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Mit 54 Jahren: Nina Hagen lässt sich taufen

Sie gilt als Ikone der Punkbewegung: Nun geht Nina Hagen ungewohnte Wege. Mit 54 Jahren hat sich die Sängerin mit den sonst schrägen Weltansichten taufen lassen - in einer Reihe mit fünf kleinen Kindern.

Hamburg - Jahrelang zelebrierte sie den Hinduismus - offensichtlich ohne Zufriedenstellung: "Ich bin so dankbar und so glücklich!! Gestern war mein Tauftag", schreibt die schrille Künstlerin am Montag auf ihrer Internetseite. Sie sei einer von sechs Täuflingen bei der Zeremonie gewesen - allerdings die einzige Erwachsene, sagte Karl-Wilhelm ter Horst, Pastor der evangelisch-reformierten Kirche im niedersächsischen Schüttorf. "Sie gehört nun zu unserer Gemeinde." Taufzeuge war Hagens langjähriger Manager Klaus Mabel Aschenneller.

Hagen habe nach mehreren Enttäuschungen bei der Glaubenssuche, etwa ihre Hinwendung zum Hinduismus, in seiner Gemeinde endlich eine "spirituelle Heimat" gefunden, sagte der Pastor. Sie werde nun öfter nach Schüttorf kommen und wolle auch unentgeltlich gemeinsam mit dem Gospelchor auftreten.

Die für ihre ausgeflippte Kleidung bekannte Sängerin ("Du hast den Farbfilm vergessen") habe ein schlichtes, schwarzes Kostüm und eine weiße Bluse getragen, berichtete ter Horst. Weder ihre Mutter, die Schauspielerin Eva-Maria Hagen, noch ihre beiden Kinder, Cosma Shiva und Otis, hätten bei der Zeremonie dabei sein können. "Die werden später mit nach Schüttorf kommen", ist sich ter Horst sicher.

Nina Hagen habe sich für die Taufe "sehr plötzlich entschieden" und so wenig Aufsehen wie möglich gewollt. Trotzdem habe sich die Taufe der Sängerin, die mit ihrem schillernden Privatleben und öffentlichen Auftritten immer wieder Furore machte, in Schüttorf herumgesprochen. Rund 450 Menschen kamen in die Kirche.

Der Pastor ist eigenen Angaben zufolge seit mehreren Jahren mit der gebürtigen Ostberlinerin befreundet, 2006 habe sie in Schüttorf ein Benefizkonzert gegeben. Die Basisdemokratie und die starke ehrenamtliche Arbeit in der Gemeinde hätten sie beeindruckt, meinte ter Horst.

Furore-Nina: Masturbations-Tipps und Ufo-Liebe

Nina Hagen wurde als Tochter der Schauspielerin Eva-Maria Hagen im Osten Berlins geboren, ihr Stiefvater ist der Liedermacher Wolf Biermann. Sie ist die Mutter der Schauspielerin Cosma Shiva Hagen.

Oft sorgte Nina Hagen für Wirbel - meist vor laufender Kamera: So demonstrierte 1979 sie in der österreichischen Diskussionsrunde "Club 2" verschiedene Stellungen zur weiblichen Masturbation. In der Talkshow "Menschen bei Maischberger" machte sie sich mit esoterischen Ansichten und Aussagen für die Grünen stark und musste sich scharfe Kritik von Jutta Ditfurth gefallen lassen. Daraufhin wehrte sich Hagen mit dem Satz: "Ich finde es furchtbar, was diese dicke Frau mit mir macht. Jutta Ditfurth ist eine blöde, blöde Kuh."

Zwei Jahre später brachte Hagen erneut in der Sendung "Menschen bei Maischberger" zum Thema "Ufos, Engel, Außerirdische - sind wir nicht allein?" den Physiker und Wissenschaftsjournalisten Joachim Bublath dazu, das Studio zu verlassen. Er hatte Hagens Äußerungen zur Existenz von Außerirdischen bezweifelt, was diese mit Grimassen schneidenden Beleidigungen quittierte.

Auch Hagens Privatleben gleicht einer Achterbahn: Im Rahmen einer ausschweifenden "Punkhochzeit" heiratete sie 1987 auf Ibiza den damals 17-jährigen Musiker Iroquois aus der Londoner Hausbesetzer-Szene. Die Ehe hielt eine Woche.

1996 heiratete Hagen den 15 Jahre jüngeren David Lynn, von dem sie sich nach vier Jahren trennte. 2004 gab sie dem 22 Jahre jüngeren dänischen Sänger Lucas Alexander Breinholm das Jawort, das Paar trennte sich exakt ein Jahr später.

Zurzeit ist Nina Hagen mit einem 27-jährigen Physiotherapeuten aus Kanada liiert. Mit den Vätern ihrer beiden Kinder war Hagen nie verheiratet. Cosma Shivas Vater starb 1988.

jjc/dpa

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Nina Hagen: "Ich bin so dankbar und so glücklich!"


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