Mutter Teresa Erster Popstar der katholischen Kirche ist jetzt heilig

Große Show für den "Engel der Armen": Bei einer Massenveranstaltung in Rom hat Papst Franziskus die 1997 verstorbene Mutter Teresa heiliggesprochen. Schon zu Lebzeiten wurde sie von Millionen Menschen verehrt.


Hunderttausende Pilger, Delegationen aus aller Welt - ein großes Spektakel auf dem Petersplatz in Rom. 19 Jahre nach ihrem Tod hat Papst Franziskus die albanische Nonne Agnes Gonxha Bojaxhiu heiliggesprochen. Als Mutter Teresa hatte sie sich jahrzehntelang in indischen Slums um die Armen gekümmert - und war dafür schon zu Lebzeiten verehrt worden.

Die Ordensfrau war schon in jungen Jahren als Missionarin nach Indien geschickt worden, wo sie zunächst als Lehrerin arbeitete. Angesicht der krassen Armut in den Slums von Kalkutta gründete sie 1950 den Orden "Missionarinnen der Nächstenliebe". Zusammen mit ihren Ordensschwestern ließ sie Obdachlosenheime und Krankenhäuser bauen und begleitete Leprakranke in eigenen Hospizen bis zum Tod.

Ihr Einsatz für die Armen machte Mutter Teresa berühmt - und zu so etwas wie dem ersten Popstar der katholischen Kirche, der auch medial weltweit präsent war. Sie empfing Prinzessin Diana, traf den britischen Musiker Bob Geldorf und den US-Präsidenten Ronald Reagan. 1979 erhielt sie den Friedensnobelpreis.

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Agnes Bojaxhiu: Die Frau, die Mutter Teresa war

Eine enge Freundschaft verband sie mit einem weiteren katholischen Star: Papst Johannes Paul II. Nachdem Mutter Teresa 1997 im Alter von 87 Jahren gestorben war, dauerte es denn auch nur sechs Jahre, bis der Papst sie quasi im Schnellverfahren selig sprach. Schon damals kamen 300.000 Menschen nach Rom, um bei der Zeremonie dabei zu sein.

"Vielleicht gibt es gar keinen Gott"

Auch mit der Heiligsprechung ging es nun vergleichsweise schnell. Ende vergangenen Jahres erkannte Papst Franziskus das nötige zweite Wunder an, das Mutter Teresa vollbracht haben soll, als sie bereits tot war. Dabei handelt es sich um die medizinisch schwer erklärliche Heilung eines Brasilianers von Infektionen im Gehirn. Er und seine Frau hatten zuvor die verstorbene Mutter Teresa um Hilfe gebeten.

Auch das erste Wunder soll die Nonne nach ihrem Tod vollbracht haben: Die Inderin Monica Besra will von einem Tumor geheilt worden sein, durch Gebete an die Ordensfrau und das Auflegen eines von Mutter Teresa gesegneten Amuletts.

So sehr Mutter Teresa von ihren vielen Fans stets verehrt wurde, so hart ist die Kritik ihrer wenigen Gegner. Es sei ihr mehr um ihr eigenes Seelenheil gegangen als um wirkliche Hilfe für die Armen, warfen sie der Ordensfrau vor. So habe sie den Kranken in ihren Heimen eine zeitgemäße medizinische Versorgung verwehrt und das Leiden religiös verherrlicht. Auch Spendeneinnahmen seien von ihrem Orden intransparent verwaltet worden.

In der katholischen Kirche sorgten auch ihre langjährigen Glaubenszweifel für Aufsehen. "Dunkelheit umgibt mich auf allen Seiten. Meine Seele leidet", schrieb sie in Briefen, die zehn Jahre nach ihrem Tod veröffentlicht worden waren. "Vielleicht gibt es gar keinen Gott." Ungewöhnliche Worte für eine Heilige.

stk/dpa



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