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Oprah Winfreys Skandalbiografie Schundroman mit Schmuddelkram

TV-Talkerin: Die Geschichten der O.
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AP

Sie ist die Queen des TV-Talks und reichste Entertainerin der USA. Doch Oprah Winfrey hat noch eine andere Seite. Klatsch-Biografin Kitty Kelley beschreibt sie jetzt als eiskalte Diva, die Details ihrer Vergangenheit schlicht erfunden habe - und die Leser fragen sich: Welches Bild stimmt?

Die Show endet mit Kreischen und Konfetti, wie so oft. "One! Million! Dollars!", grölt Oprah Winfrey. Eine Million Dollar hat Sue Compton gewonnen, eine ekstatisch hüpfende Hausfrau aus New Jersey. Und zwar für ihr Backrezept "Mini Ice Cream Cookie Cups": Kekstörtchen mit Vanilleeis, Himbeeren und geraspelten Walnüssen. "Hmmm!", ruft die zuletzt wieder in die Breite gegangene Winfrey.

Compton ist Siegerin des "Pillsbury Bake-Offs", eines vom US-Lebensmittelhersteller Pillsbury gesponsorten Wettbackens. Die Entscheidung wird in Winfreys Talkshow "Oprah" verkündet. Winfrey zieht Comptons Namen theatralisch aus einem Umschlag, wie bei der Oscar-Verleihung.

Der Torten-Showdown krönt an diesem Tag den typischen "Oprah"-Mix: Product Placement, Promi-Plausch, die obligatorische Prise aus Inspiration und Frauen-Power. Der Großteil der TV-Stunde am Mittwoch entfiel auf eine katzbuckelnde Visite bei Virgin-Chef Richard Branson, der seine teure Privatinsel und sein Weltraumprojekt vorstellen durfte.

Worüber Winfrey natürlich kein Wort verliert: Sie findet sich plötzlich selbst im Mittelpunkt des Tratsch-Hurrikans. Denn Kitty Kelley, die verhasste Königin der Skandalbiografie, hat Winfrey zu ihrem Opfer erkoren - nach Frank Sinatra, Nancy Reagan, Jackie Onassis, Liz Taylor und dem Bush-Clan. Kelleys Enthüllungsschmöker, seit dieser Woche auf dem US-Markt, hat 524 Seiten, aber nur ein unmissverständliches Wort als Titel: "Oprah".

Mal düsteres Psychogramm, mal pseudorealer Schundroman

Das Buch ist ein klassischer Kelley. Eine Hinrichtung mit spitzer Feder, getarnt als Liebeserklärung. Sie empfinde "Bewunderung und Respekt" für Winfrey, gurrt Kelley, um dann loszulegen. Die erste Auflage von "Oprah", 500.000 Exemplare, soll bereits ausverkauft ein. Es gilt die alte Regel: Je mehr ein Star verbergen zu versucht, umso mehr gibt es zu enthüllen. Je misstrauischer der Star die Welt um sich herum beäugt, umso misstrauischer beäugt die Welt den Star.

Oprah Winfrey ist die mächtigste, reichste, populärste Entertainerin der USA. "Vanity Fair" schreibt ihr mehr Einfluss auf die Kultur des Landes zu als "Universitätspräsidenten, Politikern oder Religionsführern" - "vielleicht mit Ausnahme des Papstes". Wobei letztere Einschränkung dieser Tage wohl überflüssig ist.

Kelley lässt nun in ihrem Buch nichts aus, was immer schon über Oprah gemunkelt wurde, und ergänzt es mit allerlei Neuigkeiten. Das Ergebnis ist mal ein düsteres Psychogramm, mal ein pseudorealer Schundroman. Winfreys Fans werden sich nach der "Oprah"-Lektüre solidarisch hinter ihr Idol scharen - ihre Feinde werden sich bestätigt fühlen.

Die "Queen of Talk" als "Queen of Mean"

Kelley schreibt über angebliche Ex-Liebhaber(innen) Winfreys, porträtiert die Fernsehfrau als eiskalte Diva, lässt sie von Mitgliedern der eigenen Familie kreuzigen. "Oprahs geheimes Leben - lesbische Affären, Prostitution und Missbrauchslügen", giftet das konservative Boulevardblatt "New York Post", das Winfrey nicht erst hasst, seit sie Barack Obamas Präsidentschaftskandidatur unterstützte. Oprah-Jünger dürften Kelley zu Recht als "Giftfeder" abtun, wie ihr eigener Biograf George Carpozi sie einmal nannte. Denn die Autorin bezieht sich auf anonyme Quellen und reduziert die brisantesten Vorwürfe auf vage Andeutungen.

Eines aber bleibt hängen: Oprah Winfrey, Multimilliardärin, Philanthropin, erfolgreichste Talkerin in der US-Geschichte, eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Welt, führt ein einsames Leben voller Geheimnisse. Die Frau, die andere auf ihrer TV-Couch gerne zur tränenreichen Offenbarung treibt, fürchtet die Selbstentblößung. Sie schottet sich ab und kämpft für ihr Image.

Kelley bekam das diese Woche selbst zu spüren, als sie sich auf TV-Werbetour wagte. Die größten Plauderstars der Branche boykottieren sie: Larry King, Barbara Walters, David Letterman. Walters habe ihre Verweigerungshaltung damit begründet, dass sie ihre Beziehung zu Oprah "nicht belasten" wolle - so erzählte es Kelley in der "Today Show", der einzigen US-Morgenshow, die sie einlud.

Die Branche fürchtet Winfrey im selben Maß, wie sie von den Zuschauern geliebt wird. Ihr Wohlwollen adelt Unbekannte zu Stars, ihre Missbilligung kann Karrieren vernichten. "Eine Einladung bei 'Oprah' ist das ganz große Los und wird es immer sein", sagte Imageberater Peter Shankman dem Sender "Fox News". "Niemand will sich ihren Groll zuzuziehen."

Außer eben Kelley - und ihre Informanten, die sich über Winfreys weniger schmeichelhafte Seiten ausließen. Darunter ehemalige Lebensgefährten, Mitarbeiter (trotz Geheimhaltungsverträgen), selbst Angehörige von Winfreys verzweigtem Familienclan.

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