Paris-Prozess Richter schickt Hilton zurück ins Gefängnis

Einmal Freiheit - und zurück: Richter Sauer hat überraschend die Haftverschonung für Paris Hilton aufgehoben. Sie darf den Rest ihrer Haftstrafe nun nicht bequem daheim verbüßen, sondern muss zurück ins Gefängnis. Die Millionenerbin brach nach dem Richterspruch in Tränen aus und verließ das Gericht schreiend.


Los Angeles - "Das ist nicht richtig! Mama", rief die weinende Paris Hilton beim Verlassen des Gerichts. Nur einen Tag nach der vorzeitigen Haftentlassung des Party-Girls verdonnerte Richter Michael Sauer Hilton dazu, den Rest ihrer 45-tägigen Haftstrafe abzusitzen. Er war verärgert über die tags zuvor getroffene Regelung, wonach die 26-jährige Millionenerbin die noch verbleibende Haftzeit relativ komfortabel mit Fußfesseln in ihrer Villa verbringen sollte. Der Richter folgte dem Widerspruch der Staatsanwaltschaft. Nach einem Besuch ihres Psychiaters im Gefängnis hatte der Sheriff Hiltons Zustand vorgestern als instabil eingestuft und verfügt, dass der Rest der Strafe in Hausarrest umgewandelt wird - nach nur drei Tagen in Haft. Hilton müsse während der 40 verbleibenden Tage eine elektronische Fußfessel tragen, damit die Polizei buchstäblich jeden ihrer Schritte verfolgen könne.

Hilton auf dem Weg ins Gericht: "Das ist nicht richtig!"
REUTERS

Hilton auf dem Weg ins Gericht: "Das ist nicht richtig!"

Die Staatsanwaltschaft protestierte umgehend und forderte eine Überprüfung des Vorgangs. Staatsanwalt Rocky Delgadillo sagte, er sei nicht über die Haftverschonung informiert worden. Nach seiner Auffassung habe Richter Sauer und nicht, wie in Hiltons Fall geschehen, das Büro des Sheriffs zu befinden, ob die Strafe umgewandelt werden dürfe.

Die Entscheidung des Richters kam überraschend - ebenso die Anordnung, dass Paris Hilton persönlich vor Gericht erscheinen musste. Lange hatte es am Freitag geheißen, Paris Hilton dürfe wohl in ihrer Villa bleiben und von dort aus mit dem Richter telefonieren.

Begleitet von einem großen Medienaufgebot hatte dann ein Polizeiwagen Paris Hilton von ihrem Haus in Los Angeles abgeholt. Beobachter hatten den Eindruck, dass sie in Handschellen abgeführt wurde. Als sie in das Polizeiauto gesetzt wurde, begann sie zu weinen. Der Wagen brachte sie zum Gerichtsgebäude, wo sie über die Tiefgarage zu der Anhörung geführt wurde. Kurz darauf trafen auch ihre Eltern ein. Während der gesamten Anhörung war Paris Hilton in Tränen aufgelöst
und drehte sich immer wieder verzweifelt zu ihren Eltern um. Richter Sauer ließ sich davon aber nicht beeindrucken.

Der zuständige Sheriff Lee Baca verteidigte heute seine Entscheidung, Hiltons Rest-Haftstrafe in Hausarrest umzuwandeln: "Es ist einfach nicht klug, einen Menschen mit ihren Problemen über einen ausgedehnten Zeitraum im Gefängnis zu lassen und das Problem dadurch noch zu verstärken", sagte der unter Sperrfeuer stehende Baca der "Los Angeles Times".

Staatsanwalt Delgadillo ließ das nicht gelten. Offensichtlich liege ein "Kurzschluss" im Justizsystem vor, giftete er. Er habe seine Mitarbeiter in Bewegung gesetzt, alles dafür zu tun, damit das Gesetz auch in diesem Fall "gleich und gerecht" angewandt werde. "Wir können kein Zwei-Klassen-Gefängnissystem hinnehmen, in dem die Reichen und Mächtigen eine Sonderbehandlung erfahren", erklärte Delgadillo. Sein Sprecher sagte, es seien Hunderte Protestanrufe und Beschwerde-E-Mails eingegangen. Mit seiner Empörung war Delgadillo nicht allein. Auch Bürgerrechtler gingen gegen den Luxus-Arrest für Hilton auf die Barrikaden. Einer von ihnen, Al Sharpton, sprach von einem Fall von Rassen-Justiz.

Sharpton erinnerte an eigene Haftstrafen wegen zivilen Ungehorsams und an einen Hungerstreik. Damals habe die Gefängnisleitung einen Arzt geholt, an seine Freilassung habe niemand gedacht. "Diese Freilassung hat den Anschein einer Begünstigung aus wirtschaftlichen und rassischen Gründen", sagte der 52-Jährige. Für die Armen und Farbigen sei das bedauerlich. Ähnlich äußerte sich Najee Ali, Chef der Vereinigung "Project Islamic Hope". Es gebe Regeln für Reiche und Stars und andere Regeln für alle anderen. Auch von Seiten der Polizei kam Kritik. Der Polizei-Gewerkschaftsvertreter im Sheriff-Büro, Steve Remige, sprach von einer "Sonderbehandlung" für Paris Hilton.

Hohn und Spott ergoss sich über Hilton in Weblogs, wo etwa gefeixt wurde, die narzisstisch veranlagte Jungmillionärin beklebe ihre elektronische Fußfessel gewiss bereits mit Swarovski-Kristallen. Angeheizt wurden solche Phantasien von Berichten des Internetdienstes TMZ.com, die Telefongespräche Hiltons aus der Haft wiedergaben. Darin berichtete die Gedemütigte, sie könne nicht essen und schlafen. Ihr Raum sei nachts zu hell und zu laut. Sie habe kein Kopfkissen, und es sei kalt. Einen Hot-Dog aus der Gefängnisküche habe sie zurückgehen lassen.

kai/jdl/dpa/AFP/AP



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