Frau der Welt" so fühle. Cyrus antwortet mit einer Suada gegen die Bedenkenträger im Management, gegen die sie ihre Ideen für ihre Songs und Videos erst durchkämpfen habe müssen.

Die Antwort mündet in eine Generalkritik an den Entscheidern der Unterhaltungsindustrie. Es sei seltsam, dass Produkte für junge Menschen grundsätzlich von Leuten gesteuert würden, die dafür 40 Jahre zu alt seien. "Es kann nicht sein, dass dieser 70 Jahre alte Jude, der seinen Schreibtisch nie verlässt, mir sagt, was in den Clubs angesagt ist", lässt Cyrus sich wörtlich zitieren.

Interessant dabei: Eine konkrete Person meint Cyrus offenbar nicht. Vielmehr scheint sie davon auszugehen, dass "die da oben" in der Unterhaltungsindustrie ohnehin immer Juden sind - die ganz klassische Form des antisemitischen Klischees.

In der breiten US-Öffentlichkeit taugt das trotzdem nicht zum Skandal. Der Fragesteller hakt nicht nach, und auch Medien wie die "Huffington Post", die über das Interview berichten, interpretieren ihre Worte lediglich als Kampfansage an die "hohen Tiere" der Unterhaltungsindustrie.

Anders in der jüdisch-amerikanischen Community: Die Online-Ausgabe des "Jewish Daily Forward", der auch mit der israelischen Tageszeitung "Haaretz" kooperiert, gesteht Cyrus angesichts exorbitanter Klickzahlen ihres Musikvideos auf Youtube zu, tatsächlich ein Gespür für die Vorlieben des Publikums zu haben. Und stellt dann die entscheidende Frage: "Aber wieso bringt sie die Juden ins Spiel?"

fdi

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