Miss Japan Fremd im eigenen Land

Sie sehe nicht japanisch aus - das war noch das Netteste, was die amtierende Miss Japan sich nach ihrem Sieg beim Schönheitswettbewerb anhören musste. Nun wehrt sich die 20-Jährige gegen die rassistischen Kommentare.

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Ariana Miyamoto hatte eigentlich nicht vorgehabt, sich für den Titel der schönsten Frau Japans zu bewerben. Ihre Mutter ist Japanerin, ihr Vater Afroamerikaner - als junge Frau mit solchen Wurzeln hatte sie sich wenig Chancen in einem Wettbewerb ausgerechnet, bei dem zum Schönheitsideal blasse Haut, kleine Nasen und kleine Münder gehören. Doch diese Einstellung sollte sich mit dem Tod eines engen Freundes ändern.

Ihr Freund, ebenfalls Japaner mit ausländischen Wurzeln, habe sich das Leben genommen, weil er sich von seinen Mitmenschen nicht akzeptiert gefühlt habe. "Und dass hat dazu geführt, dass er sich selbst nicht akzeptiert", sagt Miyamoto.

Miyamoto, 20 Jahre alt, 1,73 Meter groß, Muttersprache Japanisch, hat eine Haut wie Milchkaffee und ein breites Lächeln. Allen traditionell japanischen Schönheitsidealen zum Trotz beschloss sie, doch an der Wahl zur Schönheitskönigin ihres Heimatlandes teilzunehmen.

Sie wurde Miss Japan, die Reaktionen auf ihre Kür waren allerdings wenig königlich. In den sozialen Netzwerken hagelte es Kritik. Ihr Mund sei zu groß, die Haut zu dunkel, sie sehe aus wie eine Ameise.

Angst "Hautfarbe könne abfärben"

Es sind nicht die ersten rassistischen Beleidigungen, die die 20-Jährige in Japan zu hören bekommt. Der Nachrichtenagentur Reuters erzählte Miyamoto, als Kind sei sie von Mitschülern gemieden worden, weil diese Angst hatten "meine Hautfarbe könne abfärben". Sie habe das schließlich so satt gehabt, dass sie an eine High School in den USA wechselte.

Wie kompromisslos vermeintliche Verstöße gegen Schönheitsideale bei solchen Wettbewerben kommentiert werden, zeigte sich auch bei der Wahl zur Miss USA 2013. Damals hieß die Siegerin Nina Davuluri - eine Frau mit indischen Wurzeln aus New York. Auch hier ergoss sich eine Flut rassistischer Beleidigungen über die junge Frau.

Die amtierende Miss Japan kehrte schließlich in ihre Heimat zurück. Sie habe Japan vermisst, sagte Miyamoto. An ihrer Situation hat sich ihr zufolge jedoch wenig geändert. Sie werde in ihrem eigenen Land wie ein Tourist behandelt, in Restaurants bekomme sie immer die englische Speisekarte.

Miyamoto bereitet sich nun auf die Wahl zur "Miss Universe" vor. Zweimal haben zuvor Japanerinnen den Titel gewonnen. Miyamoto hofft, dass sie die Dritte wird - auch um so für mehr Akzeptanz in ihrem Heimatland kämpfen zu können. "Japan versucht, sich zu verändern. Und ich würde gerne dabei helfen, dass es noch ein bisschen weitergeht."

gam/Reuters

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