Kennedy-Preise ohne Trump "Wir haben jemanden im Weißen Haus, der sich nicht um Kunst schert"

Für US-Präsidenten ist die Verleihung der Kennedy-Preise eigentlich ein Pflichttermin. Aber Donald Trump blieb der Gala fern - und tat damit mindestens einem Preisträger einen besonderen Gefallen.

REUTERS

US-Fernsehproduzent und Polit-Aktivist Norma Lear hatte schon Monate vor der Verleihung der Kennedy-Preise an renommierte Künstler gedroht: Er werde aus Protest jeden Teil der Zeremonie boykottieren, an dem US-Präsident Donald Trump beteiligt sei. Lear fand umgehend Unterstützer, so dass der Gala ein politischer Eklat drohte - aber dann ging es bei dem Abend doch (fast) nur um Kunst.

Trump und seine Frau Melania hatten Wort gehalten und waren nicht zu der Preisverleihung am Wochenende in Washington erschienen, so wie sie es Ende August bereits angekündigt hatten. Ihre Plätze blieben leer. Lear zeigte darüber schon bei seiner Ankunft unverhohlen Freude: "Ich erwarte einen warmherzigen, lustigen wunderbaren Abend. Ich nehme an, dass nun wirklich die Kunst im Fokus stehen wird."

Trotzdem konnten sich Lear und einige weitere Prominente eine Bemerkung zum Fernbleiben der Trumps nicht verkneifen: "Wir haben jetzt jemandem im Weißen Haus, der sich nicht um Kunst und Geisteswissenschaften schert", sagte Lear. "Ich denke, es war schlau von ihm, nicht zu kommen und auch nicht in der Stadt zu sein - das macht er am Wochenende sowieso so", wird Lear im Guardian zitiert.

Der jüngste Preisträger ist 49

Lear erhielt einen der Kennedy-Preise, die alljährlich Anfang Dezember vom John F. Kennedy Center for the Performing Arts an Künstler aus verschiedensten Bereichen wie Film, Musik, Gesang, Tanz oder Theater vergeben werden. Das Institut will damit "Menschen für ihr Lebenswerk auszeichnen, die mit ihrem Talent und ihrer Genialität die amerikanische Kultur geformt und bereichert haben", wie es auf der Website heißt.

Die Preisträger - neben Lear - in diesem Jahr: die US-Tänzerin und Choreografin Carmen de Lavallade, die kubanische Sängerin, Songschreiberin und Schauspielerin Gloria Estefan, der Musiker und Produzent Lionel Richie und der HipHop-Künstler LLCool J - er ist mit 49 Jahren der jüngste Künstler, der einen Kennedy-Preis erhalten hat.

Die meisten US-Präsidenten haben es sich bisher nicht nehmen lassen, an der Verleihung der Preise teilzunehmen. Der Präsident sitzt dann üblicherweise in demselben Bereich wie die Preisträger und andere Gäste. Frühere Präsidenten wie Jimmy Carter und Bill Clinton waren nicht immer selbst erschienen, wohl aber zumindest ihre Frauen - die First Ladies.

Die Trumps dagegen hatten mit der Begründung abgesagt, sie wollten "keine politische Ablenkung" verursachen. Aber auch ihre Abwesenheit wurde als politische Botschaft verstanden - und war rund um die Gala immer wieder Thema.

Das Kennedy Center hatte sich zwar "dankbar" gezeigt, dass Trump mit seinem Nicht-Erscheinen Ärger vermied. Dennoch sagte Deborah Rutter, Präsidentin des Kennedy Centers, laut dem Guardian: "Dies ist Jahr für Jahr der Moment, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten kommt, um den Künstlern seinen Respekt zu zeigen. Die Künste spiegeln das wider, was in Amerika passiert. Wir vermissen den Präsidenten, wir bedauern, dass er nicht hier ist - aber wir haben es absolut verstanden."

fok/AP

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.