Promi-Initiative um John Grisham Neue Flaggen braucht das Land

Die Fahne Mississippis zeigt die Kriegsflagge der Konföderierten - ein Affront gegen Schwarze, finden Prominente. John Grisham, Morgan Freeman und ihre Mitstreiter haben eine klare Botschaft: So kann es nicht bleiben.

AP

Ein blauer, ein weißer und ein roter Querstreifen: Mississippis Flagge gäbe keinerlei Anlass für Kritik, wenn da nicht die Ecke links oben wäre. Dort prangt die Kriegsflagge der Konföderierten. Unter ihr versammelten sich im amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 die Südstaaten, die den Fortbestand der Sklaverei sichern wollten.

Viele Prominente empfinden diesen Teil der Fahne als Schandfleck. Und sie wollen sich damit nicht länger abfinden. Am Wochenende erschien in der Zeitung "The Clarion-Ledger" eine ganzseitige Anzeige mit einem offenen Brief. Unterzeichnet haben ihn zahlreiche Prominente: Bestsellerautor John Grisham, Schauspieler Morgan Freeman, Sänger Jimmy Buffet und der ehemalige Footballstar Archie Manning. Alle sind in Mississippi geboren oder haben enge Bindungen zu dem Bundesstaat.

In dem Brief heißt es, es sei einfach nicht fair oder ehrenhaft, von schwarzen Einwohnern Mississippis zu verlangen, Schulen zu besuchen, an sportlichen Wettbewerben teilzunehmen, im öffentlichen Dienst zu arbeiten, in der Nationalgarde zu dienen und ihrem normalen Leben nachzugehen - und das alles mit einer Flagge, "die einen Krieg glorifiziert, der geführt wurde, um die Vorfahren dieser Leute weiter zu versklaven".

Zu den Unterzeichnern gehört auch Kathryn Stockett, Autorin des Buches "The Help". In dem Roman geht es um afroamerikanische Haushaltshilfen, die bei Weißen in Jackson, Mississippi, arbeiten. Auch der Grammy-Gewinner Glen Ballard hat unterschrieben.

"Kein brauchbares Symbol des Staates"

Die Konföderiertenflagge geriet in den USA spätestens in Verruf, nachdem Dylann R. in einer Kirche in South Carolina neun Schwarze erschoss. Ermittler gehen von einem Verbrechen aus Hass aus. R. hatte auf Fotos mit der Fahne posiert. Dennoch war es äußerst umstritten, die Flagge vor dem Parlament einzuholen.

Zum Streit in Mississippi hat sich auch der Ururenkel von Konföderiertenpräsident Jefferson Davis geäußert. Es sei an der Zeit, die Kriegsflagge von Mississippis Fahne zu entfernen. Greg Stewart von der Jefferson-Davis-Bibliothek sagte allerdings, Rapper benutzten die Kriegsflagge auch als Symbol. Das nehme dem Argument, die Fahne sei beleidigend, den Wind aus den Segeln. Offenbar nimmt Stewart an, alle Rapper seien schwarz.

Auch in der Politik ist das Thema umstritten. Die Flagge sei ein Standortnachteil, sagte der demokratische Senator John Horhn. Unternehmen zögerten, sich in Mississippi anzusiedeln. Sporttrainer an Universitäten berichteten, es sei angesichts der Flagge schwierig, Sportler an die Unis zu lotsen.

Der republikanische Gouverneur Phil Bryant sagte hingegen, die Wähler hätten bei einer Abstimmung 2001 ihre Meinung deutlich kundgetan: 64 Prozent hätten eine Änderung der Flagge abgelehnt. Der Alternativvorschlag waren 20 weiße Sterne auf blauem Untergrund.

Bryants Argument lässt Schriftsteller Greg Iles, ebenfalls ein Unterzeichner des offenen Briefes, nicht gelten. 14 Jahre seien seit der Abstimmung vergangen. In einer solchen Zeit könne sich viel verändern. Im Jahr 2015 jedenfalls sei die Flagge "kein brauchbares Symbol des Staates oder der Nation" mehr.

ulz/AP



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