Nadja Auermann vor Gericht: "Ich bin unschuldig"

Tränen vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten: Nadja Auermann ist wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Sie soll exakt 272.498 Euro am Fiskus vorbeigeschleust haben: Hat das ehemalige Model nur zum Schein in Monaco gelebt, um in Berlin Steuern zu sparen?

Nadja Auermann: "Ich habe keine Steuern hinterzogen" Fotos
DPA

Berlin - "Wenn sie kein Promi gewesen wäre, hätte man das Verfahren schon längst eingestellt", glaubt Rechtsanwalt Robert Unger. Doch Nadja Auermann ist nun mal prominent, und so steht der Prozess um Steuerhinterziehung, der am Donnerstag vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten begonnen hat, im besonderen Fokus: Mit selbstsicherem Schritt kämpfte sie sich also durch das Blitzlichtgewitter der Fotografen in den Verhandlungssaal 3115.

"Ich bin unschuldig", sagte die 40-Jährige, der vorgeworfen wird, genau 272.498 Euro dem Fiskus vorenthalten zu haben. Die Anklage geht davon aus, dass Auermann von 1999 bis 2002 ihren Wohnsitz in Deutschland hatte. Sie habe nicht in Monaco, sondern in ihrem Haus in Berlin-Köpenick gelebt und hätte deshalb Steuern zahlen müssen.

"Für mich war das Haus in erster Linie eine Investition", sagte Auermann. "Ich habe keine Steuern hinterzogen." Beim Kauf im März 1998 sei sie dem Rat ihrer Anlageberater gefolgt, nie habe sie dort wohnen wollen. Als Auermann nach der steilen internationalen Karriere Anfang 1997 ihr erstes Kind bekam, habe sie vielmehr an ihre finanzielle Zukunft gedacht. "Ich war davon ausgegangen, dass ich beruflich kürzertreten muss und vielleicht nicht mehr gebucht werde", erklärte sie vor Gericht.

Nachbarn sahen das Model "ab und zu"

Das 1910 erbaute Haus direkt am Wasser erwies sich jedoch als "Millionengrab", da es grundlegend saniert werden musste. Immer wieder sei sie nach Deutschland geflogen, um die Umbauarbeiten zu beaufsichtigen. Doch wohnte sie auch dort? Richter Jürgen Kohls fragte Bewohner aus Nachbarhäusern. "Ab und zu" hätten sie das Model dort gesehen, sagten die Zeugen. Doch genaue Angaben konnte am ersten Prozesstag niemand machen.

In dem Haus funktionierte die Heizung oft nicht, der Keller war 2003 noch im Rohbau. Ein Elektroinstallateur sagte zudem, das Haus habe einem Möbellager geglichen. Die heute dreifache Mutter Auermann sagte, schon allein wegen ihrer Kinder habe sie dort nicht wohnen können. "Mit zwei kleinen Kindern und überall Bauschutt, überall Baustaub?", fragte sie.

"Jeder, der schon mal gebaut hat, weiß: Man muss vor Ort sein", sagte Auermann. Sie aber sei eben meistens in Monaco gewesen, was die Bauarbeiten in die Länge gezogen habe. "Das war ein Lehrstück für mich. Ich bin Model und kann Immobilien nicht."

Auf einmal schlug Auermann die Hände vors Gesicht und brach in Tränen aus, als sie auf ihre Mutter zu sprechen kam. Ihr Anwalt musste fortfahren: 2002 sei Auermann nach Deutschland zurückgekehrt, um sich um ihre kranke Mutter zu kümmern, die kurz darauf starb. Außerdem sollte ihre Tochter richtig Deutsch lernen und nicht den Mischmasch, der sich im Kindergarten in Monaco aus den Sprachen der 16 Nationen dort ergab.

"Bist du bekloppt, warum willst du nach Deutschland?"

Doch der Staatsanwalt ließ nicht locker. Auermann bestätigte, dass sie mit anderen Prominenten über Steuern gesprochen habe. Die meisten hätten ihr gesagt: "Bist du bekloppt, warum willst du denn zurück nach Deutschland?"

Das Verfahren ins Rollen brachte 2004 der Vermerk eines Finanzbeamten, der inzwischen als korrupt verurteilt wurde. Später veranlasste ein anderer Finanzbeamter, dass ein Bewegungsprofil von Auermann erstellt wurde. Für ihn sei das Verfahren "relativ unverständlich", sagte Auermanns Anwalt Unger.

Mitangeklagt ist Auermanns Ex-Ehemann Wolfram Grandezka. Der Schauspieler wurde unter anderem durch die Seifenoper "Verbotene Liebe" bekannt. Beide erschienen persönlich zum Prozessauftakt. Für das Verfahren sind zunächst noch zwei weitere Termine vorgesehen.

Auermann gehörte neben Claudia Schiffer zu den wenigen deutschen Topmodels. Die gebürtige Berlinerin arbeitete mit vielen großen Modemachern. Karl Lagerfeld nannte sie die "neue Marlene Dietrich", Starfotografen wie Peter Lindbergh und Helmut Newton waren von ihr begeistert und lichteten sie für Modemagazine ab.

Nach ihrer Modelkarriere engagierte sich die dreifache Mutter auch als Botschafterin für Hilfsprojekte, trat in Werbespots auf und versuchte sich als Schauspielerin.

jjc/dpa

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