Ritual am Gründonnerstag Papst wäscht Ex-Mafiosi die Füße

"Alle haben das Recht, sich zu irren": Papst Franziskus hat am Gründonnerstag ehemaligen Mafiosi die Füße gewaschen. Das Ritual beruht auf einer Szene des letzten Abendmahls.

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Inhaftierte ehemalige Mafiosi hat Papst Franziskus in diesem Jahr für seine traditionelle Fußwaschung vor Ostern ausgewählt. Beim "privaten" Besuch des Kirchenoberhaupts im Gefängnis der Kleinstadt Paliano am Donnerstagabend waren keine Kameras zugelassen, wie der Vatikan mitteilte. In der Haftanstalt gut 60 Kilometer südöstlich von Rom sitzen insbesondere Ex-Mafiamitglieder ein, deren lange Haftstrafen wegen ihrer Zusammenarbeit mit der Justiz verkürzt wurden.

Der Papst wusch nach Vatikan-Angaben die Füße von zwölf Gefangenen - darunter ein Muslim, der dabei ist, zum Christentum zu konvertieren, sowie drei Frauen. Vier Häftlinge halfen ihm dabei, die Messe abzuhalten. Die Gefangenen überreichten dem Pontifex Geschenke aus eigener Herstellung: Biogemüse, Kuchen, Kreuze aus Olivenholz.

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Gründonnerstagstradition: Päpstliche Fußwäsche - mit Kuss

Franziskus hat die Mitglieder der italienischen Mafia wiederholt aufgerufen, ihr Leben zu ändern. In einem erschienenen Interview mit der italienischen Zeitung "La Repubblica" sagte der Papst: "Ich wiederhole es noch einmal, alle haben das Recht, sich zu irren." Jeder habe sich schon einmal "auf die ein oder andere Weise geirrt". Franziskus bedauerte zugleich, dass der "Wiedereingliederung in die Gesellschaft" wenig Vertrauen entgegengebracht werde.

Am Morgen feierte der argentinische Papst im Petersdom die Chrisammesse, die den Auftakt zu den liturgischen Osterfeiern bildet. Dabei wurde das "heilige Öl" geweiht, das in den kommenden Monaten zur Spendung von Sakramenten wie Taufe und Kommunion verwendet wird.

Das Ritual der Fußwaschung am Gründonnerstag beruht auf der Überlieferung, derzufolge Jesus beim letzten Abendmahl vor seiner Kreuzigung seinen Aposteln die Füße wusch. Schon als Erzbischof von Buenos Aires hatte Jorge Mario Bergoglio regelmäßig zum Gründonnerstag Fußwaschungen bei Messen in Gefängnissen, Krankenhäusern und Altersheimen abgehalten.

bam/afp



insgesamt 14 Beiträge
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Maître111 13.04.2017
1. Großartiges Ritual
Habe es selbst heute Abend in Frankfurt am Main gesehen.
deklemens 14.04.2017
2. Medienspektakel
Jedes Jahr das gleiche sinnlose Ritual. Das grosse Oster-Märchen müsste doch jeder vernunftbegabte Mensch leicht durchschauen können. Ein Mensch, der die gesamten Sünden der Welt auf sich nimmt, und deswegen am Kreuz sterben muss, ist doch wirklich keine reale Geschichte. Zuerst muss man sich doch schon mal fragen, um welche Sünden geht es überhaupt. Und, was ist das für ein Gott, der ein Menschenopfer braucht, um seine Macht zu demonstrieren. Mich gruselt, wenn ich mir so einen Gott vorstelle. Und dann, die Auferstehung am dritten Tag...die eigenen Jünger von Jesus sind überrascht, aber die Römer bewachten das Grab. Scheinbar wussten sie mehr über die Auferstehungsgeschichte von Jesus, als seine eigenen Jünger. Oder warum mussten sie das Grab überhaupt bewachen? Die Geschichte ist nur für einige wenige von Vorteil, nämlich für die Kirchenoberen der grössten Sekte der Welt. In diesem Sinne, wünsche ich allen "Frohe Ostern".
telos 14.04.2017
3. Sage niemals nie
In jedem Menschen steckt ein Saulus, der zu Paulus mutieren kann. Ich habe manchmal den Eindruck, daß Menschen unbarmherziger sind, als ein Gott, wie er uns im NT überliefert wurde. Denn dem NT nach gibt es für uns Menschen immer die Chance eines Neuanfangs.
frederic_1618 14.04.2017
4. Die gerne in Anspruch genommene
Bedeutung der christlichen Prägung unserer Kultur beruht m.E. auf der Annahme des Leides. So macht auch dieser erste Diener sich zum Bruder der Umkehrwilligen. Eine bedeutsame Geste, die immer mehr ihren Gehalt verliert, in einer Welt, die davon geprägt ist, die Annahme von Leid tunlichst zu vermeiden. Der Bezug auf die viel zitierten Werte drückt sich heute auch gerne darin aus, dass wir uns beim Glockengeläut -welches heute übrigens ausfällt- gerne bei den morgendlichen Übungen gestört fühlen.
Bernhard.R 14.04.2017
5. Ein entwürdigendes Ritual
Ein Papst sollte ernst genommen werden und sich nicht durch solche Zeremonien lächerlich machen.
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