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Nein zu Kampagne: Wir sind Helden watschen "Bild" ab

Eine PR-Agentur hat versucht, die Band Wir sind Helden für die Werbekampagne der "Bild"-Zeitung zu gewinnen - ohne Erfolg. Die Antwort von Frontfrau Judith Holofernes fiel eindeutig aus, mit deftigen Worten wies sie Werber und Boulevardblatt ab.

"Bild"-Kampagne: Von Helden, Schnecken und Titanen Fotos
DPA

Hamburg - "Ich glaub, es hackt": Mit diesen Worten beginnt ein offener Brief von Judith Holofernes. Die Wir-sind-Helden-Frontfrau will nicht, dass ihre Band für die "Bild"-Zeitung Werbung macht - und hat das auch unmissverständlich klargemacht. Mit deftigen Worten antwortete sie auf der Website der Band auf eine entsprechende Anfrage. Die Seite war am Freitag zeitweise überlastet, brach zusammen. Das Statement wurde via Twitter zigfach weitergeleitet, gehörte zu den Top-Themen des Internetdienstes. Es gab Lob für die Aktion in den sozialen Netzwerken, aber auch Kritik.

Was war passiert?

Die Werbeagentur Jung von Matt (JvM) betreut die Kampagne "Ihre Meinung zu Bild…?". Das Konzept: Nicht nur Befürworter der Zeitung kommen zu Wort, sondern auch vermeintlich kritische Stimmen. In den vergangenen Jahren gehörten Prominente wie Veronica Ferres, Thomas Gottschalk, Philipp Lahm, Richard von Weizsäcker und Mario Barth zu den Testimonials. Nun wollte die Agentur auch Wir sind Helden für die Kampagne gewinnen - und fragte schriftlich bei der Band an.

In dem Schreiben heißt es unter anderem, die Kampagne biete "hochkarätigen Prominenten" eine Bühne, ihre "offene, ehrliche und ungeschönte Meinung zur 'Bild' mitzuteilen". Dafür spende das Blatt im "Namen jedes Prominenten 10.000 Euro" für einen guten Zweck.

"Geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten gespielt"

Wie von den Werbern gewünscht, ist Holofernes' Meinung durchaus ungeschönt: "Die laufende Plakat-Aktion der 'Bild'-Zeitung mit sogenannten Testimonials, also irgendwelchem kommentierenden Geseiere (Auch kritischem! Hört, hört!) von sogenannten Prominenten (auch Kritischen! Oho!) ist das Perfideste, was mir seit langer Zeit untergekommen ist."

Es folgt ein vergiftetes Lob. "Selten hat eine Werbekampagne so geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten gespielt." Zum Ende beschreibt Holofernes ihre Sicht auf das Boulevardblatt. Die Zeitung sei weder "augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-Kulturgut" noch eine "witzige soziale Referenz". Vielmehr sei sie "ein gefährliches politisches Instrument - nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht".

Henner Blömer, Geschäftsführer der Werbeagentur, gab sich als sportlicher Verlierer: Man habe Wir sind Helden um ihre Meinung zu "Bild" gefragt und Judith Holofernes habe im Namen der Band ihre Meinung veröffentlicht. "Dass wir niemanden in seiner freien Meinungsäußerung einschränken wollen, haben wir in unserer Anfrage deutlich gemacht", sagte der Werber.

Die Musiker sind für ihre werbekritische Haltung bekannt. Wir sind Helden galten zu Beginn ihrer Karriere wegen subtil-konsumkritischer Texte auch als Protestband. Holofernes verfasste vor einigen Jahren bereits einmal einen Gastbeitrag für Bildblog, das die Berichterstattung des Blattes kritisch verfolgt.

wit

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insgesamt 461 Beiträge
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1. Wissen um hintergründe
cosmo72 25.02.2011
Ich bin mir sicher eine Mutter von zwei kleinen Kindern und informierte Person wie Frau Holofernes, bzw die Band, macht so einen Schritt nicht zuletzt wegen der Unterstützung der Bild für einen zu Googleberg (http://www.zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/230-das-guttenberg-dossier-teil-1.html) bzw dessen Hintergründe! http://www.zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/230-das-guttenberg-dossier-teil-1.html
2.
kuriosos 25.02.2011
ich lache immer noch. ihr tonfall lässt tief blicken. deutungsmöglichkeiten: nachtragend, die studienkumpane an die sie sich erinnert haben sie vermutlich links liegen gelassen. geleidigt, die tatsache das sie mit b-promis wie sky dumont oder der ferres in einem atemzug genannt wird und dann noch nicht mal kohle dafür bekommen wird sorgt für gieriges beleidigt sein. naja aber schön finde ich das sie als teil der fucking industry sich aufs hohe ross setzt und ihresgleichen abwatscht. 10 punkte von 10 für dreistigkeit =)
3. Toll!!
Schmerlinde 25.02.2011
Bravo, Judith!! Finde ich tichtig gut, genau DAS habe ich mir bei dieser Werbekampagne schon lange gedacht... K
4. Richtig so.
absentcrisisx 25.02.2011
Wir sind Helden sind soeben auf meiner Beliebtheitsskala weiter nach oben geklettert! Den Lahm und die ganzen anderen Klotzköppe die Werbung für dieses Schandblatt machen kann man doch nicht mehr ernst nehmen!!!
5. Großartig!
recipient02 25.02.2011
Es gibt also doch noch ein paar Leute, die sich von diesem „Blatt“ nicht um der eigenen Prominenz willen zum Affen machen lassen. Danke!
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Der Briefwechsel zwischen Band und Werbeagentur
Die Anfrage im Wortlaut
Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind als Werbeagentur mit der aktuellen BILD-Kampagne betraut, in der wir hochkarätigen Prominenten eine Bühne bieten, ihre offene, ehrliche und ungeschönte Meinung zur BILD mitzuteilen.

Derzeit planen wir die nächste Produktionsphase für Frühjahr 2011. Die neu zu produzierenden TV- und Kinospots sowie Plakat- und Anzeigenmotive sollen die bestehenden Motive von Veronica Ferres, Thomas Gottschalk, Philipp Lahm, Richard von Weizsäcker, Mario Barth u.v.m. ergänzen.

Für diese Fortführung der Kampagne möchten wir sehr gern "Wir sind Helden" gewinnen.

Das schöne an der Kampagne ist, dass sie einem guten Zweck zu Gute kommt. BILD spendet in Namen jedes Prominenten 10.000,- Euro an einen von Ihnen zu bestimmenden Zweck.

Lassen Sie uns gern telefonieren und die Details besprechen. Zur Detailinformation senden wir Ihnen bereits heute anbei einige weiterführende Informationen.

Ich freue mich dazu von Ihnen zu hören. Herzliche Grüße aus Hamburg, Jung von Matt/Alster Werbeagentur GmbH
Die Antwort im Wortlaut
Liebe Werbeagentur Jung von Matt,

bzgl. Eurer Anfrage, ob wir bei der aktuellen Bild-Kampagne mitmachen wollen:

Ich glaub, es hackt.

Die laufende Plakat-Aktion der Bild-Zeitung mit sogenannten Testimonials, also irgendwelchem kommentierendem Geseiere (Auch kritischem! Hört, hört!) von sogenannten Prominenten (auch Kritischen! Oho!) ist das Perfideste, was mir seit langer Zeit untergekommen ist. Will heißen: nach Euren Maßstäben sicher eine gelungene Aktion.

Selten hat eine Werbekampagne so geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten gespielt. Da sind auf der einen Seite die Promis, die sich denken: Hmm, die Bildzeitung, mal ehrlich, das lesen schon wahnsinnig viele Leute, das wär schon schick... Aber irgendwie geht das eigentlich nicht, ne, weil ist ja irgendwie unter meinem Niveau/ evil/ zu sichtbar berechnend... Und dann kommt ihr, liebe Agentur, und baut diesen armen gespaltenen Prominenten eine Brücke, eine wackelige, glitschige, aber hey, was soll's, auf der anderen Seite liegt, sagen wir mal, eine Tüte Gummibärchen. Ihr sagt jenen Promis: wisst ihr was, ihr kriegt einfach kein Geld! Wir spenden einfach ein bisschen Kohle in eurem Namen, dann passt das schon, weil, wer spendet, der kann kein Ego haben, verstehste? Und außerdem, pass auf, jetzt kommt's: ihr könnt sagen, WAS IHR WOLLT!

Und dann denken sich diese Promis, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, irgendeine pseudo-distanziertes Gewäsch aus, irgendwas "total Spitzfindiges", oder Clever-Unverbindliches, oder Überhebliches, oder... Und glauben, so kämen sie aus der Nummer raus, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Und haben trotzdem unheimlich viele saudumme Menschen erreicht! Hurra.

Auf der anderen Seite, das erklärt sich von selbst, der Rezipient, der saudumme, der sich denkt: Mensch, diese Bild-Zeitung, die traut sich was.

Und, die dritte Seite: Ihr, liebe jungdynamische Menschen, die ihr, zumindest in einem sehr spezialisierten Teil eures Gehirns, genau wisst, was ihr tut. Außer vielleicht, wenn ihr auf die Idee kommt, “Wir sind Helden” für die Kampagne anzufragen, weil, mal ehrlich, das wäre doch total lustig, wenn ausgerechnet die...

Das Problem dabei: ich hab wahrscheinlich mit der Hälfte von euch studiert, und ich weiß, dass ihr im ersten Semester lernt, dass das Medium die Botschaft ist. Oder, noch mal anders gesagt, dass es kein "Gutes im Schlechten" gibt. Das heißt: ich weiß, dass ihr wisst, und ich weiß, dass ihr drauf scheißt.

Die BILD-Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-Kulturgut und kein harmloses "Guilty Pleasure" für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle-Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild-Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument – nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.

In der Gefahr, dass ich mich wiederhole: ich glaub es hackt.

Mit höflichen Grüßen, Judith Holofernes

Quelle: Website "Wir sind Helden"


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