Franziskus über falsche Freunde Der Papst fühlt sich benutzt

"Noch nie hatte ich so viele angebliche Freunde wie jetzt": Papst Franziskus klagt über Menschen, die sich an ihn heranwanzen, um von seiner Aura zu profitieren.

Papst Franziskus: Gespräch mit einem Freund
AFP

Papst Franziskus: Gespräch mit einem Freund


Nur selten gewährt Papst Franziskus weltlichen Medien Interviews. Und noch seltener spricht er dabei über Dinge, die ihn als Privatmenschen bewegen und erzürnen. Insofern sind die Aussagen bemerkenswert, die er jetzt in einem Telefoninterview mit dem argentinischen Radiojournalisten Marcelo Gallardo machte.

Der Papst sagte, er fühle sich seit seiner Wahl im März 2013 von sogenannten Freunden benutzt. "Noch nie hatte ich so viele angebliche Freunde wie jetzt. Jeder ist der Freund des Papstes", sagte Franziskus, der aus Argentinien stammt und mit dem Journalisten Gallardo seit Jahren eine echte Freundschaft pflegt. Das schreibt der britische "Guardian".

Viele der vorgeblichen Freunde habe er nicht öfter als ein- oder zweimal gesehen. "Sie machen das zu ihrem eigenen Vorteil", sagte Franziskus. "Freundschaft unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit - lass uns sehen, welchen Vorteil ich bekomme, wenn ich nah an dieser Person bin - so etwas schmerzt mich." Freundschaft sei "heilig". In der Bibel heiße es, man habe ein oder zwei Freunde.

Der 78-Jährige sprach auch über den Missbrauch der Schöpfung - und geißelte das Verhalten profitgieriger Menschen als Ausbeutung. "Manchmal behandeln wir die Schöpfung wie unseren schlimmsten Feind. Denken Sie an Abholzung, Missbrauch von Wasser, an Methoden Mineralien zu gewinnen, indem man Arsen und Cyanid verwendet, was Menschen krank macht".

Franziskus reist am 22. September zu einem ersten offiziellen Besuch in die USA. In New York und Philadelphia werden zu seiner Ehre Großstars der US-Musikszene auftreten, etwa Aretha Franklin, Jennifer Hudson und Gloria Estefan. Überschattet wird der Besuch im Vorfeld von offenbar ernstzunehmenden Drohungen gegen das Kirchenoberhaupt.

Video: New York trifft Sicherheitsvorkehrungen vor Papstbesuch

sms/AP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 63 Beiträge
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einkleinerprinz 15.09.2015
1.
Willkommen in der Wirklichkeit, lieber Papst. Du bist sicher ein bemerkenswerter Papst, und Du hast auch den richtigen Weg eingeschlagen. Ich wünsche mir, dass Du ihn auch gehst, diesen sicher sehr schweren Weg.
lilsue66 15.09.2015
2. er hat recht...
...und ich finde es gut, dass er so vieles einfach ausspricht. menschliches Fehlverhalten wird viel zuwenig öffentlich angeprangert und als eine so grosse Instanz darf und muss er über das sprechen, was ihn auch persönlich betrifft.
christomuc22 15.09.2015
3. Das kann man nur bestätigen...
der Gendarmeriechef Gianni und seine ganze Mischpoke, der Personen des dt. Kollegs Campo Santo und viele andere, dt. Kardinäle die hintenrum den Papst gerne woanders sähen und vornerum vor dem Papst rumwinseln dass einem schwindelig wird... Der Papst kann einem nur leid tun... Gänswein gehört sicher nicht zu den falschen Freunden - der lässt ja keine Gelegenheit aus, sinngemäß zu sagen, dass dieser Papst ja gar kein richtiger Papst sei... Ratzinger war der letzte Feudalherrscher im Vatikan (vorerst - die nächsten sitzen ja schon in den Startlöchern (Marx, Müller, etc...))...
kyon 15.09.2015
4. Jedem sein eigener Vorteil
Ein Mensch, der sich für den Stellvertreter des Sohnes eines höheren Wesens ausgibt, sollte sich nicht darüber beschweren, dass die angeblichen Geschöpfe dieses höheren Wesens menschlich ihren Vorteil von seinem kirchlicherseits zwar menschlich, aber anti-jesuanisch geschaffenen amtlichen Vorteil durch Selbst-Überhöhung profitieren wollen.
Pfaffenwinkel 15.09.2015
5. Der Papst
sollte bei seinem Besuch in den USA die Bergpredigt Jesu im Gepäck haben und sie öffentlich vorlesen. Mehr Worte braucht es nämlich nicht.
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