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Mandelas Kerkermeister: "Er hat erreicht, was er im Leben wollte"

Millionen Menschen gedenken heute Südafrikas Nationalhelden Nelson Mandela. Einer ist vom Tod des Freiheitskämpfers besonders berührt: sein ehemaliger Gefängniswärter.

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Ehemaliger Gefängniswärter Christo Brand: "Dieser Mann war mein Freund"

Er war stets an Nelson Mandelas Seite, über all die Jahre, in denen der Freiheitsheld auf der Gefängnisinsel Robben Island eingesperrt war. Als er vom Tod Nelson Mandelas erfuhr, war er so traurig wie Millionen anderer Menschen auch. Doch dieser Südafrikaner war kein Zellengenosse Mandelas - Christo Brand war sein Gefängniswärter.

Nelson Mandelas Fähigkeit zur Versöhnung war so groß, dass es sogar möglich war, dass ein schwarzer politischer Häftling und sein weißer burischer Gefängniswärter Freunde werden konnten. Zuletzt haben sich Mandela und Brand vor zwei Jahren getroffen, als Brand seine Familie zu einem dreistündigen Besuch bei Mandela in Kapstadt mitbrachte. "Wir haben uns nett über die alten Zeiten unterhalten", erinnert sich Brand.

"Dieser Mann war mein Wärter. Dieser Mann war mein Freund"

"Als ich erfahren habe, dass er gestorben ist, war ich sehr traurig", erzählte Brand der Nachrichtenagentur AP. "Aber ich glaube, er hat erreicht, was er im Leben wollte - und hat immer getan, was er tun wollte. Ich habe mir gewünscht, dass er in Frieden abtreten kann. Jetzt denke ich an seine Familie und das, was sie gerade durchmacht."

Südafrikas Regierung hat diesen Sonntag zum Tag des Gebets für Mandela erklärt - und Millionen Menschen sind dem Aufruf gefolgt.

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Trauer in Südafrika: Gebete für Mandela
Brand hatte 1978 als 18-Jähriger als Wärter auf der Gefängnisinsel Robben Island angefangen. Mandela, der damals 60 Jahre alt war, verbrachte 18 seiner insgesamt 27 Gefängnisjahre auf Robben Island.

Mit der Zeit freundete sich Brand mit Mandela an und schmuggelte ihm auch mal Kleinigkeiten in die Zelle: mal ein Brot, mal Mandelas bevorzugte Haarpomade. Einmal schmuggelte er sogar Mandelas kleine Enkeltochter hinein, damit der Großvater sie in die Arme nehmen konnte.

Jahre später, Mandela war schon Präsident von Südafrika, kam es zu einem besonderen Wiedersehen: Brand war als kleiner Beamter im Raum, als über Südafrikas neue Verfassung verhandelt wurde. Mandela war mit einem Hubschrauber eingeflogen worden und schüttelte die Hände der anwesenden Parlamentarier, als er seinen alten Gefängniswärter erkannte, der gerade Papiere verteilte. Mandela riss seine Arme hoch und begrüßte ihn freundlich.

"Er hat sofort zu allen im Raum gesprochen: 'Wisst ihr, wer das ist? Dieser Mann war mein Wärter. Dieser Mann war mein Freund.'" Brand berichtet, er habe sich in diesem Moment sehr geehrt und stolz gefühlt. Als sich die Abgeordneten mit Mandela für ein Gruppenfoto aufstellten, bestand der Präsident darauf, dass Brand auch dabei sein solle: "Er sagte: 'Nein, nein, du musst direkt neben mir stehen. Wir gehören zusammen.'"

Heute arbeitet Christo Brand wieder auf Robben Island - das allerdings kein Gefängnis mehr ist, sondern eine Touristenattraktion. Er und andere frühere Gefängniswärter berichten den Gästen dort aus erster Hand über die Versöhnung der Rassen in Südafrika.


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Nelson Mandela: Afrikas größter Sohn

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1918-2013

  • Foto Greg Bartley/ Camera Press/ Picture Press
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Weltweite Trauer: Tränen und Lufballons für Mandela

Fläche: 1.220.813 km²

Bevölkerung: 54,002 Mio.

Hauptstadt: Pretoria

Staats- und Regierungschef: Jacob Zuma

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