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Kampagne gegen "Sun"-Nacktmodels: "Das ist so letztes Jahrhundert"

Nacktfotos in der "Sun": Harmlos oder sexistisch? Fotos
Getty Images

Seit den Siebzigern ist die Seite 3 der britischen "Sun" für Nacktfotos von Frauen reserviert. Fast genauso lange protestieren Frauenrechtlerinnen gegen die Rubrik. Nun gibt es Bewegung in der Debatte - wegen eines einzigen Tweets.

London - Seit mehr als 40 Jahren bieten die Oben-ohne-Models in der britischen Boulevardzeitung "The Sun" Frauenrechtlern Anlass zum Protest. Nun könnte das "Page-three-girl", das "Seite-3-Mädchen", vielleicht bald Geschichte sein. Rupert Murdoch, Chef von News Corporation und damit Eigentümer der "Sun", deutete an, die seit Anfang der Siebziger bestehende Tradition des Blattes zu überdenken. Der Sinneswandel geht auf die Worte einer Twitternutzerin zurück: Karen Mason.

Unter dem Hashtag #nomorepage3 hatte Karen Mason alias @Kazipooh geklagt: "Jetzt mal ernsthaft, wir sind alle über die Seite 3 hinweg - das ist so letztes Jahrhundert." Der Medienmogul antwortete eine knappe Stunde später: "Sie könnten recht haben, ich weiß es nicht, werde aber darüber nachdenken." Vielleicht sei ein Kompromiss denkbar.

"Ich habe einfach genug von dem sorglosen Sexismus"

Frauenaktivisten feiern Karen Mason für ihren Coup. Sie selbst ist von der Resonanz ihres Tweets überrumpelt: "Ehrlich, niemand war überraschter als ich", sagte sie der Online-Ausgabe des britischen "Guardian". Demnach unterstützt die Mutter zweier Töchter im Teenageralter auch eine Kampagne gegen Gewalt gegen Frauen. "Ich habe einfach genug von dem sorglosen Sexismus in unserer Gesellschaft", wird sie weiter zitiert.

Seit einigen Wochen werden die Proteste gegen das Seite-3-Mädchen wieder lauter. Die Aktivistengruppe "No more page three" hatte einen offenen Brief an den Chefredakteur der "Sun", Dominic Mohan, geschickt, worin sie die Nackt-Rubrik als sexistisches Relikt aus den siebziger Jahren kritisiert. "Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der die auflagenstärkste Zeitung des Landes Frauen respektiert", heißt es in dem Schreiben. Der Brief ist von 50 Parlamentariern unterzeichnet. Zudem riefen die Aktivisten in Supermärkten, die das Blatt verkauften, zum Boykott der "Sun" auf.

Unter dem Hashtag #nomorepage3 sammelt sich weiter der Protest auf Twitter. Mehr als 66.000 Menschen haben bereits die Online-Petition der Kampagne unterzeichnet, die den Chefredakteur auffordert, die "nackten Brüste" aus dem Blatt zu nehmen.

Die Seite 3 als Sprungbrett

Der zeigte sich jedoch bislang unbeeindruckt von den immer wiederkehrenden Protesten. Bereits im vergangenen Jahr hatte Mohan sich für die Nackt-Seite ausgesprochen. Hier werde "die natürliche Schönheit zelebriert", sagte er. Es handele sich um eine "harmlose britische Institution", zitierte ihn der "Guardian".

Auch Murdoch versuchte, den Enthusiasmus der Seite-3-Gegner zu dämpfen - und relativierte seine Reaktion. Dass die Zeitungen über seinen Seite-3-Tweet berichteten, sei eine "typisch übertriebene Reaktion" der Medien. Er ziehe es lediglich in Betracht, die Seite 3 zu überdenken - so, wie sie es mit jeder Seite täglich tun würden.

Seit 1970 zeigt die "Sun" auf der dritten Seite leicht bis gar nicht bekleidete Frauen. Während die Models anfangs nur mit nacktem Oberkörper abgebildet wurden, sind nun häufig sehr pikante Fotos in der Zeitung zu sehen. Seit Erscheinen protestieren Frauenaktivisten gegen die Rubrik. Am populärsten sind die Bemühungen der Labour-Politikerin Clare Short. Sie hatte sich in den Achtzigern vehement gegen die Seite 3 eingesetzt und war daraufhin von der "Sun" als "fett" und "eifersüchtig" öffentlich angegriffen worden.

Für einige Seite-3-Mädchen war das Fotoshooting ein Karrieresprungbrett. Samantha Fox etwa hatte später als Sängerin Erfolg, Katie Price ist zu einer nationalen TV-Berühmtheit avanciert.

gam/AP

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