"Miss USA": Seid willkommen, Transsexuelle!

Lächeln, hübsch aussehen und nur nichts Kontroverses sagen - dieses Erfolgsrezept für Miss-Wahlen hält sich seit Jahrzehnten. Umso erstaunlicher, was die Gewinnerin in der kitschig-konservativen Welt des Miss-USA-Wettbewerbs zu sagen hatte.

"Miss USA": Die Frage nach den Transsexuellen Fotos
AFP/ Miss Universe Organization

Las Vegas - Das mit dem Bikini haben sie alle drauf. Und auch beim Abendkleid sieht man normalerweise bestenfalls Unterschiede in der Farbe und der Länge des Beinschlitzes. Nein, wer Miss USA werden will, muss sich schon anderweitig hervorheben. Da bleibt nur noch das Interview. Mit gewitzten Antworten lässt sich hier viel gewinnen - auch wenn es in der Vergangenheit meist so war, dass Kandidatinnen eher durch, vorsichtig formuliert, etwas unglückliche Äußerungen auf sich aufmerksam machten.

Um derartige Patzer zu vermeiden, sagen die Teilnehmerinnen etwas möglichst Unkontroverses. Beliebte Antwortoptionen sind Patriotismus, Bescheidenheit und der Wunsch nach einer besseren, friedlicheren Welt. Umso bemerkenswerter, zumindest für die Verhältnisse einer Miss USA-Wahl, ist daher, was Gewinnerin Olivia Culpo zur Frage zu sagen hatte, ob sie es fair fände, wenn eine Transsexuelle Miss USA werden würde - anstatt einer Kandidatin, die bereits als Frau geboren wurde.

Culpo, amtierende Miss Rhode Island, antwortete: "Ich denke, das wäre fair, aber ich kann verstehen, dass die Leute ein wenig besorgt sind, diesen Weg zu gehen." Es gebe einfach eine Tradition mit Siegerinnen, die von Geburt an Frauen seien. "Aber heute gibt es so viele Operationen und so viele Leute, die das Bedürfnis haben, sich zu verändern, um ein glücklicheres Leben zu haben." Sie akzeptiere das, sagte Culpo, weil - hier setzte wieder der Patriotismus ein - die USA ein freies Land seien.

Die Reaktion des Publikums war zunächst gemischt. Allmählich überwog dann aber der Applaus, worauf Culpo ihren Fans den Doppeldaumen nach oben zeigte.

Erstmals wurden die Fragen an die Kandidatinnen aus dem Publikum per Twitter eingereicht. Der Umgang mit Transsexuellen hatte die Organisatoren des Miss Universe-Wettbewerbs in den vergangenen Monaten beschäftigt. Der Transsexuellen Jenna Talackova war die Teilnahme an der Vorausscheidung zur Miss Universe Canada verweigert worden. Erst nach heftigen Protesten durfte sie doch mitmachen, schaffte es aber nicht in die nächste Runde.

Culpo tritt nun für die USA bei der Wahl zur Miss Universe im Dezember an. Platz zwei belegte Nana Meriwether aus Maryland, Dritte wurde Audrey Bolte aus Ohio. Culpo sagte, am liebsten würde sie ihren Titel mit den 50 anderen Kandidatinnen teilen - damit war auch das Thema Bescheidenheit abgedeckt.

ulz/Reuters

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