Zwillinge von Charlène und Albert Nachwuchs für Monacos Old-Boys-Club

Albert und Charlène haben Zwillinge bekommen, die Monegassen einen Thronfolger: Baby Jacques soll irgendwann den Ministaat regieren, seine große Schwester Gabriella hat das Nachsehen. Schuld sind die machohaften Erbfolgeregeln des Fürstentums.

Aus Monaco berichtet Annika Joeres


Der kleine Jacques ist zwei Minuten jünger als seine Schwester Gabriella, aber er wird den Thron besteigen: Fürstin Charlène von Monaco hat dem Mini-Staat einen männlichen Nachkömmling beschert. Die seit rund 700 Jahren herrschende Grimaldi-Dynastie ist eine der ältesten in Europa - und hat ihre mittelalterlichen Regeln kaum verändert. Dazu zählt auch: Geschlecht sticht Alter, Geschlecht ist Trumpf. Sobald Jacques den Thron besteigt, wird aus ihm "Jacques II". Und Alberts Schwester Prinzessin Caroline von Hannover verliert ihre Ansprüche auf die künftige Herrschaft über das nur 36.000 Einwohner starke Land.

Am späten Mittwochnachmittag kamen die Zwillinge von Fürst Albert und Charlène in einer monegassischen Klinik zur Welt. In seinem letzten Interview mit der Lokalzeitung "Monaco Matin" hatte Albert noch angegeben, selbst nicht zu wissen, ob er Söhne oder Töchter erwarte. "Das gehört zu den wenigen schönen Überraschungen im Leben, finden Sie nicht?", sagte er Mitte November. Nicht gesprochen hat Albert über seine beiden Kinder aus früheren Beziehungen. Die heute 23 Jahre alte Tochter und den elfjährige Sohn hat Albert erst nach juristischen Prozessen anerkannt. Als unehelicher Nachwuchs scheiden sie für die Thronfolge aus.

Diese Regelung ist nur ein Beispiel, aber es zeigt, wie mittelalterlich Monaco ist. Hier haben vermögende Herren das Sagen und gepflegte Damen begleiten sie dabei. Hier spazieren grauhaarige Männer mit einer Jahrzehnte jüngeren Frau an der Hand über die Hafenpromenade. Albert und Charlène selbst stehen für dieses Modell: Der Fürst, 56, ist rund 20 Jahre älter als seine schöne, große, blonde Ehefrau. In Monaco gibt es unzählige Männerklubs, in denen Golf gespielt wird oder in denen sich Unternehmer zum Business-Lunch verabreden - Frauen sind explizit ausgeschlossen. Exklusive Frauentreffen sind hingegen selten.

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Charlène und Albert von Monaco: Elternfreuden
Charlène wird an dem herrschenden Old-Boys-Club wenig ändern. Seit ihrer Hochzeit vor dreieinhalb Jahren ist sie kaum öffentlich aufgetreten, immer wieder machten Gerüchte über eine baldige Trennung die Runde. Seit 2006 ist sie mit Albert zusammen, doch lange Zeit gab es sie offiziell nicht als Frau an seiner Seite. Beim viel beachteten jährlichen Wohltätigkeitsball für das Rote Kreuz rückte sie auf den Fotos jedes Jahr eine Reihe nach vorne, bis sie 2010 zum ersten Mal direkt neben Fürst Albert zu sehen war. Immerhin erging es ihr besser als Nicole Coste, der schwarzen Mutter von Alberts unehelichem Sohn Alexandre: Die beiden sollen sechs Jahre lang ein Paar gewesen sein, ohne dass sie jemals bei offiziellen Anlässen auftreten durfte. Die Vaterschaft musste sie sich mit einem DNA-Test anerkennen lassen.

Auch Charlène musste sich anpassen: Ihre Laufbahn als Sportlerin hat sie längst beendet, für Albert ist sie zum Katholizismus übergetreten. Denn die katholische Kirche ist in Monaco nach wie vor einflussreich. Ihr Erzbischof hat Fortschritte im Land jahrelang gebremst. Und so überlebten in dem sonnigen Staat manche rückschrittlichen Regeln: Heiratete ein Monegasse eine Ausländerin, so konnte sie selbstverständlich die monegassische Staatsbürgerschaft annehmen. Umgekehrt war dies noch bis vor drei Jahren unmöglich. Auch ein Recht auf Abtreibung ist bis heute nicht etabliert: Selbst nach einem "liberalisierten Gesetz" aus dem Jahr 2009 können Frauen nur nach einer Vergewaltigung oder bei einem stark behinderten Fötus eine ungewollte Schwangerschaft beenden.

Pünktlich zur Geburt der Zwillinge konnte Charlène immerhin einen kleinen Fortschritt durchsetzen: Wurde früher die Geburt eines Sohnes mit 101 Kanonenschüssen und die einer Tochter nur mit 21 gefeiert , wurden am Mittwoch beide Kinder mit 21 Salven bedacht. In den kommenden Tagen nun will das Fürstenpaar Jacques und Gabriella vom Balkon seines Palastes aus den Untertanen vorstellen. Sie werden den künftigen Fürsten bejubeln.

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