Museumseröffnung in Washington Die Schöne und das Biest

Michelle und Barack Obama auf politischem Kuschelkurs: Zur Eröffnung des Nationalmuseums für afroamerikanische Geschichte überwanden sie Parteigrenzen und kümmerten sich liebevoll um Obamas Amtsvorgänger.

AFP

Zur Eröffnung des Smithsonian Nationalmuseums für afroamerikanische Geschichte und Kultur haben US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle eine alte Glocke aus einer afroamerikanischen Kirche zum Klingen gebracht. Ein symbolischer Akt, der unterstreicht, wie wichtig das erste Museum dieser Art in den USA ist.

Sklaverei, Rassentrennung und die Bürgerbewegung sind das Thema - das Museum schildere aber nicht nur die Geschichte der Schwarzen, betonte Obama. Es sei die Geschichte aller Amerikaner, ihrer Sünden und ihrer Triumphe. "Indem wir die Geschichte des anderen kennenlernen, verstehen wir uns selbst und den anderen besser."

Die Eröffnung fällt in eine Zeit großer Spannungen zwischen Weißen und Schwarzen wegen einer Serie tödlicher Schüsse der Polizei auf Afroamerikaner. In geschichtlichen Dimensionen gedacht sei seit der Abschaffung der Sklaverei erst ein "Wimpernschlag" vergangen, sagte Obama. "Daher können wir nicht erstaunt sein, dass nicht alle Wunden verheilt sind."

480 Millionen Euro hat der Bau nach Plänen des ghanaisch-britischen Architekten David Ajaye gekostet. Zahlreiche Prominente aus Politik und Showbiz hatten sich für den Staatsakt angemeldet - darunter auch Ex-Präsident George W. Bush, der 2003 die Gründung des Museums mit auf den Weg gebracht hatte.

Bei der Eröffnung ließ sich Bush nonchalant beim Selfie-Knipsen von seinem Amtsnachfolger Obama helfen, wie auf diesem Video zu sehen ist.

Auch Michelle Obama zeigte wenig Berührungsängste mit dem Amtsvorgänger ihres Mannes: Sie ließ sich Arm in Arm mit dem konservativen Republikaner Bush fotografieren, der dabei vertrauensselig seinen Kopf an ihren legt.

"Einfach wunderschön", kommentierte ein Twitter-User historisch unbedarft - und zog sich sofort ätzende Kritik zu: "Sie finden ein Bild schön, auf dem zu sehen ist, wie unsere First Lady einen Kriegsverbrecher umarmt? Erzählen Sie das doch den Hinterbliebenen der Toten aus dem Irak", konterte ein anderer Nutzer.

Bush Junior hatte nach den Anschlägen vom 11. September 2001 den Krieg gegen den Terror ausgerufen und gegen die afghanischen Taliban und den irakischen Diktator Saddam Hussein geführt. Im Irakkrieg starben mehr als 4400 US-Soldaten, mehr als 32.000 sollen verletzt worden sein.

Die Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump ließen sich bei dem Event nicht sehen. Die Demokratin und der für seine rassistischen Tiraden berüchtigte Republikaner treffen am Montag zu ihrem ersten Fernsehduell aufeinander. Es steht viel auf dem Spiel, die Kontrahenten liegen in Umfragen sehr dicht beieinander.

Trump leistete sich allerdings einen Lapsus, als er das neue Museum bei einem Wahlkampfauftritt in Roanoke in Virginia als "wirklich schönen Ort" lobte: Er sprach vom "Nationalen Museum für Amerikanische Geschichte, afrikanische amerikanische Kunst". Korrekt heißt es: Nationales Museum für Afroamerikanische Geschichte und Kultur.

Im Video: Die emotionalen Highlights der Eröffnungsfeier

ala/dpa



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