Papst Franziskus "Die Kirche muss sich nicht nur bei Homosexuellen entschuldigen"

Papst Franziskus erklärt, Homosexuelle hätten eine Entschuldigung für ihre Behandlung durch die Kirche verdient. Auch Frauen, Geschiedene und ausgebeutete Kinder müsse man um Verzeihung bitten.

Papst Franziskus auf der Rückreise nach Rom
REUTERS

Papst Franziskus auf der Rückreise nach Rom


Selbst wenn Papst Franziskus über den Wolken spricht, hallen seine Worte bisweilen am Boden nach: Auf dem Rückflug von seiner Reise nach Armenien hat sich das Kirchenoberhaupt den Fragen von Journalisten gestellt. Dabei sagte Franziskus, dass Schwule und Lesben eine Entschuldigung für ihre Behandlung durch die katholische Kirche verdient hätten.

Franziskus schloss sich damit den Worten des deutschen Kardinals Reinhard Marx an. Der Erzbischof von München hatte nach dem Attentat auf den LGBT-Nachtklub Pulse in Orlando im US-Bundesstaat Florida in einem Interview mit der "Irish Times" gesagt: "Die Geschichte der Homosexuellen in unserer Gesellschaft ist schlimm, denn wir haben viel dazu beigetragen, sie ins Abseits zu schieben." Dafür müssten sich Kirche und Gesellschaft entschuldigen.

Franziskus bestätigte diese Haltung von Marx mit einer Abwandlung seines berühmten Zitats von 2013. Damals hatte der Papst auf die Frage nach seiner Haltung zu Schwulen und Lesben gesagt: "Wer bin ich, über sie zu urteilen?" Auch dieses mal bestärkte Franziskus, die Kirche solle Homosexuelle nicht diskriminieren, sondern mit Respekt behandeln.

Einige Verhaltensweisen der LGBT-Gemeinschaft könne man zwar dafür anprangern, "etwas anstößig für andere" zu sein. Wenn aber jemand dieses Befinden habe, der guten Willens sei und nach Gott suche, "wer sind wir, über sie zu richten?" Der Vatikansprecher Federico Lombardi erklärte später, der Papst habe mit "Befinden" keinen medizinischen Zustand, sondern einen Lebensstil gemeint.

"Wir müssen sie begleiten", sagte Franziskus. "Ich denke, die Kirche muss sich nicht nur bei homosexuellen Menschen entschuldigen, wenn sie sie gekränkt hat."

"Wir müssen uns auch bei den Armen entschuldigen, den Frauen, die ausgenutzt, den Kindern, die zur Arbeit gezwungen wurden. Wir müssen uns entschuldigen für die vielen Waffen, die wir gesegnet haben." Auch die Familien, die mit Scheidungen und anderen Problemen zu kämpfen hätten und die man im Stich gelassen habe, müsse man um Verzeihung bitten.

cnn/AP/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.