Rom - Das Leben von Anna Schäffer war kurz, 1925 starb sie im Alter von nur 43 Jahren. Zuvor war die frühere Dienstmagd aus dem oberbayerischen Mindelstetten zweieinhalb Jahrzehnte ans Bett gefesselt - wegen eines Unfalls, bei dem sie sich die Beine in kochender Waschlauge verbrühte. Weil Schäffer das Schicksal tapfer ertrug, suchten zahlreiche Menschen Trost bei ihr, schon zu Lebzeiten wurde das "Schreiner-Nandl" als Volksheilige verehrt.
Nun hat Papst Benedikt XVI. Schäffer und sechs weitere Menschen offiziell in den Kreis der katholischen Heiligen aufgenommen. In einem Festgottesdienst auf dem Petersplatz feierte er mit tausenden von Gläubigen aus aller Welt, darunter Pilger aus Schäffers Heimatdiözese Regensburg.
Neben Schäffer wurden auch die Amerikanerinnen Marianne Cope und Kateri Tekakwitha und der philippinische Märtyrer Pedro Calungsod heiliggesprochen. Der französische Missionar Jacques Berthieu, der italienische Ordensgründer Giovanni Battista Piamarta und die spanische Ordensfrau Carmen Salles y Barangueras können künftig ebenfalls als Heilige verehrt werden.
Sofern es sich bei ihnen nicht um Märtyrer handelt, müssen Anwärter auf eine Heiligsprechung aus Sicht der katholischen Kirche ein Wunder vollbracht haben. Anna Schäffer werden nach Angaben des Mindelstetter Pfarrers Johann Bauer gleich zwei solcher Wundertaten zugeschrieben: Das eine betreffe die medizinisch unerklärlich rasche Genesung eines schwer verletzten Mopedfahrers, das andere die Heilung einer Frau, die an einer Leberzirrhose und einer damit verbundenen Bauchwassersucht erkrankt war - einer Sammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle.
Ursprünglich aus Deutschland stammt auch die nun heiliggesprochene Marianne Cope. Sie wurde 1838 im südhessischen Heppenheim als Barbara Koob geboren und wanderte zusammen mit ihren Eltern in die USA aus, wo sie den amerikanisierten Nachnamen Cope erhielt.
Bekannt wurde die Schwester vom Dritten Orden des heiligen Franziskus von Syracuse in New York als "Mutter Marianne von Molokai", weil sie auf der Hawaii-Insel ihr Leben der Pflege von Leprakranken widmete. "Mutter Marianne" starb 1918 im Alter von 80 Jahren, vor sieben Jahren wurde sie von Papst Benedikt seliggesprochen. Schäffers Seligsprechung war bereits 1999 durch Papst Johannes Paul II. erfolgt.
Für besondere Aufmerksamkeit sorgte die Heiligsprechung von Kateri Tekakwitha. Die zum Katholizismus konvertierte Mohawk-Indianerin wurde als erste amerikanische Ureinwohnerin in den Kreis der Heiligen aufgenommen. Die Reaktionen der Stämme sind gespalten, von ihren rund 2,5 Millionen Mitgliedern sind Schätzungen zufolge rund 680.000 katholisch.
dab/dpa/dapd
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