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Franziskus im Heiligen Land: Papst lädt Peres und Abbas zum Beten ein

REUTERS

Es ist eine besondere Einladung: Papst Franziskus will mit dem israelischen Staatschef Peres und dem Präsidenten der Palästinenser Abbas gemeinsam im Vatikan für Frieden beten. Die beiden Politiker sagten zu.

Jerusalem - Frieden, Versöhnung und Liebe - dies sind die wichtigsten Themen auf seiner Reise in den Nahen Osten, hatte Papst Franziskus zu Beginn seiner Pilgerreise mitgeteilt. Bei seinem Besuch in Betlehem wurde er jetzt konkreter: Das Oberhaupt der katholischen Kirche lud den israelischen Staatschef Schimon Peres zusammen mit dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas zu einem gemeinsamen Gebetstreffen für den Frieden ein.

Es gehe darum, "von Gott das Geschenk des Friedens zu erflehen", sagte der Papst. Alle wollten den Frieden. Sie würden gemeinsam mit ihm intensiv beten, sagte der Papst. Dafür stelle er den Vatikan zur Verfügung, so Franziskus am Sonntag am Ende einer Messe auf dem Krippenplatz in Betlehem im von Israel besetzten Westjordanland.

Abbas und Peres nehmen die Einladung an, teilten ihre Büros mit, berichtete die Nachrichtenagentur AP. Kommenden Monat würden die beiden Franziskus im Vatikan besuchen. Der neunzigjährige Friedensnobelpreisträger Peres, der in diesem Sommer sein Amt niederlegen wird, gilt im Nahost-Konflikt als gemäßigt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hingegen könnte das Treffen im Vatikan verärgern - er vertritt die Devise, nicht mit den Palästinensern zu verhandeln, solange die sich mit der radikalislamischen Hamas aussöhnen.

Der Papst forderte bei einem Treffen mit Abbas in Betlehem ein Ende des Nahost-Konflikts und eine Zwei-Staaten-Lösung. Es sei an der Zeit, der Situation, die "immer unerträglicher" werde, ein Ende zu setzen, sagte er. Alle Beteiligten müssten den "Mut" zum Frieden aufbringen, der auf dem Recht zweier Staaten beruhen müsse, "in Frieden und Sicherheit und innerhalb international anerkannter Grenzen zu existieren und zu leben".

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Der Heilige Vater im Heiligen Land: Papst Franziskus besucht Palästinenser
Nach dem Treffen mit Abbas legte Franziskus auf dem Weg zum Krippenplatz im Betlehem einen ungeplanten Zwischenstopp an der israelischen Sperranlage zum Westjordanland ein. Wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, stieg der Papst aus seinem weißen Papamobil aus und ging zu Fuß zu der acht Meter hohen Betonmauer, wo er einige Minuten lang zum Gebet verweilte.

8000 Polizisten sollen Franziskus in Jerusalem schützen

Die von den USA vermittelten Friedensverhandlungen waren im vergangenen Monat gescheitert. Israel warf Abbas vor, durch seinen Versöhnungspakt mit der radikalislamischen Hamas im Gaza-Streifen die Gespräche torpediert zu haben.

Abbas hingegen klagt Israel an, Christen und Muslime aus Jerusalem verdrängen zu wollen. Er habe den Papst über die "tragische Situation in Jerusalem informiert", sagte Abbas. Israel versuche "systematisch", die Identität und den Charakter Ost-Jerusalems zu verändern. Dazu schneide es sowohl christlichen als auch muslimischen Palästinensern "die Luft ab".

Im Laufe des Tages wird der Papst nach Israel weiterreisen. In Jerusalem wurden 8000 Polizisten aufgeboten, um die Sicherheit von Franziskus zu gewährleisten. In der Nacht hatten sich jüdische Extremisten auf dem Zionsberg in Jerusalem versammelt, um gegen den Besuch des Papstes in Israel zu demonstrieren. Laut einem Bericht des Armeeradios waren rund 150 Menschen anwesend.

Polizei nimmt jüdische Radikale fest

Einige Protestler bewarfen Sicherheitskräfte mit Steinen und Flaschen, dabei wurden zwei Polizisten leicht verletzt, teilte Polizeisprecher Micky Rosenfeld mit. Radikale Demonstranten hätten sich zudem in der heiligen Stätte verschanzt. 26 Menschen seien daraufhin am Sonntag festgenommen worden. Unter den Festgenommenen war demnach auch ein Soldat, der einen Polizisten mit seiner Waffe bedroht hatte.

Auf dem Berg außerhalb der Jerusalemer Altstadt befindet sich eine religiöse Stätte, die von Christen, Juden und Muslimen verehrt wird. Juden huldigen die Stätte als Grab des biblischen Königs David, nach christlicher Überlieferung fand in dem Gebäude das letzte Abendmahl von Jesus Christus und seinen Jüngern statt.

Fanatische nationalreligiöse Juden hatten vor dem Papstbesuch den Widerstand gegen Pläne verstärkt, den Christen mehr Nutzungsmöglichkeiten zu gewähren. Bisher dürfen Christen hier - an ihrer zweitheiligsten Stätte nach der Grabeskirche - nur am Gründonnerstag und Pfingstsonntag Liturgien feiern. Christen haben große Probleme in Israel, immer wieder schänden radikale Siedler Friedhöfe und Kirchen.

Der Papst hatte seine Reise am Samstag in Jordanien begonnen, von dort flog das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag mit einem Militärhubschrauber in das Westjordanland. Auf dem politischen Besuchsprogramm steht neben Abbas und Peres auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. In Israel wird der 77-jährige Franziskus außerdem die Klagemauer und die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem besuchen, Messen lesen und immer wieder mit Gläubigen gemeinsam beten, bevor die Reise am Montag wieder endet.

lgr/dpa/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
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1. .
kaputtschino 25.05.2014
Zitat von sysopAPSie warfen Steine und Flaschen, verletzten Polizisten: In Jerusalem kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen kurz vor dem Besuch von Franziskus. 26 jüdische Radikale wurden festgenommen. http://www.spiegel.de/panorama/leute/papst-franziskus-in-israel-palaestina-und-jordanien-a-971540.html
Die haben wohl zu viel Sonne abbekommen.
2.
global player 25.05.2014
Zitat von kaputtschinoDie haben wohl zu viel Sonne abbekommen.
Mehr darf dazu offenbar nicht gesagt werden.
3. Eine sinnlose Reise
Ylex 25.05.2014
Dieser Papst ist eine Wohltat, er setzt starke Akzente einer neuen Bescheidenheit des Klerus, und er steht für die Rückkehr des Katholizismus zu seinem Kerngeschäft, das heißt zur Vermittlung seiner Offenbarungform der christlichen Religion, die den Evangelismus und die Orthodoxie traditionell dominiert - so weit, so Fakt - doch was treibt Franziskus nach Jersualem? Was will er dort ausrichten, im Kernland der Juden, wo die Aufspaltung der mosaischen Religion in drei widerstreitende Religionen kulminiert? Ich finde darauf keine vernünftige Antwort. Franziskus hätte zu Hause in Rom bleiben soll, dort hätte er eine weitere Friedensbotschaft für den Nahen Osten verlesen können, auch wenn sie wie seine vorigen ungehört in der Welt verhallt wäre. Der Papst sollte nicht Öl ins Feuer gießen, wo es sowieso schon brennt - denn egal wie friedvoll und moderierend er selbst seine Reise einschätzt, sie wird letzten Endes als ein Insistieren gedeutet werden, als Beharren auf einer bedeutenden Rolle des Christentums im Heiligen Land. Nein, Insistieren ist gewiss nicht Missionieren, aber die Christen stellen, mit Ausnahme des Libanon, eine verschwindend geringe Minderheit dar in den Staaten des Nahen Ostens. Die Anwesenheit des Papstes ändert daran nichts. Im Heiligen Land liegen die Wurzeln des Christentums, und niemand will das in Abrede stellen - allerdings sind die Zeiten der Kreuzzüge lange vorbei, sie liegen fast tausend Jahre zurück. An ihre Stelle sind nun leider andere Kreuzzüge getreten, nur nicht im Namen des Kreuzes. Der christliche Einfluss in der Gegenwart im Nahen Osten ist nicht nur marginal, sondern auch unerwünscht - der Papst muss damit leben. Der heilige Vater der Katholiken kann die chronische Auseinandersetzung zwischen Judentum und Islam nicht positiv beeinflussen, an solchen Aktivitäten sind weder die Juden noch die Araber interessiert. Fazit: eine sinnlose, eher problematische Reise.
4. Jedem Land seine Idioten - warum nicht auch Israel?
denkdochmal 25.05.2014
Zitat von sysopAPSie warfen Steine und Flaschen, verletzten Polizisten: In Jerusalem kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen kurz vor dem Besuch von Franziskus. 26 jüdische Radikale wurden festgenommen. http://www.spiegel.de/panorama/leute/papst-franziskus-in-israel-palaestina-und-jordanien-a-971540.html
5. Habe ich noch nie gehört...
pohlstein 25.05.2014
"Bisher dürfen Christen hier - an ihrer zweitheiligsten Stätte nach der Grabeskirche - nur am Gründonnerstag und Pfingstsonntag Liturgien feiern. Christen haben große Probleme in Israel, immer wieder schänden radikale Siedler Friedhöfe und Kirchen." Das sind ja geradezu fundamentalistische Verhaltensweisen... Wenn das Henryk M. Broder wüsste! "Achse des Guten", es juckt ihnen doch sicher in den Fingerspitzen, auch diesen Fall religiös motivierter Gewaltbereitschaft mit gewohnter polemischer Maßlosigkeit zu kommentieren? Wobei ich natürlich einsehe, dass sich Papst Franziskus mit seiner Kritik an kapitalistischen Auswüchsen als Antiamerikaner (oder schlimmeres!) demaskiert hat und sich somit für alle Konsequenzen seines Verhaltens die alleinige Verantwortung trägt. Und mit ihm seine Sympathisanten. Und selbstverständlich stellt sich auch die Frage, ob so jemand noch an der Spitze einer Religionsgemeinschaft tragbar ist. Broder, übernehmen Sie!
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Papst in Jordanien: Heiliger Vater im Heiligen Land

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Papst Franziskus

Präsident der päpstlichen Kommission und des Governatorats für den Staat der Vatikanstadt: Giuseppe Bertello

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