Obamania Muckis sind das neue Dekolleté

Finanzkrise, Rezession? Ist das wichtig? Die neuen Protagonisten im Weißen Haus stehen wegen ganz anderer Phänomene in der Diskussion. Michelle Obama löste einen neuen Kult um die weibliche Oberarmmuskulatur aus - und Barack Obama verkommt zur grauen Maus.


New York - "Na, das hat ja nicht lange gedauert", schreibt die "New York Times" in ihrer Ausgabe vom heutigen Donnerstag. "Gerade mal 44 Tage macht er den Job jetzt - und schon wird Präsident Obama grau."

Als Beweis für den dramatischen Alterungsprozess auf dem Haupt des wichtigsten Politikers der Welt bemüht das Blatt einen Fotovergleich: Ein Bild aus dem Jahr 2007 zeigt Obama mit zwar kurz geschorenen, aber dunklen Haaren, ein anderes vom vergangenen Dienstag betont die grauen Schläfen des 47-Jährigen.

Es folgen ein paar Zitate von Obamas Friseur Zariff, der sich boshaften Bloggern gegenüber gezwungen sieht, ausdrücklich zu betonen, nein, Obama färbe sein Haar nicht. Und, nein, er spreche den Präsidenten nicht auf den seine Stirn umschmeichelnden Silberstreif an, selbst im Scherz nicht.

Dass Obama bereits während des Wahlkampfs - und davor - graue Haare aufwies, dass vor allem die Lichtverhältnisse dafür verantwortlich sind, wie viel sich davon auf Fotos zeigt, wird nicht erwähnt.

Die Geschichte über Obamas ergraute Locken ist ein erneuter Beleg dafür, wie besessen Amerika - oder seine Presse - vom Erscheinungsbild seines neuen "First Couple" ist.

Barack Obamas "casual look" der aufgekrempelten Hemdsärmel im Oval Office ist ebenso Diskussionsstoff wie Michelle Obamas Vorliebe für ärmellose Kleider und ihre dadurch sichtbaren, deutlich definierten Oberarme: "Sind Muckis das neue Dekolleté?", fragte der "Boston Herald" spöttisch. Und der TV-Sender CNN widmet sich auf seiner Website dem Thema "Wie man Oberarme à la Michelle Obama bekommt".

Darin frohlockt ein Fitnesstrainer: "Michelle Obama hat als Frau von 44 Jahren, als First Lady und Mutter der Welt gezeigt, dass man nie zu beschäftigt sein kann, sich seinem Körper zu widmen".

In einer Titelstory des Magazins "People" gibt die First Lady Auskunft, dass sie um 5.30 Uhr aufsteht, um unter Anleitung eines persönlichen Coach anderthalb Stunden Fitnesstraining zu absolvieren. Wobei sie durchaus auch mal ohne die morgendliche Ertüchtigung auskommen könne - ihr Mann dagegen nicht.

Manch einem geht dieser Kult um die Deltamuskeln schlicht auf den Keks. So schrieb die Kolumnistin des "Boston Herald", Lauren Beckham, vor wenigen Tagen: "Es ist Februar. Wer bei Temperaturen unter null Grad ärmellos geht, ist einfach ein Angeber. Bei allem Respekt."

pad



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