Pierce Brosnan zur James-Bond-Frage Schwul und schwarz

Ein schwuler Bond oder einer mit schwarzer Hautfarbe? Ex-Spion Pierce Brosnan kann sich das gut vorstellen - glaubt aber, dass eine Rollenveränderung an der Produzentin scheitert.

REUTERS

Seit Monaten wird diskutiert, welcher Schauspieler als nächstes James Bond verkörpern soll. Bei vielen Fans wird als Favorit Idris Elba gehandelt, bekannt aus "The Wire" und "Luther". Mit seiner Besetzung gäbe es erstmals einen schwarzen James Bond auf der Leinwand - was wiederum andere Fans kritisieren.

Nun hat sich ein "007"-Urgestein in die Debatte eingeklinkt. Pierce Brosnan sagte in einem Interview mit dem Männermagazin "Details", er könne sich einen schwarzen oder schwulen Bond sehr gut vorstellen. Dann offenbarte er, wie festgefahren offenbar die Strukturen im Hollywood-Geschäft sind. Er glaube nicht, dass "Bond"-Produzentin Barbara Broccoli einen schwulen Bond zu ihren Lebzeiten auf die Leinwand lasse. "Aber das wäre interessant zu sehen", sagte Brosnan.

In diesem Zusammenhang begrüßte Brosnan, dass sich seine Heimat Irland vor wenigen Monaten klar für die Gleichstellung von Homo-Ehen ausgesprochen hatte. "Genug des Schämens. Es ist ein großartiges Zeichen des zukunftsorientierten Denkens für eine Nation, die so von der Religion geschunden wurde."

Team Idris Elba

In Sachen Besetzungsfrage hatte Brosnan folgenden Rat: "Lassen Sie uns zunächst mit einem großartigen schwarzen Schauspieler als James Bond beginnen", sagte der 62-Jährige. Idris Elba hätte seiner Meinung nach das Format dazu.

Nicht alle von Brosnans Bond-Kollegen sehen die Personalie so offen. Vor einigen Monaten hatte Roger Moore mit Äußerungen über die Herkunft des zukünftigen "007" für Wirbel gesorgt. "Obwohl James von einem Schotten, einem Waliser, einem Iren gespielt wurde, denke ich, er sollte englisch-englisch sein", sagte Moore dem Blatt "Paris Match". Ein schwarzer Bond sei zwar eine "interessante Idee, aber unrealistisch". Moore erklärte später, seine Äußerungen seien nicht auf Elba bezogen und aus dem Kontext gerissen worden.

Später mischte sich auch Yaphet Kotto ein, der in "Leben und sterben lassen" den ersten schwarzen Bond-Bösewicht spielte. Seine Meinung: "James Bond kann nicht schwarz sein. Zum Teufel mit der politischen Korrektheit, wir müssen bei dem bleiben, was buchstäblich korrekt ist."

Der Original-"Bond"-Vorlage von Autor Ian Fleming zufolge ist der Geheimagent der Sohn eines schottischen Vaters und einer Schweizer Mutter. Seine frühe Kindheit verbrachte er demnach im Ausland. Mit elf Jahren verwaist, lebte er dann bei einer Tante im Südosten Englands und wurde später in Edinburgh ausgebildet.

gam/AFP/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
deus-Lo-vult 26.08.2015
1.
Natürlich kann er sich das gut vorstellen. Er hat doch auch überhaupt keine Chance, sich gegenteilig zu äußern, wenn er weiterhin ein gefragter Schauspieler sein möchte! Ich kann mir den Shitstorm bildlich vorstellen. Auch hier im Forum.
Seidel 26.08.2015
2. Wie schon gesagt
In einem früheren Artikel hat ein Leser darauf hingewiesen, dass James Bond laut Romanvorlage mit 99 % Wahrscheinlichkeit ein Weiser ist. "Sohn des schottischen Ingenieurs Andrew Bond aus Glencoe und einer Schweizer Bergsteigerin" Warum sollte man die Rolle mit einem schwarzen Schauspieler besetzen. Das macht einfach keinen Sinn. Genauso wenig wird die Rolle des Martin Luther King oder Mohamed Ali nicht mit einem Weisen besetzt. Also irgendwann reicht es dann auch mal mit der Gleichstellung.
pterodactylus 26.08.2015
3. Ich kann mir auch vieles vorstellen
Die Frage ist, ob das dann noch "James Bond" ist, oder nur irgendetwas, das so heißt. Wenn man krampfhaft versucht, alles in eine politisch korrekten Einheitsbrei zu verwandeln, dann ist die Marke "James Bond" ohne Kennzeichen. Dann guck ich lieber Mission Impossible, da weiß ich, dass das, was drauf steht, auch im Film vorkommt.
Karbonator 26.08.2015
4.
Zitat von deus-Lo-vultNatürlich kann er sich das gut vorstellen. Er hat doch auch überhaupt keine Chance, sich gegenteilig zu äußern, wenn er weiterhin ein gefragter Schauspieler sein möchte! Ich kann mir den Shitstorm bildlich vorstellen. Auch hier im Forum.
Sie können also mit solch einer Sicherheit sagen, daß Pierce Brosnan das Gesagte nicht wirklich meint, sondern aus reinem Geschäftskalkül von sich gibt? Hach, Ihren Einblick in die Köpfe von anderen Menschen hätte ich auch gerne!
chargon 26.08.2015
5. Warum kein Rothaariger
Warum wird der nächste James Bond nicht mahl Rothaarig,die werden nämlich auch unterdrückt.
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