PR-Gau in London Boris Becker beschimpft deutsche Journalistin

Charmant und witzig präsentierte sich Boris Becker bei einer Pressekonferenz in London, wo er als neue Werbefigur für Großbritannien vorgestellt wurde. Doch dann kam die Frage nach der Zwangsversteigerung seiner Finca in Mallorca - und da platzte Becker der Kragen.

DPA

Von , London


Boris Becker fühlte sich offensichtlich wohl im St. Ermin's Hotel in London. Gutgelaunt plauderte der frühere Wimbledon-Champion über seine allwöchentlichen Spaziergänge über die Wiesen des Wimbledon Common, seine Kinder, die auf englische Schulen gehen, und seine Liebe für seine Wahlheimat London. Multikulturell sei die Stadt, kosmopolitisch und vor allem so "zivilisiert". Das Wort gefiel ihm, er wiederholte es mindestens dreimal.

Die britische Tourismusbehörde VisitBritain hatte zur Pressekonferenz geladen, um ihren neuen VisitBritain Celebrity Tourism Ambassador vorzustellen. Ein kleines Werbevideo mit Becker wurde vorgeführt, danach sollte es ein paar lockere Fragen geben.

Becker war charmant, witzig, schlagfertig - so wie ihn britische Fernsehzuschauer seit zehn Jahren kennen und schätzen. In der BBC kommentiert er regelmäßig Tennisspiele und punktet mit treffsicheren Pointen. Ihm werde immer gesagt, er sei der beliebteste Deutsche auf der Insel, witzelte Becker. Das sei ja auch nicht so schwierig.

Grinsend erzählte er, wie vor wenigen Tagen in Wimbledon eine Frau auf ihn zugekommen sei. "Mr. Becker, können Sie mir helfen", habe sie gesagt. Sie hatte sich mit ihren Eintrittskarten um einen Tag vertan, nun sollte er ihr doch noch Zugang zum Centre Court verschaffen. "Ich bin nicht Gott", habe er entgegnet, erzählte Becker den Journalisten. Doch ein Anruf beim Kartenhäuschen genügte, und zwei Stunden später bekam er ein begeistertes Dankeschön vom Centre Court.

Becker musste auch erklären, warum er für Großbritannien Werbung macht und nicht für Deutschland. Wimbledon habe sein Leben verändert, sagte er. "Alle Möglichkeiten, die ich habe, sind durch England entstanden." Er habe dem Land viel zu verdanken, deshalb sei er stolz, als einziger Nicht-Brite bei der Werbekampagne mitzumachen.

Der Botschafter Becker kann auch unzivilisiert

Doch dann verfinsterte sich seine Miene plötzlich. Eine "Welt"-Reporterin fragte, ob er dieses Botschafter-Amt vielleicht auch angenommen habe, weil er in Deutschland eher kritisch gesehen werde und nun die Zwangsversteigerung seiner Finca auf Mallorca anstehe. Gemeint war das Anwesen mit offenen Bau- und Gärtnerrechnungen in Höhe von mehreren hunderttausend Euro, das Ende September zwangsversteigert wird, wenn Becker nicht vorher zahlt.

Becker wurde ungemütlich. "Falsche Frage zur falschen Zeit", sagte er. Solche Fragen seien der Grund, warum er sich in Deutschland nicht mehr so häufig blicken lasse. Der Moderator von VisitBritain leitete schnell zum nächsten Thema über.

Damit hätte Becker es belassen können, der Zwischenfall wäre schnell vergessen gewesen. Doch nach der Pressekonferenz bahnte er sich den Weg durch die Reporter und kam mit erhobenem Zeigefinger auf die Fragestellerin der "Welt" zu. Der englische Charme war nun vollends dahin, übrig blieb deutsche Aggressivität. Die Frage sei eine "Unverschämtheit", bellte Becker die verdutzte Reporterin an. Das sei überhaupt nicht das Thema gewesen. Wenn sie keine Lust habe, solle sie doch wegbleiben statt "den Rahmen zu sprengen".

Die Umstehenden guckten betreten zu Boden. So unzivilisiert kann der Botschafter Becker also auch sein.

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genugistgenug 03.08.2012
1. ...
so schnell ist der Lack ab PS liebe Briten, ihr habt doch genug gute Leute und braucht nicht solche typisch deutschen Typen
totalmayhem 03.08.2012
2.
Zitat von sysopDPACharmant und witzig präsentierte sich Boris Becker bei einer Pressekonferenz in London, wo er als neue Werbefigur für Großbritannien vorgestellt wurde. Doch dann kam die Frage nach der Zwangsversteigerung seiner Finca in Mallorca - und da platzte Becker der Kragen. Olympische Spiele: Boris Becker beschimpft Journalistin in London - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,848152,00.html)
Manche deutsche Journalisten verdienen es einfach beschimpft zu werden. ;) Da Mallorca von Wasser umgeben ist, handelt es sich um eine Insel und folgerichtig muss es daher heissen *auf* Mallorca.
GMNW 03.08.2012
3. Botschafter
Herr Becker war von Kurt Becks Gnaden für 500.000 Euro auch ein Botschafter des Nürburgrings. Was er da eigentlich gemacht hat, konnte auch während einer Fragestunde im rheinland-pfälzischen Landtag nicht geklärt werden.
cassandros 03.08.2012
4. Waren Sie schon mal in Sel?
Zitat von totalmayhemManche deutsche Journalisten verdienen es einfach beschimpft zu werden. ;) Da Mallorca von Wasser umgeben ist, handelt es sich um eine Insel und folgerichtig muss es daher heissen *auf* Mallorca.
Ich war mal auf England. Aber auf Australien war ich noch nicht. Vorher fahr' ich aber sicher noch auf die Antarktis.
benutzer10 03.08.2012
5. Becker nicht gottähnlich?
Zitat von sysopDPACharmant und witzig präsentierte sich Boris Becker bei einer Pressekonferenz in London, wo er als neue Werbefigur für Großbritannien vorgestellt wurde. Doch dann kam die Frage nach der Zwangsversteigerung seiner Finca in Mallorca - und da platzte Becker der Kragen. Olympische Spiele: Boris Becker beschimpft Journalistin in London - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,848152,00.html)
Diese Wahl spricht nicht für die Engländer, ein Grund, da nicht hinzufahren. Alles, was ich über Becker und seine Äußerungen lese, spricht dafür, dass er sich doch für so etwas ähnliches wie einen "Gott" hält.
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