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Miss Universe in Guantanamo: "Das war sooooo lustig!"

Sie wollte die "reizenden Jungs von der Army" besuchen: Ganz unvoreingenommen hat die aus Venezuela stammende Miss Universe Dayana Mendoza dem US-Gefangenenlager Guantanamo einen Besuch abgestattet. Ihr Fazit: Ein "entspannter, ruhiger und wunderschöner Ort".

Guantanamo Bay - Königlicher Damenbesuch im Osten Kubas: Die United Service Organizations (USO), die sich um US-Truppenangehörige kümmern, hatte den Ausflug von Dayana Mendoza in die US-Einrichtung organisiert, wo die Vereinigten Staaten noch immer 240 Terrorverdächtige festhalten.

Vom 20. bis 25. März besuchte die in Caracas geborene Miss Universe den Stützpunkt der US Navy, deren Gefangenlager seit Jahren in der internationalen Kritik steht. Ehemalige Insassen und Menschenrechtsgruppen berichten immer wieder von Folter in dem GTMO oder auch Gitmo genannten Camp. Unter anderem soll es zu simuliertem Ertrinken (Waterboarding), Schlafentzug, sensorischer Deprivation und anderem physischen und psychischen Missbrauch gekommen sein.

Offenbar kein Grund für die venezolanische Beauty, sich einen Besuch zu verkneifen. Im Gegenteil. Sie brachte die 27-jährige Miss USA Crystle Stewart mit, die den Mädchen-Ausflug später im Blog der Miss-Universe-Website als "unglaubliche Erfahrung" pries.

"Das war sooooo lustig!", freute sich auch Mendoza und beschrieb, wie sie und Stewart sich mit US-Militärangehörigen trafen und das mit Stacheldrahtzaun und Minenfeldern gesicherte Camp besichtigten. Die angeschlossene Bar wurde ebenso inspiziert, wie "der unglaubliche Strand".

"Wir haben die Gefangenenlager gesehen und die Zellen, die Duschen und die Räume, in denen sich die Insassen erholen können mit Filmen, Kunsterziehung und Büchern. Das war sehr interessant", referiert Mendoza brav in dem Blog. Auch die Militärhunde habe man gesehen und eine "eindrucksvolle Demonstration ihrer Fähigkeiten erhalten". So schön sei es auf Guantanamo gewesen, dass sie "gar nicht wieder weg wollte", so die 22-Jährige.

Die Veranstalter der Miss-Universe-Wahl wiesen darauf hin, der Ausflug sei Teil der schon lange bestehenden Verbindung zur USO und deren Unterhaltungsprogramm "zur Hebung der Moral in der Truppe". "Wir werden auch weiterhin unsere Wertschätzung und Dankbarkeit zeigen für die Militärangehörigen, die unserer Nation dienen", sagte die Leiterin der Organisation Paula M. Shugart. "Die Jungs aus der Armee waren toll zu uns", pflichteten die Schönheitsköniginnen bei.

Schließung des Camps beschlossene Sache

Die britische Regierung kündigte in der vergangenen Woche an, sie werde ermitteln, ob Mitglieder der Geheimdienste an der Folter eines britischen Bürgers beteiligt waren, der im vergangenen Monat aus Guantanamo entlassen worden war.

Die spanischen Behörden könnten noch in dieser Woche entscheiden, ob sie im Zusammenhang mit weiteren Foltervorwürfen Ermittlungen gegen sechs ehemalige Angehörige der Bush-Administration einleiten.

Kurz nach seinem Amtsantritt hatte US-Präsident Barack Obama verfügt, dass das Camp spätestens in einem Jahr endgültig geschlossen werden soll. Das Pentagon hatte im vergangenen Monat Berichte zurückgewiesen, wonach es erneut zu Gefangenenmissbrauch in dem Lager gekommen sei. Die Insassen würden gemäß der Genfer Konvention behandelt, hieß es.

ala/Reuters

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