Ostalgie Manfred Krug und "das Schöne" an der DDR

Versöhnliche Töne von Manfred Krug: Der Schauspieler und frühere DDR-Star, der 1977 in die Bundesrepublik übergesiedelt war, blickt offenbar keineswegs nur im Zorn auf den Arbeiter- und Bauernstaat zurück. Es habe auch "Schönes" gegeben.


Hamburg - Der Schauspieler und langjährige "Tatort"- Kommissar Manfred Krug sieht die Vergangenheit in der DDR nicht nur negativ.

In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstagausgabe) schildert der 71-Jährige die positiven Aspekte des Lebens in der DDR so: "Jeder Mensch in der DDR konnte selbst seine Miete und die Grundnahrungsmittel bezahlen. Das war etwas Schönes und Beruhigendes. Es gab keine Tafeln, wo abgelaufene und leicht angeschimmelte Produkte aus den Supermärkten angeboten wurden."

Krug hatte in der DDR als Schauspieler Karriere gemacht, wurde zudem als Jazz-Interpret gefeiert. Sein regimekritischer Film "Spur der Steine" von 1966 wurde in der DDR jedoch verboten. 1976 erhielt Krug ein Teilberufsverbot, weil er sich einem Protest gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann angeschlossen hatte.

Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Krug nun, "bei aller Kritik, die ich damals schon gegen die DDR vorgebracht habe: "Es gab in der DDR keine Leute, die sich bereichern und absahnen konnten, nur weil sie einen Job bei der Bank hatten. Es gab nicht diese Räuber mit Schlips und Kroko-Aktentasche, die in dein Haus kommen und dir sagen, was du tun sollst, damit sie dich möglichst schnell aussaugen können."

Dennoch zeigte sich Krug in dem Interview auch überrascht, wie umfangreich er damals von der Stasi bespitzelt wurde. Krug übersiedelte 1977 mit seiner Familie in die Bundesrepublik.

Dass er bespitzelt wurde, erfuhr Krug erst lange nach seiner Übersiedlung in den Westen: "Das habe ich erst mitgekriegt, als ich schon mindestens zehn Jahre im Westen gelebt habe. Als dann die DDR kaputt und die Stasi im Eimer war, habe ich Einblick in meine Akte bei der Gauck-Behörde genommen. Geahnt hatte man es vielleicht, als Künstler bespitzelt zu werden, aber von wem, wann, wo und mit welchen Methoden, das wusste man nicht."

Auch das Ausmaß der Stasi-Unterlagen über ihn überraschte den Schauspieler: "Es waren sieben dicke Aktenordner."

pad/dpa

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