Nach 40 Jahren Ehe Al und Tipper Gore trennen sich

Skandalumwitterte Politiker-Ehen sind in den USA wahrlich keine Seltenheit. Ex-Vizepräsident Al Gore und seine Frau Tipper, seit 40 Jahren verheiratet, wirkten dagegen wie Lichtgestalten trauter Häuslichkeit. Bis jetzt.


Hamburg - Die Trennung der Gores, die durch eine im Freundeskreis des Ehepaares zirkulierende E-Mail bekannt wurde, sei eine, wie es darin heißt, "in beiderseitigem Einvernehmen erfolgte Entscheidung, die wir gemeinsam getroffen haben".

Eine Sprecherin des ehemaligen Vizepräsidenten der USA bestätigte mittlerweile die Authentizität der Mail, wollte sich darüber hinaus jedoch nicht äußern. Die Entscheidung des Paares, getrennte Wege zu gehen, erfolgte laut E-Mail-Text nach "langer und wohlüberlegter Erwägung".

Mit der Bekanntgabe der Trennung von Al und Tipper Gore geht eine der prominentesten - und scheinbar glücklichsten - Politiker-Ehen Amerikas zu Ende, nach immerhin 40 Jahren.

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Die Gores: Ende einer Bilderbuch-Ehe
Die Trennung sei "ein weiterer trauriger Beleg" dafür, welch "schwere Bürde ein öffentliches Leben für eine Familie" sein könne, schrieb das Massenblatt "USA Today". Wobei die Gores die aufregendste Zeit ihres öffentlichen Lebens bereits seit Langem hinter sich haben.

Von 1993 bis 2001 war Al Gore Vizepräsident - immer im Schatten des genialen Politikers und Rhetorikers Bill Clinton. Nur in einer Hinsicht schien Gore ihm den Rang ablaufen zu können: Während die Ehe der Clintons ständig in schwerem Fahrwasser und der Präsident wegen zahlreicher Frauengeschichten unter Beschuss war, wegen der Lewinsky-Affäre sogar kurz vor seiner Amtsenthebung stand, war Gore vor allem eines: ein glücklicher Ehemann und Familienvater.

Das perfekte Polit-Paar

Auf dem Höhepunkt des Lewinsky-Skandals schwärmte Gore von seiner Frau, sie sei "jemand, den ich von ganzem Herzen liebe, seit der Nacht meiner Highschool-Prom".

Tipper hingegen schwärmte in der Illustrierten "People", als sie ihren Mann 1965 kennengelernt habe, sei es seine "animalische Anziehungskraft" gewesen, die sie völlig in seinen Bann zog.

Sie galt als Gores engste Vertraute und einflussreiche Beraterin. Zudem glich die lebhafte, lebensbejahende Tipper das Hölzerne, Unnahbare in der Persönlichkeit ihres Mannes aus - das perfekte Polit-Paar.

Noch während des Wahlkampfes 2000 sorgte das Ehepaar für Furore, weil es auf dem damaligen Parteitag der Demokraten einen leidenschaftlichen, langen Kuss tauschte. Die Wahl jedoch verlor der Spitzenkandidat Gore - wohl auch, tragische Ironie des Schicksals, weil die Amerikaner nach acht Jahren Clinton-Administration eben den kreuzbraven Gore für Clintons Eskapaden abstraften.

Politisch schien Gore damals erledigt, zog sich gekränkt auf den Familienbesitz in Carthage im US-Bundesstaat Tennessee zurück, nahm erheblich an Gewicht zu und ließ sich - untrügliches Anzeihen einer Sinnkrise - einen Vollbart stehen.

"Mann! O Mann!"

Dann geschah, was kaum jemand für möglich gehalten hatte: Al Gore besann sich auf seine Rolle als Ökoritter und wurde zum weltweiten Star - den Anstoß dazu soll damals übrigens Ehefrau Tipper gegeben haben. Immerhin hatte er sich bereits 1992 mit dem Buch "Wege zum Gleichgewicht: Ein Marshallplan für die Erde" als ökologisch orientierter Politiker profiliert.Gores globale Kampagne für den Umweltschutz verschaffte ihm höchste Anerkennung, gekrönt von der Verleihung des Friedensnobelpreises 2007.

Mary Elizabeth "Tipper" Gore, 61, trat während ihrer Zeit als Gattin des Vizepräsidenten vor allem durch ihr Engagement für den Jugendschutz in Erscheinung. Sie hatte ihren Beruf als Fotografin 1976 aufgegeben, als ihr Mann in die Politik ging. Tipper Gore gründete 1985 das "Parents Music Resource Center", das für Warnhinweise auf Plattencovern kämpfte, um auf jugendgefährdende Inhalte hinzuweisen. Das trug der späteren "Vice Lady" heftige Kritik von Musikern wie Frank Zappa und Dee Snider von "Twisted Sister" ein.

Die Gores haben vier erwachsene Kinder, Karenna, Kristin, Sarah und Albert III.

Im Internet herrschte ob der Trennungsnachricht des Vorzeige-Ehepaares blanker Schock: "Mann! O Mann! Al und Tipper?", so einer der unzähligen Tweets. "Was ist dann in dieser Welt überhaupt noch von Dauer?".

pad/AP



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