Natalie Portman über einen Fehler "Wir leben heute in einer anderen Welt"

Natalie Portman ist eine wichtige Stimme der #MeToo-Bewegung, 2009 setzte sie sich noch für den mutmaßlichen Vergewaltiger Roman Polanski ein. Nun wurde die Schauspielerin damit konfrontiert.

AP

Seit den Vorwürfen gegen Harvey Weinstein hat sich Hollywood gewandelt. So sehr, dass manche Entscheidungen von einst im Rückblick geradezu absurd wirken. Nun wurde Natalie Portman in einem "Buzzfeed"-Interview mit einer solchen Entscheidung konfrontiert - und reagierte souverän.

In dem Gespräch wurde Portman an eine Unterschrift erinnert, mit der sie 2009 eine Petition unterstützt hatte. Darin forderte der französische Autoren- und Komponistenverband SACD "die sofortige Freilassung Roman Polanskis". Mehr als 100 Filmschaffende unterzeichneten damals.

Kurz zuvor war der Regisseur in der Schweiz aufgrund eines internationalen Haftbefehls von 2005 festgenommen worden. 1977 soll Polanski in den USA die 13-jährige Samantha Geimer mit Drogen und Champagner gefügig gemacht und vergewaltigt haben. Um einem Prozess zu entgehen, floh er aus den USA und lebt seitdem im Exil. Nach acht Monaten lehnten die Schweizer Behörden den Auslieferungsantrag ab, Polanski wurde freigelassen. Derzeit lebt er in Frankreich.

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Natalie Portman: Wichtige Stimme der #MeToo-Bewegung

Natalie Portman ist eine starke Stimme in der Time's-Up-Bewegung, die in der Folge der Weinstein-Enthüllungen von Hollywoodstars ins Leben gerufen wurde und sexualisierte Gewalt gegen Frauen anprangert.

"Meine Augen waren nicht offen"

Zuletzt hielt Portman beim Woman's March in Los Angeles eine emotionale Rede darüber, wie sie mit 13 ihre erste Fanpost öffnete - und die Vergewaltigungsfantasie eines Mannes lesen musste. Die Schauspielerin sprach von "sexuellem Terrorismus" und beschrieb, wie sehr dieses Erlebnis damals ihren Blick auf die Welt geprägt habe. Kurz davor hatte sie bei den Golden Globes die Anwärter für den Preis für die beste Regie mit den Worten "und hier sind die Nominierten - ausschließlich Männer" angekündigt.

Auf die Frage, warum sie die Pro-Polanski-Petition unterzeichnet hatte, antwortete Portman: "Jemand, den ich respektiert habe, gab mir die Petition, sagte 'Ich hab sie unterzeichnet. Machst du es auch?' Und ich sagte: 'Klar'."

"Ich bereue das sehr", erklärte die Schauspielerin. "Ich übernehme die Verantwortung dafür, dass ich damals nicht genug darüber nachgedacht habe."

"Wir leben heute in einer anderen Welt", sagte sie außerdem, "und das entschuldigt gar nichts. Aber wir können unsere Augen öffnen und die Art, wie wir leben wollen, vollkommen ändern. Meine Augen waren nicht offen."

Zu den Unterzeichnern der Polanski-Petition gehörten außerdem Martin Scorsese, David Lynch, Wong Kar Wai, Harmony Korine, Stephen Frears, Alexander Payne, Michael Mann, Wim Wenders, Tilda Swinton, Woody Allen, Julian Schnabel, Alejandro Gonzalez Inarritu, Terry Gilliam, Pedro Almodovar und Tom Tykwer.

bma



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Donald Knapp 21.02.2018
1. So sieht also eine soveräne Reaktion.....
....aus. Ein plumpe Lüge. Ein Freund hat mir was zum unterschreiben gegeben.... unfassbar. Natürlich hat sie nicht gelesen was sie da unterschrieb.
milkoutofpowder 21.02.2018
2. danke
danke für die Liste der Unterzeichner. souveräne Reaktion? Nett formuliert! Man könnte es auch berechnend nennen mit Focus auf die Kariere. Ich finde Sie ist eine große Schauspielerin. Blöd nur wenn deine Freund nachweislich eine schwanzgesteuerte Drecksau ist. Richten müssen andere. Die Branche funktioniert nicht ohne Sex.
carn 21.02.2018
3. Nun ist es doppelt peinlich:
"Auf die Frage, warum sie die Pro-Polanski-Petition unterzeichnet hatte, antwortete Portman: "Jemand, den ich respektiert habe, gab mir die Petition, sagte 'Ich hab sie unterzeichnet. Machst du es auch?' Und ich sagte: 'Klar'." "Ich bereue das sehr", erklärte die Schauspielerin. "Ich übernehme die Verantwortung dafür, dass ich damals nicht genug darüber nachgedacht habe." "Wir leben heute in einer anderen Welt", sagte sie außerdem, "und das entschuldigt gar nichts. Aber wir können unsere Augen öffnen und die Art, wie wir leben wollen, vollkommen ändern. Meine Augen waren nicht offen."" Das ist schon peinlich. Man fordert die Freilassung einer im Rahmen eines rechtsstaatlichen Verfahrens mit gültigem Haftbefehl und nicht ganz völlig banalen Anschuldigen und denkt nicht nach, ob vielleicht die Person zu Recht inhaftiert ist? Und lässt sich einfach von jemanden sagen, man solle da unterschreiben? Und andere sollen in Zukunft einen Ernst nehmen, wenn man zu schwierigen Problemen was sagt? Und zwar weil man jetzt die Augen offen habe? Blödsinn, das Hirn hätte sie damals nutzen sollen; an ihren Augen lag es bestimmt nicht, dass sie sich einfach von irgendwem sagen ließ, sie soll unterschreiben. Und in was für einer anderen Welt leben wir jetzt als 2009? Damals war Vergewaltigung von 13 jährigen strafbar, heute ist das strafbar und in den 70gern war es das ebenfalls. Aber der Spiegel macht es doppelt peinlich: "Nun wurde Natalie Portman in einem "Buzzfeed"-Interview mit einer solchen Entscheidung konfrontiert - und reagierte souverän." Souverän? Souverän wäre es gewesen klar zu sagen, dass sie mehr hätte denken sollen, statt planlos auf die gerade aktuell hippe Kampagne aufzuspringen. Stattdessen macht sie gerade vielleicht genau das gleiche, nur das eben nicht freepolanski hipp ist sondern metoo.
SteveCrj 21.02.2018
4. Wandlungsfähigkeit ist Trumpf!
In der Branche geht es nicht anders. Früher kam man nur über die Besetzungscouch bzw. durch das Decken fragwürdiger Machenschaften einiger Regisseure und Produzenten weiter und heute bringt es einen Bonus, wenn man bei #metoo an der Spitze kämpft. Wie wandlungsfähig Frau Portman ist, hat sie ja auch schon in den Reaktionen auf ihre "Lolitarolle" in Leon-Der Profi hinreichend bewiesen bzw. bejammert. Ernst nehmen braucht man dies nicht...
ttvtt 21.02.2018
5. Causa Polanski
Besonders der Umgang mit Polanski zeigt doch wie verlogen das Ganze ist. Eine 13 jährige zu vergewaltigen ist doch etwas anderes als im Bademantel eine Erwachsene zu bedrängen. Aber Polanski wird bis heute hofiert auch von Frauen und eben auch seit dem die Vergewaltigung einer 13 jährigen bekannt ist. #metoo ist gerade nur modern aber Frauen ist es eben auch egal, was mit anderen Frauen passiert, wenn es ihrer Karriere nützt.
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