Ansturm auf den Vatikan Papst Franziskus Superstar

Die Beliebtheit von Papst Franziskus löst bei manchen Kopfzerbrechen aus: Zu Ostern rechnet man mit "ungeheuren Massen aus aller Welt", die Rom "überfluten". Und die Museen des Kirchenstaats sorgen sich um das kulturelle Erbe des Vatikan.

Von , Rom

DPA/ L'Osservatore Romano

Wenn Papst Franziskus kommt, drängen sich die Massen. Kürzlich predigte er in einer Kirche an der römischen Peripherie, bei Tor Sapienza. Da war noch nie ein Papst. Natürlich war die Kirche überfüllt, natürlich standen draußen Tausende - zwei Großbildschirme brachten ihnen die Messe näher - und natürlich brach der Verkehr ringsherum zusammen. Franziskus war da!

Bei Heimspielen ist es nicht anders. Wer auf dem Petersplatz an der Generalaudienz, meist mittwochs gegen 10 Uhr, teilnehmen will, muss sehr früh aufstehen. Zigtausende Menschen strömen dann zum Petersdom. Viele sehen ihren Hoffnungsträger nur aus weiter Ferne. Touristikunternehmen verkaufen den "garantierten Eintritt" mit deutschsprachigen Erklärungen für 34 Euro pro Person. "Geeignet für Gläubige und Nichtgläubige aus aller Welt", versichert der Anbieter. 6,6 Millionen Menschen hat es in den ersten zehn Monaten seines Pontifikats zu Franziskus Generalaudienzen, Gottesdiensten und Angelus-Gebeten gedrängt. Dreimal mehr als seinen Vorgänger Benedikt in einem ganzen Jahr erleben wollten.

Verzweifelte Sicherheitsleute

Was sich seit der Papst-Kür des Argentiniers Jorge Mario Bergoglio weltweit abspielt, sei "eine Art Papstwunder", so der Politik- und Religionswissenschaftler und ehemalige bayerische Kultusminister Hans Maier. "Eine universelle Euphorie, ein Strom von Erwartungen." So muss es wohl sein. Denn Papst Franziskus ist der globale Superstar. Über nichts und niemanden wird auf Facebook mehr diskutiert, er dominiert Twitter, "Pope Francis" ist der am meisten im englischsprachigen Internet eingegebene Eigenname.

Der italienische Nachrichtendienst ANSA offeriert eine App: "Der Papst direkt". Jede Information, jedes Wort geht direkt in die Welt, in vier Sprachen (nicht auf Deutsch). Franziskus ist der "Mann des Jahres", nicht nur für das US-Magazin "Time".

Doch der Hype um den Chef macht seinem Hofstaat inzwischen schwer zu schaffen. Die Sicherheitsleute sind verzweifelt. Der Mann ist nicht zu schützen, die Menge nicht zu beherrschen. Denn jede Absperrung müssen sie gegen den päpstlichen Widerstand erkämpfen. Und er entschuldigt sich dann sogleich, wie beim Tor-Sapienza-Auftritt, für den "Exzess" an Organisation und das Übermaß an Sicherheit. Er will den Menschen nahe sein, nicht getrennt von ihnen. Auch seine Schweizergarde lässt er lieber Essen an die Bahnhöfe bringen, wo sich die Obdachlosen im Winter sammeln, als immer nur den Vatikan zu bewachen.

Angst vor dem Oster-Chaos

Besondere Sorgen, geradezu Angst machen den Organisatoren der Franziskus-Auftritte schon jetzt die kommenden Ostertage. "Ungeheure Massen aus aller Welt" werden Rom "überfluten", prophezeit ein Bediensteter des Kirchenstaats. Und viele Besucher werden in diesem Jahr nach der Ostermesse nicht wieder abziehen, sondern bleiben.

Denn am Sonntag danach sollen zwei der bislang populärsten Päpste heilig gesprochen werden: Johannes XXIII. und Johannes Paul II. Der eine wird in Italien verehrt wie kein zweiter, der andere wird das katholische Polen in Marsch setzen. Und um Franziskus zu sehen, kommen sowieso Menschen aus allen Kontinenten. Wie soll man den Strom der Menschen lenken, wie die Pilger versorgen, wo beherbergen? Schon jetzt sind die billigen Herbergen mit Vier- bis Sechsbettschlafsälen am Tag der Heiligsprechung nahezu voll.

Auch Antonio Paolucci sieht dem Andrang "nicht ohne Sorge" entgegen. Er ist der Chef der vatikanischen Museen, und die haben bereits jetzt weit mehr Besucher als sie verkraften. Fast 5,5 Millionen Menschen schoben sich 2013 durch die vatikanischen Museen, mehr denn je zuvor. Allein die Masse, ihre Wärme, ihr Atem gefährden die Gemälde und Fresken von unschätzbarem Wert.

Die Zahlen zwängen zu einem "grundsätzlichen Nachdenken", so Paolucci. Vor allem die Sixtinische Kapelle sei in Gefahr. Deshalb kündigte der Museumschef "Maßnahmen" an, um diese besser vor Staub, Ausdünstungen und Temperaturschwankungen zu schützen. Vorrang müsse "die Bewahrung des kulturellen Erbes" haben.

Mal schauen, was der Papst dazu sagt.



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insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
sitiwati 21.01.2014
1. was brauchen
Zitat von sysopDPA/ Osservatore RomanoDie Beliebtheit von Papst Franziskus löst bei manchen Kopfzerbrechen aus: Zu Ostern rechnet man mit "ungeheuren Massen aus aller Welt", die Rom "überfluten". Und die Museen des Kirchenstaats sorgen sich um das kulturelle Erbe des Vatikan. http://www.spiegel.de/panorama/leute/papst-franziskus-organisatoren-rechnen-zu-ostern-mit-menschenmassen-a-942045.html
wir Jesus, wer haben unseren Franziskus-seltsam-dass sich der Papst keine Gedanken macht-selbst hinter dem römischen Feldherrn , der die Siegesparade an führt, stand einer, der ihm immer wieder zurief: Bedenke, du bist ein Mensch!
privat78 21.01.2014
2. Sehnsucht der Menschen
Die Beliebtheit des Papstes zeigt wie groß die Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit der Menschen ist. Und Armut ist ein Thema das viele Menschen bewegt, auch in Europa fürchten sich viele Menschen vor Armut und der dadurch entstehenden Einsamkeit. Wenn ich auch nicht alle Ansichten des Papstes ( z.B, Abtreibung ) teile, finde ich, dass er fast immer die wichtigen Themen der Gegenwart anspricht. Und der Papst ist authentisch.
oliver71 21.01.2014
3. Diesen Papst hat die Welt gebraucht!
Es scheint seit langem endlich ein Papst im Amt zu sein der die Lehren Christus als Maßstab nimmt und nicht die Weltanschauung längst verstorbener weltfremder alter Männer. Einer der Wasser und Brot predigt und auch für sich nur Wasser und beansprucht. Einer der nicht nur predigt anderen sollen teilen sondern einer der selbst teilt. Einer der auch den Reichen und Mächtigen die Leviten liest. Einer der sich als Mensch mit einer Aufgabe sieht und nicht als einen König der über allem steht. Einer der nicht nur Papst wurde um Karriere zu machen sondern um den Menschen zu dienen. Einer der sich traut unpopuläres zu sagen und alte Krusten zu sprengen auch wenn es den ewig Gestrigen in der katholischen Kirche gar nicht passt. Ja man stelle sich vor, die Bank des Vatikans ist in krumme Geschäfte, Steuerhinterziehung, Korruption, Waffenhandel, Drogenhandel, Prostitution und Verbrechen verwickelt. Seine Vorgänger wussten das genauso haben aber nichts unternommen. Schließlich brachte es gutes Geld. Nicht dieser Papst. Dem ist der Profit nicht nur egal sonder grade eher zu wieder. Und was macht er – er räumt den Laden erst mal auf. Auch gibt es Schwule selbst im Vatikan selbst und es gibt geschiedene die vorher kirchlich getraut wurden. Liebt sie Gott deswegen nicht? Doch! Es ist ihm völlig egal nur ein paar aus dem letzen Jahrhundert haben damit wieder ein Problem. Aber auch darüber steht dieser Papst. Ich hoffe diese Wandlung in der katholischen Kirche setzt sich fort und ist nachhaltig.
rostfriese 21.01.2014
4. Des Herrgotts bester Mann...
Bei Papst Franziskus wird auch Konfessionslosen klar, dass der Herrgott hier wirklich einmal seinen besten Mann ins Rennen geschickt hat. Dagegen sind die prunksüchtigen Bischöfe höchstens eine schlechte Folge der Geissens. Schade, dass die Welt so lange auf diesen Papst warten musste.
elizaberlin 21.01.2014
5.
Na, dem Spiegel scheint's ja gar nicht zu gefallen, dass unter der Ägide von Papst Benedikt hart gegen den Missbrauch durchgegriffen wurde und 400 Priester laiziert wurden. Was der SPON-Redaktion nicht in den Kram passt, wird verschwiegen. Wie gut, dass die Auslandspresse auch im deutschen Internet lesbar ist .... Um das ganze noch zu untermauern, werden Anti-Kirche/Anti-Benedikt-Artikel lanciert ... Vielleicht mal zwei Facts dazu: Bei der GA am 8.1. waren (lt. Spiegel-Video) ca. 8000 Menschen auf dem Petersplatz. Beim folgenden Angelus sah es auch ziemlich leer aus. Auch die GA vom letzten Mittwoch zeigte, dass es doch deutlich weniger werden, vor dem Obelisk war Schluss Aus dem deutschsprachigen Raum war übrigens nur eine einzige Pilgergruppe dabei (und ich erinnere mich, dass das zu Benediktszeiten immer eine lange Liste war). Der Großteil der Besucher sind italienische Schulklassen. Dass an Ostern und zu Heiligsprechungen immer Millionen Menschen nach Rom reisen, hat eine lange Tradition und nichts mit Papst Franziskus zu tun. Dazu genügt es, sich die Bilder von der Seligsprechung Johannes Paul II bei vatican.va abzurufen. Was soll mit dieser Manipulation erreicht werden?
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