Münchner Oktoberfest Becksteins Gattin verärgert mit Dirndl-Boykott

Worüber wurde zum Auftakt des 175. Oktoberfests am meisten geklatscht - Florian Silbereisens blonde Begleitung? Die deftigen Bierpreise? Weit gefehlt: Marga Beckstein, Gattin des bayerischen Ministerpräsidenten, trat in den Dirndl-Streik - und verärgerte damit die Fans der feschen Tracht.


München - Der Harmonieappell von Münchens Oberbürgermeister Christian Ude galt wohl nicht für Lästerzungen: Ude hatte nach seinem spektakulären Bieranstich, der das 175. Oktoberfest in München eröffnete, auf eine friedliche Wies'n angestoßen. Trotzdem sorgte der Mode-Fauxpas der Ministerpräsidentengattin Marga Beckstein für Spitzen und Sticheleien quer durchs Partyzelt.

Der Franke und bayerische Regierungschef Günther Beckstein war zwar brav im hellen Trachtenanzug erschienen. Seine Frau trug - wie angekündigt - allerdings kein Dirndl. Das hatte schon im Vorfeld der Wies'n für Aufregung und Kritik in Bayern gesorgt, da Edmund Stoiber und seine Frau immer in Tracht gekommen waren.

Marga Beckstein erschien zum Anstich in einem Kostüm im Landhausstil: Schwarzer Rock, langer geblümter Blazer mit Trachtenknöpfen.

"Ich bin absolut sicher, dass meine Frau eine würdige Kleidung hat", nahm Günther Beckstein seine Gattin in Schutz. Diese stellte klar: "Ich beteilige mich an der Diskussion über meine Kleidung nicht." Immer wieder musste sie sich Fragen zu ihrer Dirndl-Verweigerung stellen.

Unterstützung bekam die Ministerpräsidentengattin von Wies'n-Chefin Gabriele Weishäupl, die ein elegantes Dirndl trug. "Das passt schon", urteilte Weishäupl über Marga Becksteins Kleiderwahl. "Dieses Volksfest ist ein Fest der Toleranz und Liberalität. Hier einen Kleidungszwang zu verhängen, ist nicht mein Ding."

Auch Herr Beckstein wird bestichelt

Die Dirndl-Frage sollte nicht die einzige Spitze beim Anstich im Schottenhamel-Zelt bleiben: Oberbürgermeister Ude gab dem Ministerpräsidenten gleich noch eine Oktoberfest-Weisheit mit auf den Weg: "Wir trinken in Bayern a Bier und noch a Bier und noch a Bier und dann lass ma's Auto stehen!" Beckstein nahm die Anspielung auf seine umstrittene Bierzeltthese, nach der man mit zwei Maß Wies'n-Bier noch Autofahren könne, mit Humor.

DPA
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Auch als Franke werde er von der Oktoberfeststimmung mitgerissen, sagte er und pries die Wies'n als "schönstes Volksfest der Welt". Auf der Ehrentribüne prostete Beckstein seinem SPD-Herausforderer Franz Maget zu. "Die nächste Stunde ist der Wahlkampf passé", kündigte der Ministerpräsident an.

Prominenz aus der Bundespolitik hatte sich zum Auftakt einzig bei den Grünen eingefunden. Der stellvertretende Fraktionschef Jürgen Trittin verspeiste gut gelaunt neben der Parteivorsitzenden Claudia Roth sein Hendl - gelästert wurde trotzdem. "Man merkt, es ist eine Woche vor der Landtagswahl", behauptete Roth im knallroten Dirndl. Die Becksteins seien völlig unsicher. "Frau Beckstein ist ja sehr dezent getrachtet", befand Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause. Renate Künast gegenüber trug ebenfalls kein Dirndl, dafür ein T-Shirt mit der Aufschrift "Change ist good".

Auch Sängerin Wencke Myhre und Schauspielerin Jutta Speidel hatten einen Platz im Anstichzelt gefunden. Schlagershow-Moderator Florian Silbereisen erschien in Begleitung mit seiner Freundin, der Schlagersängerin Helene Fischer. Beide hatten im August bekanntgegeben, ein Paar zu sein.

Becksteins Vorgänger saß in diesem Jahr übrigens in einem anderen Zelt: Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) wurde nicht zum Anstich eingeladen.

Premiumpreise für eine Maß

Zahlreiche Besucher - die meisten Frauen im Dirndl und die meisten Männer in zünftigen Lederhosen - hatten sich schon am frühen Morgen bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen vor den 14 Festzelten angestellt, um bei Öffnung der Eingänge um 9 Uhr einen der rund 100.000 Sitzplätze zu ergattern. Schon am Vormittag wurden mehrere Zelte wegen Überfüllung geschlossen.

An der Zufahrt zur Festwiese warteten zahlreiche Schaulustige, um den Einzug der Wies'n-Wirte zu verfolgen. Das Oktoberfest dauert bis zum 5. Oktober. Erwartet werden wieder mehr als sechs Millionen Gäste aus aller Welt.

Der Liter Festbier kostet zwischen 7,80 Euro und 8,30 Euro - 40 Cent mehr als der Höchstpreis im Vorjahr. Auch in diesem Jahr wollen die Münchner Brauereien wieder Millionen Maß Bier, mehr als eine halbe Million Hendl und mehr als hundert Ochsen an die Festbesucher bringen.

amz/dpa/AP



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